26. Juli – 15. August 2026
Bis bei mir die Erkenntnis, tu etwas für dich, mich zum Handeln nötigte, ist viel Zeit vergangen. Meine Neurologin hat auf meine Frage nach einer Kur sofort nach dem Formular gegriffen und nicht lange mit mir diskutiert. Ihr Handeln klang nach: Endlich denkt er mal an sich.
Für mich gab es nur eine zu erfüllende Bedingung. Meine Partnerin musste mitreisen können und mit mir gemeinsam untergebracht sein.
Wie es sich herausstellte, stellte dies in vielen Fällen eine nicht zu überwindende Barriere dar. In der Vorsorgeklinik für pflegende Angehörige, dem Landhaus Fernblick, der AWO in Winterberg, ist dies möglich.
Die TK entschied schnell. Im Dezember 2025 bekam ich die Zusage sowohl für meine Kur, wie auch die Kostenübernahme für meine Frau. Vom 26. Juli bis zum 15. August 2026 werden wir im Haus Fernblick zu Gast sein.
In den Telefonaten vor der Zusage wurde ich darauf hingewiesen, dass es unumgänglich sei, dass meine Frau von montags bis freitags in der Zeit von 8 – 16 Uhr die Tagespflege besucht. Anderenfalls sei es nicht möglich, mich an der Kur teilnehmen zu lassen.
Wir fahren zur Kur
260601
Meine Frau spricht, wenn ich mit jemanden darüber spreche, dass ich eine Kur bewilligt bekommen habe davon, das WIR zur Kur gehen. Wozu korrigieren. Ich schmunzle. Ich hoffe, dass dieses WIR dazu führt, dass sie ohne Widerstand in der Tagespflege ankommt. Meine Unsicherheit existiert noch.
Post aus der Vorsorgeklinik. Ein Satz Fragebögen und Informationen treffen ein. Jetzt wird es konkret. Bis zum 17. Juni müssen alle Unterlagen eingereicht sein. Auf dem Fragebogen lese ich: „Sofern die Unterlagen nicht zum gewünschten Termin vorliegen, vergeben wir den Platz anderweitig.“ Hart und klar formuliert.
Eine erste Erfahrung.
260612
Ich schrieb am 11. Juni: „…ich habe Ihnen mit einer separaten Mail den Link zu meinem Cloudordner gesendet. Dort finden Sie die von mir ausgefüllten Formulare, sowie die mir vorliegenden ärztlichen Informationen zu Diagnosen und die Medikamentenpläne. Bis zum Ende meiner Kur, am 15. August 2026 haben Sie Zugriff darauf.“
Am 12. Juni erreichte mich die Antwort: „…ich darf aus Sicherheitsgründen leider keine fremde Cloud öffnen. Oder ich müsste mir das erst von der EDV Abteilung in Dortmund freigeben lassen. Bitte senden Sie uns die Unterlagen als Anhang oder per Post.“
Wenn es um Datenschutz und Sicherheit geht, dann sind Anhänge mit personenbezogenen Daten an eine Mail, sicher nicht die Lösung.
Dann also per DHL oder Post als Einschreiben zur Kurverwaltung. Immerhin hat man die Verzögerung akzeptiert.
Rückfrage
260716
Ein wenig entsetzt war ich über mich. Da hatte ich den bisherigen Schriftverkehr mit der Kurklinik gescannt und die Papierversion durch den Schredder geschickt. Nun wollte ich nachschauen, wann wir am 26. Juli denn in Winterberg sein müssen. Je nach Uhrzeit, wollte ich ein Hotelzimmer buchen um keinem Stress ausgesetzt zu sein.
Tja, die ersten beiden Seiten des Schriftsatzes waren nicht erfasst. Keine Quelle, die mir Auskunft hätte geben können. Dann ran ans Telefon. Der erste Versuch scheiterte an der Warteschleife die vor dem Verbinden mit dem AB die Leitung kappte. Ein zweiter Versuch. Wieder Warteschleife und nach gefühlt fünf Minuten sprang ein AB mit seinem Text in die nicht gerade anregende Musikschleife und eröffnete mir die Möglichkeit, mein Anliegen zu platzieren.
Kaum aufgelegt klingelte mein Telefon. Eine Mitarbeiterin der Kurklinik meldete sich und beantwortete meine Frage. Sonntag um 15 Uhr werden wir erwartet. Perfekt. Wir benötigen kein Hotel. Für die Anreise rechne ich 2,5 Stunden. Nach dem Frühstück gehts los.
Im Laufe der Woche vor der Kur, werde ich wohl noch telefonisch von der Kurklinik kontaktiert, so die freundliche Mitarbeiterin.
Der angekündigte Anruf ist am Sonntag, den 19. Juli gegen 15:30 Uhr erfolgt.
Kurz wurde ich gebeten, bei unserem Hausarzt unsere Gesundheitskarten einlesen zu lassen. Man könne keine Medikamente verschreiben.
Mir wurde freigestellt, eigene Kissen mitzubringen. Einen Stoffbeutel für irgendein Tuch möge ich einpacken. Auf angemessene Kleidung und Schuhwerk wurde ich gebrieft. Wenn wir vor 13:30 Uhr ankommen, könnten wir noch ein Mittagessen bekommen. Ich möge bitte vor dem Haus parken, das Gepäck noch im Auto belassen und mich melden.
