01. – 07. August 2026
Kurtage 08-09
Samstag – weder Therapie noch Landhaustreff
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Unser Einstieg in den Tag, trotz meines deutlich reduzierten Schlafes – kommt davon, wenn man erst gegen 1:00 Uhr das iPad zuklappt – war recht gut. Vollständig entspannt ging’s durch die Session im Bad und ab zum Frühstücken.
Atta Höhle in Attendorn
Auf meiner Liste an möglichen Ausflugszielen stand ‚ diel Atta – Höhle in Attendorn, rund 65 Kilometer westlich von Winterberg gelegen, ganz oben. Nach rund 70 Minuten Fahrzeit, bergan und bergab, war der Parkplatz der Atta – Höhle erreicht. Gegen eine Parkgebühr, Tageskarte, von 3 € konnten wir dort am Aufgang zur Höhle parken.

Die Höhle selbst gehört den Erben des Steinbruchbesitzers der bei Sprengarbeiten 1907 die Höhle entdeckte. Für uns machte es sich rasch bemerkbar. Menschen mit Schwerbehindertenausweis, selbst mit dem Merkmal „B“, müssen den vollen Eintrittspreis bezahlen. An der Kasse wurde mir gesagt, dass dies keine öffentliche Einrichtung sei. Überraschend.
Vor der Höhle hatten wir einen begrenzten Disput. Sie verstand nicht, warum bei Temperaturen um die 25 Grad sie einen Hoodie und eine dünne Jacke anziehen sollte. Beirren ließ ich mich nicht. Schließlich war das geklärt. Ich drehte mich um und wurde von einem Mitarbeiter am Eingang zur Höhle angeflaumt. Wieso ich das nicht früher gemacht hätte. Jetzt könnten wir nicht mehr hinein. Wir müssten waren. Auf meine Erwiderung, dass wir dann warten würden, meckerte er los: Dann hätte ich noch andere mit hinein schicken können; sie halten den Verkehr auf. Drehte sich um und verschwand. Kopfschütteln. Mehr fiel mir nicht dazu ein.
Die rund 45 Minuten, die wir durch die Höhle gingen, waren wunderbar. Ich benötige einige Minuten, um meine Frau so zu unterstützen, dass sie beim Treppen hoch und runter steigen, dem alleine durch enge Korridore gehen, sich sicher fühlte. Um mit dem Schuhwerk Trittsicherheit zu gewährleisten, hatte ich darauf bestanden, dass sie ihre Meindl Wanderschuhe anzieht. Einverstanden war sie bis zum Einstieg in die Höhle nicht mit meiner Entscheidung.
Das Klima in der Höhle mit einer stabilen I Luftfeuchtigkeit von 95%, einer gleichbleibenden Temperatur von 9 Grad, völliger Staub-, Keim- Allergen-, Ozonfreiheit bei null Wind, ist ein Geschenk für Menschen wie mich, die Atemnot und Asthma kennen.
Das Fotografieren ist in der Höhle untersagt. Das hat mich nicht gestört, konnten meine Frau sich doch Karten aussuchen und ich mir die Broschüre der Atta Höhle zulegen.
Bummeln durch Attendorn
Einen knappen Kilometer von derAtta Höhle entfernt, beginnt die Innenstadt von Attendorn mit einem Fußgängerbereich. Mittagszeit. Wir kommen am „Mauerwerk“ vorbei, ich schaue in die Speisekarte, lese vor und meine Frau reagiert bei einer Pizza sehr schnell mit „Ja, das will ich essen.“ Super.

Auf meinem Teller kamen Spaghetti, wunderbar al Dente, mit frischen Pfifferlingen und Hähnchenbrut. Die Pizza, riesig groß, mit sehr aromatischen Tomaten, Fior di Latte, Parmesan und Burrata in der Mitte. Nach dem Portionieren mit dem Messer, aß ich ein kleines Randstück und eine Tomate. Das nenne ich armatisch und ein wirklich guter Pizzateig. Ich bin nun mal nicht der Liebhaber von Pizzen. Doch die Kenntnis über die Qualität der Pizzen hätte ich früher wissen wollen. So passierte es, wie viele male zuvor. Meine Frau aß rund 1/3 der Pizza. Danach war sie satt. Wirklich unterstützen konnte und wollte ich nicht. Meine Portion hätte kleiner ausfallen dürfen. Heißen Espresso zu servieren, da müssen sie noch üben. Ich kann das Mauerwerk empfehlen.
Den Dessert verschoben wir auf später. Erst einmal eine Runde durch die Altstadt drehen. Immer wieder stießen wir auf Skulpturen im öffentlichen Raum die im Rahmen eines Projektes zum 800 jährigen Jubiläums von Attendorn, 2022, angekauft und aufgestellt wurden.

Am Rathaus fanden wir nicht nur die „sich treffende Hände“ des Künstlers Eberhard Linke, sondern sahen auch zahlreiche Menschen unter einem großen Blätterdach des einzigen Baumes auf dem Platz der Schatten spenden konnte, Eis essen. Dann mal da hin. „La Perla“ bot sich an.
Nuss, Stracciatella, salziges Karamell für meine bessere Hälfte. Für mich eine Kugel Pistazieneis nur mit sizilianischen Pistazien hergestellt und Nuss. Wow. Nicht schlecht, dieses Pistazieneis. Nichts was an einen Geschmack durch Chemiebaukasten künstlich erzeugt daher kommt. Das nenne ich eine gelungene Symbiose zwischen sizilianischen Pistazien und die Fertigkeit Speiseeis zu kreieren. Selbst das Pistazieneis unserer bevorzugten Eismanufaktur, dem Dolci Creazioni, ebenso auf der Kölner Straße, nur in Langenfeld. Ob es in Attendorn ein besseres Eis gibt, weiß ich natürlich nicht. Die Latte liegt nicht tief.
Ziel Landhaus Fernblick
Für einen kurzen Moment gab es die Idee noch an den Biggesee zu fahren und mit einem Schiff über den See zu gleiten. Doch die Signale meiner Frau sprachen dagegen. Nicht tragisch. Rein ins mit 37 Grad aufgeheizten Auto. Fenster auf und los. Nach und nach senkte sich die Temperatur und stabilisierte sich während der Fahrt bei 23 Grad. Nach dem Tanken von Ad Blue, schaltete ich auf Radio um. Der WDR strahlte eine Sendung mit Konrad Beikircher aus. Zu dem Zeitpunkt wussten wir das nicht, dass er am vergangenen Dienstag verstorben ist. Ich steuerte durch die Innenstadt von Winterberg als mich die Ankündigung von ihm, sich mit diesem Auftritt seine Bühnenkarriere beendet sei. Niemand konnte für mich treffender den Rheinländer erklären. Trude Herr, Niemals geht man so ganz, fällt mir dazu ein, wenn ich an diesen Südtiroler mit dem Hätz am rechte Fleck.
Nachdem wir geklärt haben, dass wir nicht durch Frankreich fahren und das Sauerland wie Monheim am Rhein zu Nordrhein Westfalen gehört, konnten wir aussteigen. Der Schnürsenkel des rechten Fußes hatte sich gelockert. Sie war kurz davor, panisch zu werden. Ich kann stolpern. Ihr Schuh war noch geschlossen und alles in allem dürften wir etwa 20 bis 30 Meter zu bewältigen haben. Sturzfrei sind wir im Apartment angekommen. Wieso soll ich die Schuhe ausziehen? Ich: Wir sind da. Sie: Aber? Dann kam nichts mehr. Erst als ich ihr vorschlug, doch zu malen, sie sich setzte, ihre Stifte nahm und anfing, kehrte Ruhe in ihr ein. Etwas überrascht über die Farbgestaltung einer Baumkrone und die daneben stehenden Vögeln, war ich schon. So viele verschiedene Farben hätte ich nicht erwartet. Sie hat sich sehr reduziert bei der Anzahl von Farben in einem Bild. Hier nicht.
Kulinarischer Unterschied
Abendessen. Na ja. Erstmals habe ich einen Teil eines Essens abgelehnt. Kleine Pfannkuchen, die vor langer Zeit hergestellt und dann gelagert wurden, waren für mich eine trockene geschmacklose Provokation. Frischkäse und Joghurt gab ich zurück. Zu viel. Die Spaghetti und das Eis, es hätte gereicht. Doch das Essen war bestellt. Kommt man nicht, wird eine Suchaktion gestartet. Es könnte ja sein, dass etwas geschehen ist. Verständlich bei dem Altersdurchschnitt. Für morgen ist das Mittag- und das Abendessen abbestellt.
Kurzbesuch bei der Nachtschwester. Meiner Frau habe ich im Anschluss den Fitnessraum, nicht ohne eigenes Interesse gezeigt. Im Kopf hatte ich, dass ich für 10 Minuten das Ergometer nutze. In Bad Aibling habe ich nahezu täglich mit dem Ergometer, bevorzugt Intervall, gearbeitet. Hier habe ich etwas mehr als 4 Minuten geschafft. Bei 160 – 170 Watt haben meine Oberschenkel mir klar gemacht, Kondition fehlt.
