Die zweite Woche

Blick auf den Speisesaal und dem darüber liegenden Café Fernblick

01. – 07. August 2026


Samstag – weder Therapie noch Landhaustreff

260801

Unser Einstieg in den Tag, trotz meines deutlich reduzierten Schlafes – kommt davon, wenn man erst gegen 1:00 Uhr das iPad zuklappt – war recht gut. Vollständig entspannt ging’s durch die Session im Bad und ab zum Frühstücken.

Atta Höhle in Attendorn

Auf meiner Liste an möglichen Ausflugszielen stand diel Atta – Höhle in Attendorn, rund 65 Kilometer westlich von Winterberg gelegen, ganz oben. Nach rund 70 Minuten Fahrzeit, bergan und bergab, war der Parkplatz der Atta – Höhle erreicht. Gegen eine Parkgebühr, Tageskarte, von 3 € konnten wir dort am Aufgang zur Höhle parken.

Weg hoch zum Eingang der Atta Höhle
Weg hoch zum Eingang der Atta Höhle

Die Höhle selbst gehört den Erben des Steinbruchbesitzers der bei Sprengarbeiten 1907 die Höhle entdeckte. Für uns machte es sich rasch bemerkbar. Menschen mit Schwerbehindertenausweis, selbst mit dem Merkmal „B“, müssen den vollen Eintrittspreis bezahlen. An der Kasse wurde mir gesagt, dass dies keine öffentliche Einrichtung sei. Überraschend.

Vor der Höhle hatten wir einen begrenzten Disput. Sie verstand nicht, warum bei Temperaturen um die 25 Grad sie einen Hoodie und eine dünne Jacke anziehen sollte. Beirren ließ ich mich nicht. Schließlich war das geklärt. Ich drehte mich um und wurde von einem Mitarbeiter am Eingang zur Höhle angeflaumt. Wieso ich das nicht früher gemacht hätte. Jetzt könnten wir nicht mehr hinein. Wir müssten waren. Auf meine Erwiderung, dass wir dann warten würden, meckerte er los: Dann hätte ich noch andere mit hinein schicken können; sie halten den Verkehr auf. Drehte sich um und verschwand. Kopfschütteln. Mehr fiel mir nicht dazu ein.

Die rund 45 Minuten, die wir durch die Höhle gingen, waren wunderbar. Ich benötige einige Minuten, um meine Frau so zu unterstützen, dass sie beim Treppen hoch und runter steigen, dem alleine durch enge Korridore gehen, sich sicher fühlte. Um mit dem  Schuhwerk Trittsicherheit zu gewährleisten, hatte ich darauf bestanden, dass sie ihre Meindl Wanderschuhe anzieht. Einverstanden war sie bis zum Einstieg in die Höhle nicht mit meiner Entscheidung. 

Das Klima in der Höhle mit einer stabilen Luftfeuchtigkeit von 95%, einer gleichbleibenden Temperatur von 9 Grad, völliger Staub-, Keim- Allergen-,  Ozonfreiheit bei null Wind, ist ein Geschenk für Menschen wie mich, die Atemnot und Asthma kennen. 

Das Fotografieren ist in der Höhle untersagt. Das hat mich nicht gestört, konnten meine Frau sich doch Karten aussuchen und ich mir die Broschüre der Atta Höhle zulegen. 

Bummeln durch Attendorn

Einen knappen Kilometer von der Atta Höhle entfernt, beginnt die Innenstadt von Attendorn mit einem Fußgängerbereich. Mittagszeit. Wir kommen am „Mauerwerk“ vorbei, ich schaue in die Speisekarte, lese vor und meine Frau reagiert bei einer Pizza sehr schnell mit „Ja, das will ich essen.“ Super. 

Bar und Restaurant Mauerwerk in Attendorn
Bar und Restaurant Mauerwerk in Attendorn

Auf meinem Teller kamen Spaghetti, wunderbar al Dente, mit frischen Pfifferlingen und Hähnchenbrut. Die Pizza, riesig groß, mit sehr aromatischen Tomaten, Fior di Latte, Parmesan und Burrata in der Mitte. Nach dem Portionieren mit dem Messer, aß ich ein kleines Randstück und eine Tomate. Das nenne ich armatisch und ein wirklich guter Pizzateig. Ich bin nun mal nicht der Liebhaber von Pizzen. Doch die Kenntnis über die Qualität der Pizzen hätte ich früher wissen wollen. So passierte es, wie viele male zuvor. Meine Frau aß rund 1/3 der Pizza. Danach war sie satt. Wirklich unterstützen konnte und wollte ich nicht. Meine Portion hätte kleiner ausfallen dürfen. Heißen Espresso zu servieren, da müssen sie noch üben. Ich kann das Mauerwerk empfehlen. 

Den Dessert verschoben wir auf später. Erst einmal eine Runde durch die Altstadt drehen. Immer wieder stießen wir auf Skulpturen im öffentlichen Raum die im Rahmen eines Projektes zum 800 jährigen Jubiläums von Attendorn, 2022, angekauft und aufgestellt wurden.

Sich treffende Hände von Eberhard Linke
Sich treffende Hände von Eberhard Linke

Am Rathaus fanden wir nicht nur die „sich treffende Hände“ des Künstlers Eberhard Linke, sondern sahen auch zahlreiche Menschen unter einem großen Blätterdach des einzigen Baumes auf dem Platz der Schatten spenden konnte, Eis essen. Dann mal da hin. „La Perla“ bot sich an. 

Nuss, Stracciatella, salziges Karamell für meine bessere Hälfte. Für mich eine Kugel Pistazieneis nur mit sizilianischen Pistazien hergestellt und Nuss. Wow. Nicht schlecht, dieses Pistazieneis. Nichts was an einen Geschmack durch Chemiebaukasten künstlich erzeugt daher kommt. Das nenne ich eine gelungene Symbiose zwischen sizilianischen Pistazien und die Fertigkeit Speiseeis zu kreieren. Selbst das Pistazieneis unserer bevorzugten Eismanufaktur, dem Dolci Creazioni, ebenso auf der Kölner Straße, nur in Langenfeld. Ob es in Attendorn ein besseres Eis gibt, weiß ich natürlich nicht. Die Latte liegt nicht tief. 

Ziel Landhaus Fernblick

Für einen kurzen Moment gab es die Idee noch an den Biggesee zu fahren und mit einem Schiff über den See zu gleiten. Doch die Signale meiner Frau sprachen dagegen. Nicht tragisch. Rein ins mit 37 Grad aufgeheizten Auto. Fenster auf und los. Nach und nach senkte sich die Temperatur und stabilisierte sich während der Fahrt bei 23 Grad. Nach dem Tanken von Ad Blue, schaltete ich auf Radio um. Der WDR strahlte eine Sendung mit Konrad Beikircher aus. Zu dem Zeitpunkt wussten wir das nicht, dass er am vergangenen Dienstag verstorben ist. Ich steuerte durch die Innenstadt von Winterberg als mich die Ankündigung von ihm, sich mit diesem Auftritt seine Bühnenkarriere beendet sei. Niemand konnte für mich treffender den Rheinländer erklären.