Erinnerung mit Sehnsucht
Gehen wir durch die Flure zum Speisesaal, laufen wir entlang diverser Bilder. Zwei davon haben es meine Frau angetan. Zum Abendessen hatte ich ihr iPhone eingesteckt. Sie hat die beiden Bilder fotografiert.

Meine Frau würde gerne wieder so malen. „Wieder“. Sie weiß zwar nicht, dass sie früher wirklich sehr viel und gut auf Seide gemalt hatte. Ähnliche Bilder hat sie komponiert. Lang ist es her.
Nach einigen Farbstrichen auf einem Mandala und der Zusammenfassung der ersten Etappe der „Tour de France Femmes“, war Zeit, zu Bett zu gehen.
Sonntag – Angespannt entspannt liebe Menschen besuchen
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Ein ganz besonderer Tag in unserem Leben. Vor 32 Jahren wurden wir zum dritten Mal Eltern. Gemeinsam zu feiern braucht noch Zeit. Sie ist im Urlaub, wir in der Kur.
Der Sonntag, könnte doch so entspannt sein, dachte ich. Bis zum Frühstück war es so. Während des Frühstückens veränderte sich das Gesicht meiner Frau. Anspannung war zu erkennen. Mir schwante nichts Gutes. Zurück im Zimmer bestätigte sich meine Vermutung. Ihre Unpässlichkeit kam mit einer Heftigkeit über sie, dass am Ende nur das sich ins Bett legen übrig blieb. Mit den richtigen Hilfsmitteln, kein Problem.
Der Zeitplan war weg. Per SMS informierte ich die, deren Gäste wir heute sein wollten. Meine Hoffnung, dass sie damit umgehen können, wurde bestätigt: „…alles in Ordnung, wir freuen uns, egal wann Ihr kommt.“ Dass sie es, was ich so schätze.
Meine Erfahrung ist, dass mit dem Schlafen ein Reset eingeleitet wird. Dass, was vorher war, die Unpässlichkeit, die einhergehende physische und psychische Erschöpfung, sind weg. Da ist in der Regel keine Angst mehr da, es könnte zu einem erneuten Geschehen kommen.
So war es auch jetzt. Nach vielleicht 80 Minuten stand sie auf, lächelte mich an. Jetzt ein Neustart. Der gelang. Mit einer Verschiebung von etwas mehr als einer Stunde, sind wir nach Ostwestfalen-Lippe gestartet. Gestern in den Westen, diesmal nach Osten durch das Sauerland. Hoch und runter. Ab etwa Möhnetal / Rüthen ging es nur noch bergab. Immer mal wieder sahen wir Passagierflugzeuge im Landeanflug auf den Flughafen Paderborn-Lippstadt (PAD).
Einen sehr schönen, entspannten, leckeren und anregenden Nachmittag hatten wir. Wer meine Frau kennt weiß, dass sie sehr zurückhaltend ist. Bei nur sehr wenigen Menschen kann sie sich anderes verhalten. So heute. Es klingt banal. Ist es nicht. Sie bat um ein zweites Stück Kuchen. Völlig überraschend für mich. Ja, der Kuchen war sehr lecker. Doch das meine Partnerin von sich aus diesen Wunsch äußerte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Ein breites Grinsen konnte ich mir nicht verkneifen.
Bei unserem nächsten Besuch werden wir nach Paderborn fahren und durch eine private Stadtführung diesen Ort kennenlernen. Darauf freue ich mich sehr.
Rückfahrt mit Plan
Die Rückfahrt. Rauf auf die Anhöhen, runter in die Täler, entlang von Flüssen und wieder hoch, genieße ich. Die B 480 führt hoch nach Winterberg.
Auf ihrem Weg begleitet sie die noch frische Ruhr, die wenige Kilometer weiter in Winterberg entspringt. Im August 2024 sind wir mit den Rädern von der Winterberger Quelle entlang der Ruhr bis zu ihrer Mündung in den Rhein geflogt.
Da habe ich es doch wirklich geschafft, rechtzeitig bei der Nachtschwester aufzuschlagen. Sie hatte meinen Therapieplan für die zweite Woche. Oh. In der letzten Woche eine beschriebene Seite. In dieser Woche zwei.


Das alles macht Sinn. Ich bin sehr gespannt.
Auf dem Zimmer liegen die Farbstifte wartend, dass sie wieder über das Blatt geführt werden. Kraftvoll ihre Farben teilen, ist ihre Berufung. Wenn ich meine Partnerin beobachte mit welcher Hingabe sie Farben platziert, verspüre ich etwas von ihrem darin ruhen.
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Der Tag hat ganz gut begonnen. Das Duschen, das Fertigmachen, das Aussuchen der Kleidung, alles kein Akt. Wir sind fröhlich zum Frühstücken runtergegangen. Zumindest dachte ich es mir. Wir sind dann nach dem Frühstücken wieder hoch ins Apartment. Ich fragte recht fröhlich: Sollen wir nicht ein von dir koloriertes Mandala für den Geburtstagsbrief an unsere Tochter verwenden?
Ich bleibe hier
Prima, lass uns jetzt Zähne putzen und dann starten wir den Tag. Du gehst in den Landhaus, ich zur Therapie.
Sie: „Ich bleibe hier. Ich gehe nicht.“
Ich setze wieder an zu einer Rede, die nichts genützt hätte und stoppte. Ab ins Badezimmer. Zähne putzen. Ich war fertig, kam ins Wohnzimmer, sie saß auf dem Sofa, schnürte ihre Schuhe. Dann gehen wir ja jetzt, dachte ich.
Sie: „Ich gehe nicht.“ Sie ging dann noch ins Bad, um zur Toilette zu gehen. Kam raus, ging wieder zurück ins Bad, um sich die Zähne zu putzen. Als sie aus dem Bad kam sah ich die Tränen die ihr herunter liefen.
Sie: „Ich gehe nicht. Ich bleibe im Zimmer.“
Aus diesen unterschiedlichen Anforderungen ergibt es sich, dass verschiedene Räume zur Verfügung stehen. Nebenbei, wenn Menschen wie auch immer einmal alleine den Bereich der Tagespflege verlassen, können sie nur in den umgrenzten Gartenbereich gehen. Sämtliche Gartentüren sind verschlossen, ebenso eine Zwischentüre in einen Anbau. So ist sichergestellt, dass niemand das Grundstück verlassen kann. Wir, die Gäste, die im Anbau untergebracht sind, haben einen Schlüssel für die Zwischen- und Außentüren.
Ich: Nein. Du hast den Landhaustreff und ich die Therapie. Heute Mittag hole ich dich ab, dann bist du nachmittags nochmal im Landhaustreff und am Nachmittag hole ich dich wieder ab.
Ihre Tränen liefen. Sie setzte sich auf den Stuhl im Wohnzimmer. Ich setzte mich auf den anderen Stuhl und es herrscht Stille. Diese sprachlose Pause brauchten wir beide. Ich, um aus meiner Spur auszusteigen. Und sie, um sich zu entspannen? Ich weiß es nicht. Wir saßen uns vielleicht 20 Minuten schweigend gegenüber. Ich fing an die Zeitung auf dem iPhone zu lesen. Schaute sie nicht mehr an. Nichts rührte sie sich. Kurz, es war eine angespannte Situation.
Ich fragte sie nach gut 25 Minuten, ist das okay, wenn wir jetzt gehen? Sie nickte. Darf ich dich in den Arm nehmen? Ich stand auf, stellte mich vor sie. Sie kam hoch und wir nahmen uns in den Arm. Ich flüsterte: ich schiebe dich nicht ab. Ich liebe dich. Wir haben drei wunderbare gemeinsame Kinder mit unseren drei Enkeln. Ist es okay, wenn wir gehen? Sie nickte.
Ich griff nach ihrem Rucksack und wir sind zur Tagesgruppe gegangen.
Durchatmen
Im Wohnzimmer sitzend stehen mir noch 30 Minuten Zeit zur Verfügung, bevor meine erste Einheit, die Wärmetherapie, startet. Ich bin ziemlich angespannt. Aber ich bin auch froh, dass sich nach dieser Ruhephase sich die Anspannung gelöst hat und sie sich dazu aufraffen konnte, in die Tagesgruppe zu gehen. Einfach durchatmen
Behandlungen
Einfach auf dem Wärmekissen liegen, nichts tun, die eigene Musik genießen und mit geschlossenen Augen einfach das Hier und Jetzt genießen. Miles Davis, „In a silent way“ fordert meine Aufmerksamkeit. Keine Gedanken verschwenden über das, was vorhin geschehen ist. Mittlerweile ist das Geschichte. Den Groove, den Sound der Band genießen.
Ich darf liegen bleiben. Die Physiotherapeutin, die ich gleich kennenlernen werde, war in der vergangenen Woche nicht im Hause. Eine kurze Anamnese bevor sie vorschlägt, sich auf meine Halswirbelsäule zu konzentrieren. Wieso sollte ich Einwände haben? Die folgenden zwanzig Minuten Handarbeit, die sie mir schenkte, legten mit wenigen Griffen meine Schwachstellen frei. Anfänglich immer mit schmerzvollen Stichen die sich nach sehr kurzer Zeit vollständig zurückzogen. Behutsam und dennoch kraftvoll löste sie die muskulären Blockaden. Mir tat es gut, dass sie wenige Fragen stellte und wir die meiste Zeit schwiegen, quasi die Fortführung von „In a silent way“ von Miles Davis, nur ohne Musik auf den Ohren. Schade, dass in dieser Woche keine Physiotherapie mehr auf mich wartet.
Kurmittegespräch
Die vielbeschäftigte Einrichtungsleiterin hatte noch ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin. So verkürzte sich unsere Zeit von 30 auf etwa 20 Minuten. Um 12 Uhr musste ich meine Frau ja abholen.
Eine Aufwärmrunde mit der Fragen, wie es mir hier ergeht. Einige Eindrücke schildere ich. Ja, ich habe Zeit zum Lesen und Musik hören gefunden. Diese beiden kleinen Bausteine haben eine große Bedeutung für mich. Schon lange habe ich dies zu Hause nicht mehr geschafft. Sie lenkte mich später auf meine Einschätzung im Eingangsgespräch zu den Fragen nach meiner Psyche und meinem Körper. Meine Einschätzungen beim Erstgespräch war eine 4 für meine psychische Verfassung und eine 5 für mein körperliches Wohlbefinden. In der Kürze der Zeit habe ich versucht die vergangene Woche zusammenzufassen. In beiden Bereichen hat sich etwas getan. Für das Körperliche vergebe ich eine 6 und für das Seelische eine 5. Mehr wäre eine Fehleinschätzung oder eine in Zahlen ausgedrückte Hoffnung. Kur, da muss ich doch sagen, dass es mir besser geht, oder? Nein. Das ist nicht so. Genauer hinschauen, verstehen was abläuft, über Änderungsoptionen nachdenken, Grenzen erkennen und besser auf sich achten lernen, das habe ich nach einer Woche Kur für mich formuliert.
Vor dem Absturz
Meine Frau saß im Innenhof der Tagespflege mit heruntergelassenen Mundwinkeln. Kein Lächeln für mich. Einfach an mir vorbei in den Flur. Ab zum Mittagessen. Sie Reibekuchen mit Apfelmus, ich Königsberger Klopse.
Während des Essens erreichte mich die Nachricht meines Freundes, dass sie sich auf den Weg machen würden. Telefonieren könnten wir später. Wunderbar.
Dann sollte ich das Abendessen abbestellen und nach einem Restaurant suchen. Eine Mitarbeiterin sprach ich an. Sie holte ihre Kollegin dazu. Da es um Unverträglichkeiten ging, wurde die Chefin hinzugezogen. Die Empfehlung der Hauswirtschaftleiterin war das Restaurant im Hapimag, einer Ferienanlage. Der Koch sei sehr gut und dort würde frisch gekocht. Da sei sie sich sehr sicher. Später, beim Telefonieren mit dem Restaurant Wanderlust, stellte sich heraus, dass sie Recht hatte.
Druck im Kessel
Ich stehe unter Druck. Nein, ich will nicht explodieren. Raus. Weg aus dieser Situation, denke ich. Tatsächlich ziehe ich die Sportkleidung, die Turnschuhe an, packe die Tasche und will, ohne etwas zu sagen, das Apartment verlassen. Nur nicht explodieren, sage ich mir immer wieder. Sie sagt was zu einem Mandala das sie möchte malen. Auf ihre Frage nach den Farben sage ich, die sind im Landhaustreff, in der Gruppe. Nein, ich springe nicht, hole sie jetzt nicht ab. Jetzt muss sie dann ohne Farben den Nachmittag bis 16 Uhr im Apartment verbringen. Raus bin ich.
Was für ein scheiß Gefühl. Ich will das nicht. Ich hätte die Zeit, ihr alles vorzubereiten, die Stifte zu holen und ihr einen schönen Nachmittag zu wünschen. Nein, ich will nicht immer springen. Was emotional gegen die Tagspflege spricht, weiß ich nicht. Irgendetwas löst diese massive Verweigerung aus, was ich nicht greifen kann. Dachte ich heute früh, es sei wie so oft, die Angst allein gelassen zu werden, drängt sich mir das heute Mittag nicht auf. Was auch immer es ist, ich möchte es verstehen. So, wie es jetzt ist, kann es nicht die restlichen zwei Wochen laufen. Allein der Gedanke, jeden Tag vor diesem Widerstand zu stehen, raubt mir jetzt schon Energie. Ich will keine Machtkämpfe.
Für das Schreiben habe ich mich vor den Raum „Café Fernblick“ gesetzt. Mit der einen Hälfte schreibe ich mir den Frust runter, mit der anderen Hälfte überlege ich, was derzeit im Apartment vor sich gehen mag.
Selbst die freudige Mitteilung beim Mittagessen, dass mein Freund und seine Frau zu Besuch kommen, geht gerade unter.
Behandlung II
Balancetraining! Puh. Anstrengend. Ungewohnt. Fordernd. Nicht ohne. Die Bewegungstherapeutin hat mich in wacklige Situationen gebracht. Anfänglich habe ich die Sicherheitsvariante gesucht um fest zu stehen. Doch ihre Moderation, ihre kurzen Hinweise, haben mich dazu bewegt, was zu riskieren. Unsicherheiten, nicht kontrollieren zu können, das ist nicht mein Ding. Ausbalancieren, da geht noch was. Da habe ich definitiv eine Schwäche.
Unzulässige Übertragung
Angesichts dessen was heute gelaufen ist, bin ich fast geneigt das Balancetraining auf die verzwickte Situation anzuwenden. Die Bedürfnisse meiner Partnerin stehen nicht über meinen. Ihre liegen oben auf. Ist doch klar, oder?
Immerhin amtlich sind sie dokumentiert:
„B“ Du bist meine immer verfügbare Begleitung.
„G“ Nur an deiner Seite kann ich gehen. Du musst mich beim Gehen stützen.
„H“ Ohne Dich bin ich hilflos. Du sprichst für mich. Du sorgst für mich.
In Summe = 24/7
Ich tue es gerne. Und dennoch brauche ich Zeit und Raum für mich. Alleine oder mit anderen Menschen. Mir ist klar, dass ich dafür zuständig bin, meine Bedürfnisse zu artikulieren und dafür zu sorgen, dass ich sie stille.
Eine gute halbe Stunde hatte ich noch Zeit. Ich bin ins Apartment gekommen und sah das sie sich die Ledermappe geholt hatte und malte. Gut, dass sie genau hinschaute und die Mappe fand. Während meiner Abwesenheit hatte ich mehrfach das Bedürfnis sie zu tracken um sicher zu sein, dass sie noch im Apartment sei. In der Wartezeit habe ich nicht mit ihr geredet. Die Frage nach dem Anspitzer habe ich damit beantwortet, dass ich ich ihr wortlos die Stifte-Box hinstellte. Mit der Info, dass ich in einer Stunde wieder hier sei, bin ich gegangen.
Behandlung III
„Mach es anders“ Warum habe ich es nicht geschafft mit und nicht gegen den Widerstand zu agieren? Die Kursleiterin sah mir an, dass es mir nicht gut ging. Sie fragte was passiert sei. Kurz skizzierte ich das Geschehen. Ihre Reaktion hat mich gefreut. Sie schlug vor, das wir ab morgen das Setting für meine Frau ändern. Sie kommt in die Tagespflege und ich hole erst gegen 16 Uhr dort ab. Ab morgen wird sie dort zu Mittag essen. Diese Frage wollte ich gestellt haben. Sie kam mir zuvor.
Spiele verändern, anpassen an die Situation. Einige der Anregungen werde ich ausprobieren. Ich mag ihre auf Praxis ausgerichtete Art. Nicht theoretische Abhandlungen weitergeben, sondern für den Perspektivwechsel eintreten und / oder alternative Handlungsoptionen zu entwickeln.
Zeit mit Freunden
„Mach es anders“. Eine Aufforderung, nicht im Konflikt stecken zu bleiben. Dass, was war, ist jetzt nicht zu ändern.
Wir treffen Freunde. Will ich mit einem verbitterten, harten, leidenden Gesicht ihnen begegnen? Nein.
Will ich an meiner Partnerin zerren oder soll sie mit Lust sich ihre Schuhe anziehen und mit mir gemeinsam ins Städtchen schlendern? Ja.
Dann den Blick nach vorne richten.
Sie freut sich, fragt, welche Schuhe sie anziehen soll. Alles geht geschmeidig von statten.
Nur wenige Minuten müssen wir warten, bis die beiden die Straße herunter kommen. Eine herzliche Umarmung mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Wunderbar, dass ihr gekommen seid.
Eis oder Kaffee? Es sollte der Kaffee und der Kuchen sein. Eis, Eiskaffee, Eistorte und Kaffee standen kurze Zeit später auf dem Tisch im Café Engemann. Wie schön.
Gemeinsam sind wir durch den Kurpark und das Städtchen geschlendern. Hier und dort haben wir Micropausen eingelegt, etwas genauer in Augenschein genommen, ohne aufzuhören uns auszutauschen. Anteil nehmen und Anteil geben, das gehört zu unserer besonderen Freundschaft.
Für den Abend hatte ich im Restaurant Wanderlust für uns Plätze reserviert. Gar nicht so einfach aus der übersichtlichen Speisekarte sich das passende auszusuchen. Niemand von uns konnte sich nicht entscheiden. Fleisch, Fisch, vegetarisch. Eine breite kulinarische Palette. Wie es sich herausstellte, trafen die Aussagen zum frisch kochen und der Qualität der Gerichte zu. Wir vier waren sehr überzeugt von dem, was uns serviert und kredenzt wurde. Mehr als zweieinhalb Stunden haben wir in einer lichten Ecke platziert gesessen, geredet, getrunken und gegessen. Ein Genuss. Für mich passte hier so vieles zusammen. Ein mehr als versöhnlicher Abschluss. Vom Stress des Tages war nichts übrig.
Dankenswerter Weise haben sie uns ins Landhaus Fernblick gefahren. Meiner Frau wären die drei Kilometer Fußweg am späteren Abend zu lang geworden.
Das Hotel in dem unsere Freunde nächtigten, lag 12 Kilometer entfernt im Wald. So wie wir, haben sie in der Nacht den Sound und die Lichtspiele von Gewittern genießen können.
Kurtag_11
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Blitz und Donner begleiteten den Regen in der vergangenen Nacht. Heute früh gingen wir zum Frühstück und mit diesem Blick in die Täler belohnt.

Zu früh standen wir an der Rezeption um das Waschen klar zu machen. Dann halt später und zuerst zum Frühstücken.
In mir hatte sich seit dem Aufstehen eine zunehmende Nervosität eingeschlichen. Ihr Titel: „Widerstand zwecklos?“ Wird meine Frau den Landhaustreff aufsuchen oder konfrontiert sie mich mit Verweigerung, Ablehnung? Innerlich bereite ich den Boden für meinen Zweckpessimismus vor. Ihn kenne ich nur zu gut. Um so mehr freue ich mich, wenn meine Zweckpessimismus keine Nahrung erhält und sich verzieht.
Zur richtigen Zeit
Auf dem Weg vom Speiseraum zum Apartment begegnet uns die Leiterin der Tagespflege. Sie fragt meine Partnerin, ob sie nachher mit spazieren gehen würde? Dann soll sie bitte feste Schuhe anziehen. Ohne zu Zögern antwortet meine Frau: Ja. Ich ziehe Schuhe an. Ich: Das wird erledigt.
Verblüfft über ihre spontane Antwort war ich und rechnete dennoch damit, dass mir gleich Protest um die Ohren gehauen würde. Im Apartment konfrontiert sie mich mit der Frage: Gehe ich wieder in die Gruppe? Ich: Ja. Sie: Hab ich denn alles? Ich: Nein. Erst Zähne putzen und dann Schuhe anziehen. Sie: Und eine Jacke. Ich: Nein. Es ist sehr warm. Wir waren doch schon draußen.
Oh wie gut würde mir es tun, wenn ab sofort, der Widerstand nicht mehr erforderlich wird. Dass sie bis zur Abholzeit um 16 Uhr in der Tagespflege sein wird, habe ich nicht thematisiert.
Fit mit Schwung
Noch nie habe ich zwei „Smovey“ in den Händen gehalten. Interessant. Nach 30 Minuten Übungen mit Schwung war ich geschafft und interessiert. Das könnte was für zu Hause sein, ging mir durch den Kopf.
Kurmitteuntersuchung
Man kann Untersuchungen ganz unterschiedlich gestalten. Klassisch mit Armmanschette, der Nachfrage nach dem Befinden und der Frage, was man vom Arzt benötige. Dabei hinter dem Schreibtisch sitzend und die Tastatur in Gang halten. Oder, in der eine Eröffnungsfrage den Fokus auf den Menschen richten, die in einem neuen Kontext eine Woche Erfahrungen gesammelt hat. Wenn das Gesagten aufgegriffen und in eine andere Geschichte überführt wird und sich daraus ein Gespräch ergibt, wird das einen anderen Einblick in die mentale Verfassung des Kurgastes ermöglichen.
Als ein für mich besonderes Erlebnis schilderte ich, dass ich wieder angefangen habe zu lesen. Dass das Lesen mich motivierte den dazu gehörenden Sound mir auf die Ohren zu legen.
Der mir gegenüber sitzende Arzt hat das aufgegriffen, über seinen Musikgeschmack gesprochen und ist von dort zur Literatur über gegangen. Er liest einen Roman in dem die Tochter mit der Alzheimer Erkrankung ihres Vaters konfrontiert wird. Und schon sind wir bei dem, was für mich relevant ist. Wie wirkt sich dieser AlltagAlzheimer auf meine körperliche und mentale Gesundheit aus. Hat hier in der Kur eine Veränderung begonnen?
Eine Prise Besuch
Nun habe ich Zeit bis zum Mittagessen. Ab in die Stadt um alleine eine Stunde mit den Freunden zu verbringen. Auf dem Weg dorthin ging mir durch den Kopf, dass für meine Frau mit dem Aussteigen aus dem Auto der Besuch zu Ende gegangen war. Heute war er nicht mehr präsent. Sie fragte weder danach, wo sie übernachtet noch wann sie abgereist seien. Ein geschlossenes Kapitel, das nur gestern im Hier und Jetzt des Tages existierte.
Mit ihnen in einem Café sitzend zu quatschen war eine Bereicherung. Klar, jetzt konnten sie Fragen stellen, die gestern nicht möglich waren. Doch dabei blieb es nicht. Sie ließen mich Anteil nehmen an dem, was sie beschäftigt.
Leider hatte ich einen runter tickenden Timer am Handgelenk.
Für zusätzliche zehn Minuten im Café ließ ich mich auf ein hektisches Mittagessen ein.
Waschsalon
Yeah, die Waschmaschine war frei. Sofort die Maschine füllen, das Programm wählen und starten. Die Miele meinte, komm in etwa 3 Stunden wieder. Dann bin ich damit fertig.
Aus dem Landhaustreff
Auf dem Weg zum Hydrojet begegnet mir eine Mitarbeierin der Tagespflege. Neugierig, wie ich bin, möchte ich wissen, ob Coni gegessen habe. Ja. Den Nachtisch auch. Das freut mich sehr.
Hydrojet
In dieser Woche hatte ich nicht damit gerechnet, den Hydrojet nutzen zu dürfen. Toll, dass mir das für eine halbe Stunde gegönnt wird. Das Robert Glasper Trio habe ich ausgesucht, um mich auf dem Hydrojet zu begleiten. Eine sehr guter Sound.
Informationsrunde Inkontinenz- sowie Hilfsmittelversorgung
Ein sehr vertrautes Thema für mich. Gut, dass man sich die Mühe machte, sehr detailliert zu informieren. Einiges war neu für mich und ich habe mir etwas notiert und werde klären, ob es für mich / uns eine Hilfe wäre. Immer höre ich in der Runde von Versendern, die mit Inkontinenz Produkten ausstatten würden. Doch ohne flexibel in ihrem Sortiment und in der Lieferung zu sein. Je mehr solche Berichte offen gelegt werden, desto mehr weiß ich, dass ich mit der Wahl des Sanitätshauses die richtige Entscheidung getroffen habe.
Gegen Ende ließ meine Aufmerksamkeit und meine Energie gleichermaßen nach. Nach einer Stunde verabschiedete ich mich.
Ich brauche eine Pause. Am Tisch sitzend habe ich angefangen zu schreiben. Die Augen fielen mir zu und ich habe dagegen gehalten. Doch irgendwann war da keine Kraft mehr, die Lider zu heben. Nur noch zehn Minuten standen mir zur Verfügung. 7 Minuten für einen Powernap, dann runter zum Landhaustreff.
Ruhen oder Laufen
Sieben Minuten sind eindeutig zu wenig um ansatzweise zu entspannen. Vor dem Landhaustreff entschied ich mich mit der Frage abzuholen, ob sie mit mir ein Eis essen wolle oder ob wir hier bleiben und ich schlafen könne. Natürlich hätte ich es mir denken können. Sie wählte das Eis. Ist auch eine Lösung, wenn auch die zweitbeste.
Um nicht auf dem Weg einzuschlafen wählte ich einen längeren Weg bis zum Eiscafé. Erstmals nahmen wir im Eiscafé Platz. Unvernünftig wie wir sein können, fiel die Eisbecher zu groß und mächtig aus.
Abendessen im Abstand von 90 Minuten zum Eisbecher. Passt nicht gut. Für meinen Geschmack ging heute zu viel wieder zurück. In diesen Situationen greift mein gelernter Satz: Was aus der Küche aufgetischt wurde, geht nicht mehr zurück. Reste werden entsorgt.
Abendgestaltung
Die Wartezeit von drei Stunden ist vorüber. Die Wäsche kann größtenteils in den Trockner.
Coni malte weiter und ich las, unterbrochen durch die Zusammenfassung des Zeitfahrens der Tour de France Femmes. Bevor ich weiterlesen konnte meldete sich unsere Tochter aus Kroatien.
Am Ende dauerte unser Gespräch 49 Minuten. Meine Frau freute sich. Doch nach maximal 5 oder 6 Minuten war es aus mit Mamas Beteiligung am Telefonat. Sie widmete sich dem Malen. Im Laufe des Abends ist sie nicht mehr auf das Telefonat eingegangen und hat mich etwas gefragt.
Der Timer bimmelt. Es ist Zeit, die Wäsche aus dem Trockner zu holen. Runter in die Waschküche und völlig irritiert auf den Trockner geschaut. Die Tür stand offen. Keine Wäsche mehr drin. Fragezeichen. Ich schaute mich im Raum um und siehe da, das stand ein Wäschekorb mit unserer Wäsche gefüllt. Aus dem Staunen kam ich nicht raus. Die Wäsche ist nass. Jemand hat unsere Wäsche herausgeholt und seine getrocknet. Ich bin fassungslos.
Die Temperaturen sind hoch und auf einem Wäscheständer werden die Sachen sicherlich schnell trocknen. Auf dem Balkon ist reichlich Platz.
Mittlerweile ist meine Frau so müde, dass sie sich zu Bett begibt. Ich sitze am iPad und tippe. Hörbar hat der Wind zugelegt. Kräftig klatschen Tropfen auf den Balkon. Gut, dass die Tür offen steht. So gelingt es mir, die zusätzlich angefeuchtete Wäsche ins Apartment zu holen. Kurz und intensiv klatschen die Tropfen auf den Balkon und gegen die Scheiben. Schade. Die Luft ist frisch. Doch die Balkontür muss ich schließen.
Da ist sie wieder, die Müdigkeit sie will nicht gehen
Dann nur Stichworte notieren, durchs Bad und ab ins Bett um 22:32 Uhr.
Kurtag_12
260805
Das erste Drittel der Nacht, ein Kampf mit dem Bett, dem Kopfkissen und dem hölzernen Fußende. Leider ist das Sofa keine Alternative.
„Ich bin froh, wenn das zu Ende ist“, meine Frau vor dem Aufbruch in die Tagespflege. Der befürchtete Widerstand blieb auf diese Äußerung begrenzt. Noch hat sie keine Idee davon, dass das Wochenende naht und sie für zwei Tage nicht die Tagespflege besucht.
Nordic Walking
Ich hole die Stöcke ab und gebe die beiden Smovey Paare wieder ab. Nach dem gestrigen Ausprobieren der Smovey mit meiner Frau bin ich noch unentschieden, ob ich zwei Paar kaufen soll. Heute früh habe ich ihr erneut einen in die Hand gegeben. Was soll ich damit? Meine Vorführung hat sie zur Kenntnis genommen. Würde sie zu Hause mit mir trainieren? Mir fehlt die Antwort. Ich bestelle noch nichts.
Tut mir gut, in meinem Tempo zu gehen. Zwei weitere Kurgäste aus der Oberlausitz vorneweg. Sie waren in Gesprächen vertieft. Jazz und Soul streamte mir Deezer im Hintergrund auf die Hörgeräte. Heute früh suchte ich keinen Smalltalk.
Bei einem Stopp forderte uns die Trainerin auf, uns für ein Gruppenfoto zu stellen.
An der St. Jakobuskapelle hielten wir an. Ich blieb abseits stehen um ein Foto des Ensemble von Kapelle mit Funkmast im Hintergrund und halbem Mond am Himmel zu machen.
Geregelter Tag
Später treffe ich den Psychologen und da werde ich wohl ins Reden kommen. Statt dessen machte ich mir, ausgehend vom Satz meiner Frau Gedanken darüber, dass wir hier einen geregelten Tagesablauf haben. Geregelt im Sinne von geführt, von verlass dich auf uns, von wir haben so ziemlich alles im Griff, von wir sorgen für dich / euch.
Ähnlich wie zu Hause? Nur da bin ich es, der für einen geregelten Tagesablauf zu sorgen hat, weitgehend ohne ein Spezialistenteam zur Unterstützung. Doch mit der Verantwortung, Sicherheit zu schaffen, Verlässlichkeit zu leben, so ziemlich alles im Griff zu haben, Angebote zu unterbreiten und die Besonderheit unserer langen Beziehung zu pflegen und anzupassen in meinem AlltagAlzheimer.
Ich lasse mich hier sehr gerne auf ein geregeltes System ein, in dem mir und meiner Partnerin ein Platz zugewiesen wurde. Würde ich zu Hause mich darauf einlassen wollen?
Oh, der Kurarzt hat auf meine Mail von gestern reagiert. Damit habe ich nicht gerechnet. Es freut mich, dass er sich die Zeit genommen hat, in meinem Blog zu lesen.
Psychologische Einzelberatung
Eine Dreiviertelstunde Zeit für mich.
Im Gespräch bin ich bei seiner Nachfrage zu meiner Psychotherapie, ob die Therapie für mich gut gewesen sei, hängen geblieben. „Achte ich auf meine Bedürfnisse?“ Das täglich zu beantworten, ist ist meine lebenslange Aufgabe. Meine Antwort besteht überwiegend aus vier Buchstaben.
Dieser Aufgabe angeschlossen hat sich dieses dynamische Abschied nehmen, das für mich zutreffend mit dem Begriff der „weißen Trauer“ betitelt werden kann. Bislang beinhaltet jeder Abschied ein mehr an Zeit, die ich zur Verfügung stellen darf, um auszugleichen, was möglich war. Zeit, die nicht für meine Bedürfnisse zur Verfügung steht.
Wieder einmal darüber zu sprechen, war nicht leicht. Denn auf das Gesagte folgte eine Rückfrage, die mich anschob, in eine andere Richtung zu schauen. Vielleicht gibt es dort Ressourcen, die ich nicht gesehen habe.
Eine Option könnte sein, mich mit MBSR vertraut zu machen. „Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) ist ein Programm zur Stressbewältigung durch Achtsamkeit.“ (Quelle: Wikipedia 2026)
Ein anregendes, angenehmes Gespräch. In mir schwirren Gedanken, die noch keinen Platz gefunden haben. Zum Abschluss der Einheit stand eine Einladung: Sollte ich für mich den Bedarf sehen etwas zu besprechen, möge ich ihn kontaktieren. Vorstellbar ist es.
Mittagspause Plus
Mittagspause. Ich bin geschafft, völlig ausgelaugt und in meinem Kopf drückt es. Kopfschmerzen.
Es geht nicht. Rüber in die Physiotherapie. Auf einem Abtrockentuch schreibe ich meine Bitte um Entschuldigung mit einer kurzen Erläuterung, warum ich nicht kommen werde.
Beim Verlassen treffe ich die Bewegungspädagogin die mich in meinem Entschluss bestärkt.
Vorhänge zu. Timer stellen. Aufs Bett, Augen zu und ruhig atmen. 40 Minuten wollte ich, eine Stunde wurde es.
Zur Informationsrunde zum Pflegestärkungsgesetz 2, kam ich mit einer zwanzig minütigen Verspätung.
Informationsrunde zum Pflegestärkungsgesetz 2
Die Leitung des Hauses hatte ein Handout für alle vorbereitet.
Sehr gut strukturiert und klar formuliert, bekommen wir Schritt für Schritt, Gesetzestexte in praktische, nachvollziehbare und förderliche Tipps übertragen. Fragen, die kommen, werden aufgegriffen und geklärt.
Wieso gibt es nach einer Diagnose und vor dem MDK Termin zur Feststellung eines Pflegegrades nicht eine verbindliche pro aktive Beratung der pflegenden Angehörigen? Spätestens nach der Diagnose liegen die Daten vor. Immer das gleiche Spiel. Mach dich auf und versuche im Dschungel nach deinem individuellen Weg um dich zurechtzufinden.
Wie lange diese Informationen noch Bestand haben werden, ist ungewiss. Werden alle „Reformen“, die im Gesundheitsministerium ausgeheckt wurden wirksam, werden pflegende Angehörige noch stärker als heute, monetär ausgebeutet. Wer aus den Kreisen der großen Koalition noch behaupten sollte, die Pflege zu stärken, macht sich über die, die zu Hause pflegen, lustig. Anerkennung und Wertschätzung der Menschen die auf Pflege angewiesen sind und derer die pflegen, sieht wahrlich anders aus.
Abholen um zu Spazieren
Aus dem Jagdzimmer zum Landhaustreff. Passt. Meine Frau saß mit mehreren an einem Tisch im hinteren Bereich. Ihren Rucksack und die Malutensilien hatte ich bereits gesichtet und angesteuert. Mein Suchen wurde durch eine Mitarbeiterin unterstützt.
Mit einem Lächeln wurde ich begrüßt um dann zu hören: „Ich dachte, du kommst nicht.“ „Hast du Lust, mit mir noch einen Spaziergang zu machen?“ antwortete ich. „Klar.“ Eine passende Antwort. Hoch ins Apartment, etwas trinken, noch einmal zur Toilette und dann los.
Heute früh sind wir an der St. Jakobus Kapelle vorbei gekommen.
Dorthin gemeinsam mit meiner Partnerin, weiter in die Stadtmitte und wieder zurück ins Landhaus Fernblick. Drei Kilometer bei 28 Grad. Das ist genug für jetzt.
Unterschätzt hatte ich, dass der Anstieg zur Kapelle doch recht steil ist. Zweimal habe ich Pause gemacht um ihr die Sprungschanze zu zeigen, die man sehen konnte. Obwohl es nur drei Kilometer sind, fehlte das Wasser. Ahhhh.


Am Marktplatz angekommen habe ich die Eisdiele angesteuert. Für jeden von uns eine Kugel Eis. Einmal Nuss, einmal Tiramisu. Das gab genügend Energie für den letzten Kilometer bis zum Landhaus Fernblick.
Tagespflege im Landhaustreff
Eine Leserin des Blogs stellte mir Fragen zur Tagespflege. Wieso bin ich davon ausgegangen, dass der Begriff für sich selbst spricht.

Meiner Partnerin packe bzw. überprüfe ich ihren Rucksack für diesen Teil des Tages. Am Wetter orientiert, wird die Kleidung ausgesucht.

Auf einem Foto ist noch mein Kreuz bei Mittagessen „im Speisesaal“ angekreuzt. Das trifft nicht mehr zu. Sie isst mit anderen im Landhaustreff.
Sie nimmt an dem wechselnden Programm teil, wenn sie dazu eingeladen ist. Denn nicht alle Angebote können alle wahrnehmen. Meine Frau z. B. kann längere Spaziergänge in einem schnelleren Tempo machen. Sie ist als Fußgängerin nicht auf eine Hilfestellung angewiesen.
Während der Ruhezeit zieht sich meine Partnerin zurück und malt.
Aus wie vielen Menschen und Professionen das Team des Landhaustreffs sich zusammensetzt, weiß ich gar nicht. Mir sind neben der Leitung bestimmt fünf oder sechs Mitarbeitende begegnet. Allesamt zugewandt und freundlich. Von meiner Frau habe ich noch kein Wort gehört, dass jemand unfreundlich zu ihr war.
In der kommenden Woche werde ich ein Gespräch mit der Leiterin führen können. Bei der Gelegenheit werde ich das Thema der Neueinstufung einbringen.
Blicke ich zurück, dann habe ich meine Frau recht entspannt erlebt. Zum Abschluss des Tages hat sie gemalt bis sie sämtliche Stifte einpackte und das Buch für heute schloss.
Kurtag_13
260806
Im Vergleich zu den letzten Tagen war das Schlafen in Ordnung. Noch vor 7 Uhr begann mein Tag. Durch das Öffnen der Vorhänge im Schlafzimmer weckte ich meine Frau.
Im Bad frage ich mich, ob sie schon wach ist? Sie stand da und kam nicht ins Handeln. Mit meiner Anleitung, was nun zu tun sei, schickte ich sie in eine Überforderung. Ohne Hilfestellung wäre vieles unterlassen geblieben.
Frische Unterwäsche lag bereit. Ihre Vorlage war noch sauber. Warum sie wechseln? Ich: Du hast damit den ganzen Abend und die ganze Nacht verbracht. Nun ist sie feucht. Angenehmer ist es, wenn eine frische Vorlage im Slip liegt.
Die Jeans füllt sie so aus, dass sie die Hose nicht schließen konnte. Mist, die falsche Hose eingepackt. Dann eine andere Jeans. Innerlich öffnete sich meine ToDoListe. Hosen müssen nachgekauft werden.
Frühstücken
Beim Frühstücken beobachte ich seit Tagen Veränderung ihrer motorischen Fähigkeiten. Sie bekommt einen kleinen Joghurtbecher hingestellt. Zur Müslimischung wird Joghurt hinzugefügt. Dazu ist es erforderlich, den Aludeckel zu entfernen und mit einem Löffel den Inhalt in das Müsligefäß zu geben.
Sie schaut sich den Joghurtbecher an. Nichts passiert. Der Becher wird sich nicht von selbst öffnen; der Joghurt wird sich nicht mit dem Müsli mischen, denke ich mir.
Meiner Frau den Joghurtbecher in die Hand zu gegeben, ist der erste Schritt. Sie hat den Deckel entfernt. Einen Löffel für ihr Müsli bekam sie von mir, damit sie den Joghurt umfüllt. Immerhin, nach zwei Tipps schaffte es der Joghurt ins Weckglas.
Mein Job ist es die Frischmilch anzuschütten. Mit, jetzt bitte umrühren, wird der nächste Schritt eingeleitet, der seine Zeit braucht. Die Joghurtbecher enthalten in etwa der Hälfte eines klassischen Joghurtbechers. Den zweiten Becher in die Hand nehmen, den Deckel entfernen und mit dem Löffel den Inhalt in das Glasgefäß geben, stellt die nächste Hürde dar. Zum Schluss gieße ich noch einmal Frischmilch an. Jetzt kann das Müsli gegessen werden. Lecker war‘s.
Mit dem Früchtetee ist es wie mit allen Heißgetränken. Sie möchte Früchtetee trinken. Ich schütte ein. Sie umfasst die Tasse oder berührt die kleine Edelstahlkanne und verkündet „Der ist zu heiß. Den kann ich nicht trinken.“ Es braucht Zeit sie davon zu überzeugen, dass das Gefäß viel heißer ist als sein Inhalt.
Tipp: „Wenn du von oben abtrinkst, ist es nicht so heiß.“ Mal hat sie schnell Vertrauen in das, was ich sage. Mal dauert es so lange, bis sie sich beschwert, dass der Tee zu kalt sei. Tja, was machen?
Behandlung
Was ist das heute morgen für ein Einstieg in den Tag. Da tue ich mich schwer. Meine Lendenwirbel machen gemeinsame Sache mit meinen Schultern, vor allem der linken und schmerzen um die Wette. Bevor ich meine Frau zum Landhaustreff begleite bitte ich sie, mir die linke Schulter etwas zu massieren. Diese fünf Minuten unter ihren Fingern, lindern den Schmerz. Wie es später sein wird, nach den drei Sporteinheiten, werde ich spüren.
Mit welcher Leichtigkeit, ohne einen Ansatz von Widerstand, es ihr gelingt, in den Landhaustreff zu gehen, beeindruckt mich. Fast hätte ich vergessen ihr aktuelles Mandala Heft und die Stifte mitzunehmen.
An der Tür der Tagespflege wurde sie fröhlich empfangen und direkt gefragt, ob sie mit spazieren gehen wolle. Sie hat es mit einem breiten Lächeln bejaht. Weder einen Kuss, noch ein Tschüss bekam ich. Weg war sie. Was für ein entspannter Tagesbeginn.
Bewegungsmix
Bei sämtlichen Angebote die auf meiner Liste für heute verzeichnet sind, treffe ich auf ein und die selbe Bewegungstherapeutin.
Bewegungsmix im Sitzen. Die Zusammensetzung der Gruppe hat dies erfordert. Manchmal braucht es nicht viel und dann wundert man sich, was Bewegung im Sitzen alles umfasst. Die Übungen der Trainerin hat vieles bei mir aktiviert. Manches hat mich sehr gefordert. Spaß hatten wirklich alle beim gemeinsamen Fangen und Werfen von bis zu zwei Bällen mit einem Handtuch. Die Fähigkeit zur Teamarbeit ist nicht allen gegeben, was bei dieser Übung in Situationskomik mündete.
Einzelgänger statt Grüppchen
Niemand außer mir saß heute beim Mittagessen an unserem Tisch. Dieser temporäre Freiraum erlaubte es mir, nicht zu sprechen, den Gedanken freien Lauf lassen.
Diese Mixtur entspannte mich nicht. Zu vieles erinnert an unvollendete Aufgaben, nicht entschiedene Fragen, an ToDoListen. Ich bemerke, dass ich um Gruppen einen Bogen mache um nicht in Gespräche einbezogen zu werden. Mein Bedürfnis nach Ruhe, nach Lesen, Musik hören, Bewegung und Nachdenken über mich und uns, füllt meine nicht verplante Zeit bis 16 Uhr. Die Abendstunden, wenn sie zu Bett gegangen ist, gehören dem Formulieren für das Tagebuch und perifair.de. Mag sein, dass sich das wieder ändert.
Ergometer
Das Ergometer zieht mich an. Nach den vier Minuten Intervall Training vor ein paar Tagen, wollte ich heute mehr bewegen. In einem sehr bescheidenen Rahmen klappte es. Statt 4 waren es 5 Minuten plus eine Minuten entspanntes Ausradeln. Mehr als 175 Watt über eine Zeitraum von ca. 15 – 20 Sekunden zu treten, gelang mir nicht. 2023 war deutlich mehr möglich. Morgen sitze ich wieder drauf.
Atementspannung!
In der vergangenen Woche hatte ich diesen Block schon einmal. Da ging es mit mehr Bewegung im Stehen einher. Diesmal dreißig Minuten auf dem Stuhl sitzend, die meiste Zeit schloss ich meine Augen. Die Übungen schienen für meine Belange zusammengestellt zu sein. Natürlich waren sie das nicht.
Dennoch kam ich an einen Punkt, wo es mir schwer fiel, mich auf mich zu konzentrieren. Für mich hat die Trainerin während der meditativen Phase zu schnell und zu viel gesprochen. Dass ich in den Jahren keinen Bezug zu Klangschalen gefunden habe, hat sich nicht geändert. Dennoch war es eine entspannte halbe Stunde voller Luft.
Jetzt noch mal für 10 bis 15 Minuten raus aus dem Fitnessraum? Nö. Ich habe ich hingesetzt, Musik eingeschaltet, nachgedacht und erste Gedanken und Beobachtungen ins iPhone getippt.
Wirbelsäulengymnastik / Rückenschule
Um es auf den Punkt zu bringen. Davon hätte ich gerne mehr. Die Schulterschmerzen des Vormittags und die in den Lendenwirbeln, waren weg, bzw. deutlich gemildert. Das alles durch verschiedene Dehnübungen. Nicht ohne Dehn-Schmerzen während der Übung. Mit der Entspannung verschwanden diese Schmerzen. Da blieb nichts übrig.
Wieder komme ich an einen Punkt, wo ich erlebe, dass mir eine Menge Tools zur Verfügung stehen. Ich muss sie nur nutzen. „When will I ever learn…“ so ähnlich hat Bob Dylan in einem anderen Kontext getextet. Wann, wenn nicht jetzt?
Pause
Es ist kühler als die Tage zuvor. Dennoch kann ich auf unserem Balkon sitzen und lesen. Nur fühlt sich das nach einer Viertelstunde an wie zu nahe an einem Grill zu sitzen. Von hinten brennt nicht zu unterschätzende Wärme auf meinen Rücken und Nacken.
Das Sportshirt vom Vormittag habe ich mit der Hand gewaschen. Nun hängt es auf dem Balkon zum Trocknen. In wenigen Stunden werde ich es abnehmen und morgen wieder einsetzen.
Gemeinsame Zeit
Zeit, meine Partnerin aus der Tagespflege abzuholen. Sie sitzt mit anderen an einem Tisch und lauscht einem Vorleser. Ich muss sie persönlich ansprechen, damit sie mitkommt. Ihr Gesicht ist nicht entspannt und freundlich. Fragen lasse ich sein. Möchte sie mir was erzählen, geschieht es.
Später im Apartment fragt sie, wie lange wir denn noch hier bleiben müssten. Bis kommenden Samstag, antworte ich. Nein, damit ist sie nicht einverstanden.
In der Hoffnung, dass sich ihre Laune hebt, rufe ich ihre Mutter an. Es ist schon etwas her, dass wir miteinander gesprochen haben. Auf meine Frage, ob es zutreffe, dass ihr Mann morgen seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Kann sein, kommt zurück. Bis dahin hat meine Frau nur „hallo Mama“ gesagt. Sie hörte nur zu, was geredet wurde. Erst beim Verabschieden fand sie ihre Worte wieder: „Tschö“.
Telefonieren, das ist nicht mehr ihr Ding. Ihre Aufmerksamkeit bleibt nur kurze Zeit bei einem Gespräch.
Kreuz folgt Kreuz
Einen kleinen Spaziergang brauchte ich noch. Die Runde von 2,3 Kilometer reichte aus. Anfänglich war meine Partnerin noch verhärtet. Je länger wir gingen, desto lockerer wurde sie. Die Natur, das Beobachten, ihre Feststellung, wie toll doch die Weite sei, lenkt ihre Gedanken in neue Bahnen.
Hat jemand mal die Kreuze gezählt, die in Winterberg stehen? Bei unsere Spaziergängen, den kurzen Wanderungen laufen wir alle paar hundert Meter an einem großes Kreuz vorbei.
Im Rheinland, wo wir leben, stehen auch mal Kreuze. Doch nicht in dieser Häufung.
Abendbeschäftigung
Noch ist Zeit zum Malen, stelle ich fest. Sie öffnet ihre Stiftdose, schlägt eine Seite auf und ist mit dem Malen beschäftigt. Für mich Zeit, zu schreiben und später noch das heutige Etappenfinale der Tour de France Femmes anzuschauen.
Beim Abendbrot saßen wir wieder zu viert am Tisch. Die Lautstärke im Speisesaal erschwert es mir, meine Gesprächspartner:in vollständig zu verstehen. Es bleibt mir nichts anderes übrig als zu improvisieren. Meistens geht es gut aus.
Die Rückmeldung bei der Nachtschwester hat keine Minute in Anspruch genommen. Alles Bestens bei uns.
Am Montag werde ich sehen, ob meine Vorräte an Vorlagen reichen werden. Davon gehe ich nicht aus. Die Temperaturen steigen wieder an und damit allein der Verbrauch durch feuchte Slips mit den Vorlagen. Zum Sanitätshaus am Ort benötige ich zu Fuß keine zehn Minuten.
Lust auf einen Film hatte meine Frau. Doch den wollte ich erst gegen 19:30 Uhr streamen. Dadurch ist sichergestellt, dass der Film etwa um 21 Uhr endet und meine Partnerin nicht so früh das Bett aufsucht. Hat funktioniert.
Kurtag 14
260807
Für meine Verhältnisse eine gute Nacht, ungeachtet vom Wecken durch meine Frau: „Da unten steht jemand und klopft an die Tür.“ Ich: Dann wird schon jemand aufmachen. Wir sind nicht gemeint.
Up and down
An zwei Geburtstag habe ich heute früh gedacht. Zum einen an den meines Schwiegervaters, der heute seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Eine nicht einfache Beziehung hatten wir. Meine Frau saß mir gegenüber und ich texte: „Wir wussten schon, was wir getan haben, als wir uns geheiratet haben.“ Sie lacht und mein: Der Satz gefällt mir. Ja, genau und spreche den Satz ins iPhone. Sie lacht.
Billy Joel schrieb „Just the way you are“. Bluetooth Box einschalten über Deezer den Song streamen. Ihr die Hände entgegen strecken und mit „Darf ich bitten?“ sie zum Tanzen auffordern, macht uns beiden Spaß. Was für ein schöner Moment.
Doch dann kracht dieser Augenblick in sich zusammen. „Ich gehe nicht.“ ist ihr immer wiederholter Satz auf mein „Bitte ziehe dir die Schuhe an. Ich bringe dich zum Landhaustreff und ich gehe zum Sport.“ Eine halbe Stunde geht es hin und her. Ich zügele mich nur mühsam um sie nicht mit einem Schwall von Worten zu überfluten. Ich muss raus und meine negative Energie ebenso. Unseren Kindern schreibe ich:
„Ich würde gerne … für die verbleibenden Tage abschieben. Ihre Weigerung zu kooperieren und in die Tagespflege zu gehen, nimmt mir Luft zum Atmen. Gleichzeitig die Selbstverständlichkeit, dass ich immer bereit stehe und unterstütze. Zum Kotzen.
Sorry, ich muss mit meiner nicht gerade positiven Energie irgendwo hin. Bitte nur lesen. Nicht wundern oder darauf reagieren.“
Raus aus der Situation
Meine Sachen packte ich und bin raus. An der Tagespflege stoppe ich um Bescheid zu geben. Meine Frau weigert sich das Apartment zu verlassen. Man macht mir den Vorschlag, später einmal bei ihr vorbei zu schauen und sie zu einem Spaziergang einzuladen.
Ich setze mich ins Café Fernblick, ärgere mich, nicht genügend Kleingeld mitgenommen zu haben um mir einen Milchkaffee ziehen zu können. Dann halt mit dem einen Euro einen Espresso, der die Bezeichnung nicht wirklich verdient. Besser als nichts. Zu Hause warten die Wilde 13 Espressobohnen aus Freiburg. Das ist dann doch eine andere Qualität.
Langsam kühle ich wieder ab, kann Aufgaben erledigen, die ich mit in die Kur genommen habe. Ganz und gar kann ich den Alltag nicht außen vor lassen.
Scheiß Lied, denke ich. Mir geht weder der Song „Just the way you are“ noch dieser Text aus dem Kopf. „Just the way you are.“ Wie weit geht das? „Ich bin liebevoll zu mir selbst…“ ist das eine Aufforderung meine Bereitschaft, meine grenzenlose Verfügbarkeit zu überdenken?
Fascientraining / Therapieband
Hocker holen und blaues Band aus der Kiste nehmen.
Einmal bin ich an meine Grenze gestoßen. Bei einer Übung mit Spannung aufbauen, schoss Kopfschmerz ein, Schwindel und ein Krampf begleiteten den Moment. Für einen Augenblick hatte ich Sorge, vom Hocker zu kippen. Die Physiotherapeutin hat es bemerkt und nachgefragt. Mit Spannung lösen und ruhig weiter atmen, bekam ich die Situation in den Griff. Mit Verwunderung entdeckte ich, dass bis auf diese eine Sequenz, mich nichts überforderte.
Sämtliche Übungen, die von der Physiotherapeutin angeleitet wurden, wären zu Hause ohne Aufwand umzusetzen. Wieder einmal liegt es am mir, täglich eine Zeit dafür einzuplanen.
Unruhe
Einen Euro habe noch gefunden. Die Kaffeemaschine wird mir dafür einen Espresso spendieren. Der einzige Vorteil ist, dass das Wasser zum Anwärmen der Espressotasse frei verfügbar ist. Den Espresso neben dem iPad platziert und nachgedacht, wie denn der Tag sich entwickeln könnte.
Bei meinem Blick auf „Wo ist? > Geräte“ stockte ich plötzlich. Die Uhr meiner Frau und damit sie, befand sich im Kurpark, rund 1 Kilometer entfernt und wanderte weiter Stadt einwärts. Blitzschnell bin ich die Optionen durchgehechelt.
A) Ist sie alleine raus. Technisch wäre das möglich, denn keine Tür ist versperrt.
B) Hat es funktioniert und sie ist mit der Tagespflege zum Spaziergang aufgebrochen? Nachfragen im Landhaustreff.
Der Mitarbeiter antwortete schwammig. Es könnte sein, dass… Eine Kollegin wollte bei ihrer Frau vorbei… Ich gehe davon aus, dass sie dabei ist.
Keine wirklich beruhigende Antwort. Okay, wenn meine Frau nicht anzutreffen gewesen wäre, hätte ich wohl eine Information bekommen. Sollte meine Frau jedoch zu dem Zeitpunkt noch im Apartment gewesen sein und bei ihrer Absage geblieben wäre, könnte sie im Anschluss alleine aufgebrochen sein. Niemand hätte es bemerkt.
Qi Gong
Mit dieser Unsicherheit bin ich mit Verspätung beim Qi Gong angekommen. Während der gesamten Einheit war ich nicht wirklich anwesend. Meine Watch aktualisierte fortlaufen den Standort meiner Frau. Ich schaute nach. Erst gegen Ende der Übung, näherte sich das Signal dem Landhaus. Erleichterung machte sich breit.
Schade, dass ich innerlich angespannt und mechanisch teilgenommen habe. Kommende Woche, so hoffe ich, wird es noch einmal die Möglichkeit geben, am Qi Gong teilzunehmen.
Die Leiterin der Physiotherapie hat für die kommende Woche Einzeltermine angekündigt.
Mittagszeit
Meine Tischnachbarin war heute früh die erste und jetzt wieder die Person, mit der ich mehr als ja oder nein oder guten Tag, ausgetauscht habe. Ich erzählte ihr von meinem morgendlichen Konflikt und skizzierte unsere Geschichte. Sie von der ihren. Wie unterschiedlich sie sein mögen, als pflegende Angehörige stehen wir unabhängig der Krankheitsbilder, vor nahezu ähnlichen Herausforderungen. Allen voran, unseren komplexen Alltag für zwei Personen zu managen. Die die hier sind schwächeln, wenn es darum geht liebevoll mit sich umzugehen und Selbstfürsorge zu praktizieren. Das Gespräch hat mir gut getan. Jetzt sind wir vom Sie zum Du übergegangen.
Dass, was heute früh war, ist Vergangenheit. Jetzt ist jetzt. Blick nach vorne.
Die letzten Zweifel, ob meine Frau mit der Gruppe des Landhauses mitgegangen ist, konnte ich bei Seite legen als ich zum Apartment kam. Die Eingangstür zum Apartment war abgeschlossen. Das konnte nur, wer einen Schlüssel dazu hat. Meine Partnerin nicht. Mitarbeitenden haben de Zugriff auf einen Generalschlüssel. Rucksack und feste Schuhe fehlten. Perfekt.
Innerer Riss
Der innere Riss zwischen sie verstehen und mich abgrenzen, ist nicht zu übersehen. In mir kreist die Frage, ob ich ihn zuschütten kann oder ihn so wie er nun einmal ist, akzeptieren und aushalten muss. Vielleicht sollte ich eher über Brücken die den Riss überspannen nachdenken. Zuschütten ließe er sich ausschließlich mit dem Aufgegebenen meiner Bedürfnisse. Sind die einmal nicht mehr „vorhanden“, dann gibt es nur noch die Bedürfnisse meiner Partnerin. Meine Rolle ist mir bekannt. Brücken über diesen Riss zu bauen, klingt nicht falsch. Nur, was könnten das für Brücken sein? In welche Richtung überquert wer die Brücke? Die Fragen bleibe noch unbeantwortet.
Aus der Pause zum Einkaufen
Die Uhr müsste man lesen können. Wenn dann noch die Öffnungszeiten des Landhaustreffs im Kopf gehabt hätte, wären mehr als 35 Minuten Ruhezeit auf dem Bett möglich gewesen. Hätte. Eine Stunde zu früh stand ich vor der Tür der Tagespflege. Völlig irritiert und Kopf schüttelnd, bin ich abgezogen und zurück ins Apartment. Dann eben SZ, Spiegel online, TAZ lesen.
Den Vormittag habe ich abgehakt. Wozu alte Kamelle aufwärmen? Eine halbe Stunde vor Ende habe ich meine Frau aus dem Landhaustreff abgeholt. Hose kaufen, stand auf meiner ToDoListe.
Im Städtchen bin ich ihr Coni auf Empfehlung unserer Tischnachbarin zur „Bekleidungsfabrik Heiner Bessman“. Die Auswahl soll groß sein. In der Tat, das war sie. Mehrere andere Kurpatienten sah ich dort.
Nicht eine, sondern drei Hosen und eine Jacke, fanden ihren Weg in die mitgebrachte Tasche. Kurz und schmerzlos, das mag ich. Bei einer Hose benötigte ich fachfrauliche Hilfe. Die gab es und das war sehr gut. Mittlerweile lässt sich meine Frau gut führen. Ist meine Anleitung gut, klappt es mit uns beiden in einer Umkleidekabine. Am Ende eines Kaufs kommt: Danke, dass du mir das gekauft hast.
Gut ausgestattet und früher Nachmittag. Da war noch genügend Zeit für ein Eis und eine Eisschokolade. In einem Outdoor Geschäft habe ich nach Gürtel- und Umhängetaschen geschaut. Eine solche Tasche möchte ich um nicht immer meine große Umhängetasche oder den Rucksack mitnehmen zu müssen, wenn wir unterwegs sind. Das Notfallpack kann an Tagen ohne Unpässlichkeit kleiner ausfallen. Ein Produkt scheint mir wie gemacht für diesen Zweck. Morgen werde ich es testen. Findet alles darin seinen Platz, nehme ich es mit.
Genug konsumiert. Auf zum Landhaus Fernblick.
Frische Luft
Etwas später als sonst nahmen wir im Speisesaal Platz. Für später, hatte ich uns auf die Liste für die Filmvorführung eingetragen. „Der Junge muss an die frische Luft“ lag im DVD Player. Es hat mir Spaß gemacht, den Film zu sehen, obgleich ich nicht alle Dialoge verstanden habe. Wieder einmal eine nicht ausgeglichene Aussteuerung von Sprache und Hintergrundmusik.
Unsere Tochter rief an, doch das Telefonat habe ich auf später verschoben bis nach dem Film. Sie sind aus ihrem Urlaub zurück und wieder gut angekommen.
Halb zehn ging so gut wie nichts mehr. Wäschewechsel und schlafen gehen.
Vollbracht
Zeit für mein Tagebuch und den Blog. Ich habe nicht damit gerechnet aus dem Freundeskreis Rückmeldungen zu bekommen. Das freut mich, ziehe ich doch, was meine Gefühle betrifft, fast schon blank.
Angeregt durch die Rückmeldung von einer Freundin überlege ich, ob der Eindruck den ich vermittelt habe mit dem übereinstimmt, worüber ich nachdenke. Eine „Balance für (uns) beide“ zu suchen. Das ist nicht verkehrt. Gegen diese Balance spricht nichts.
Nur jetzt stelle ich mir vor auf einer Wippe Platz genommen zu haben. Auf der einen Seite der Wippe sitze ich, auf der anderen das Alzheimer Schwergewicht. Mich würde es am Ende nicht wundern, sollte ich „verhungern“. Wie bekomme ich dieses Schwergewicht dazu, sich zu bewegen?
Morgen beginnt für mich die dritte Woche der Kur.
In einer Woche werde ich die Koffer packen und die Heimreise antreten.

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