Dann ist ja alles klar, oder? Ich bin sehr gespannt.
Fragen. Was ist los?
260725
„Hast Du schon bezahlt?“, werde ich beim Frühstücken von meiner Frau gefragt. Schon bezahlt?
Ich: Was? Sie: Ja, hier. Meine Vermutung, sie meint unsere Wohnung. Ich versichere ihr, dass alles bezahlt sei. Der Betrag wird immer vom Konto abgebucht. Ist schließlich die Miete.
Mindestens dreimal wiederholt sie an diesem Vormittag diese Frage. Meine Antwort blieb gleich.
Ich fange an zu spekulieren, ob das Packen, die Koffer und Taschen die rum stehen den Eindruck vermitteln, wir lebten im Ferienhaus und würden in Kürze abreisen. Im Spreewald hatte sie mich ebenfalls mehrmals danach gefragt, ob ich schon bezahlt hätte und ob wir heute abreisen würden.
Koffer und Taschen
Die beiden Koffer und einige andere Taschen bringen wir zum Auto. Wieder in der Wohnung stehend, nicht wissen was sie mit ihrem Wohnungsschlüssel in ihrer Hand machen soll, kommt ihre Frage: „Würdest Du wieder hierhin fahren“? Spontan fällt mir nur ein Füllwort ein um nachdenken zu können.
Die Frage nach dem ob wir noch was bezahlen müssen, folgt. Einen Moment Bedenkzeit brauche ich doch noch. Was erlebe ich hier? Was ist zu tun?
Ich: „Ja klar kommen wir wieder. nach der Kur kommen wir zurück. Nein, wir haben schon bezahlt. Ist das okay für dich?“ Ja, sagt sie.
Mein Zuhause
Beim Mittagessen wälzt mich ihre Fragen fast um: „Wann fahren wir eigentlich nach Hause? Jetzt?“
Diese Frage überrumpelt mich dann doch. Mein Bedarf an Bedenkzeit steigert sich. Was soll ich denn jetzt sagen? Ich antworte nur indirekt: „Nein. Heute nicht. Morgen fahren wir nach Winterberg zur Kur.“ Sie hört es und sagt erst einmal nichts mehr.
Tochter und Mutter
Beim Spülen zündet eine weitere Stufe. „Hast Du die Mutter schon gesehen?“ Ich: „Nein. Du denn?“ Sie: „Nein. Dann wird sie wohl ihren Mittagsschlaf machen.“
Ich: Möchtest Du Dich auch hinlegen. Sie schaut mich an und flüstert: „Nein.“ Von da an flüstert sie nur noch. Denkt sie, sie könne ihre Mutter wecken? Selbst auf dem Balkon, beim Malen, flüstert sie. Nicht so laut soll ich sprechen, werde ich ermahnt und zeigt in Richtung des Balkons unserer Nachbarin.
Wieso ist hre Mutter auf einmal so präsent?
Zwei Koffer und zwei Einkaufstaschen? Reicht das schon um bei ihr das Gefühl von Zuhause temporär(?) zu löschen? Wo ist denn ihr Zuhause? Dort, wo ihre Mutter ist? Was hat sie heute zu ihrer Mutter geführt?
Ohnmacht
Mir ist schon klar, dass auf all diese W-Fragen keine Antwort existiert. Dennoch stelle ich sie mir. Mein Versuch auf dem was gestern und heute geschah zu reflektieren, bleibt. Nur finde ich keinen Ansatz für eine Hypothesenbildung. Hilft nur Artikel 1: Et es wie et es. Den Tatsachen ins Auge sehen. Ich kann nichts ändern.
Dabei geht es die letzten Tage immer um meine anstehende „Kur für pflegende Angehörige“, die sie mit dem Label „unserer Kur“ versehen hat, was mich ja freut. So kann ich den Besuch der Tagespflege als ihr Kurprogramm bezeichnen.
Mit dem Artikel 2: Et kütt wie et kütt. im Gepäck, gehts morgen ins Sauerland. Letztlich füge ich mich dem Unabwendbaren. Bleibt nichts anderes übrig. Ohnehin wird sich nichts am Lauf der Dinge ändern.
Morgen nach dem Frühstück starten wir.
Kurtag 01
260726
Start in den Tag
Aus meinem Tagebucheintrag von gestern:
„Morgen startet die Kur. Ich habe keine Erwartungen, keine Energie, mir irgendetwas auszudenken, was ich davon haben werde. Mehr denn je treibt mich die Sorge um, irgendetwas vergessen zu haben. Die Liste „WICHTIG! An folgende Dinge sollten sie denken!“ aus der Kurklinik, habe ich wieder und wieder gelesen, abgearbeitet und abgehakt.“
Mein Start in den Tag war nicht belastet durch Kopfschmerzen und diese tiefe Müdigkeit der vergangenen Woche. Gestern beschrieb ich für mich meinen Zustand vor einer Fahrt in dem ich sehr präsent sowie von Reflexion und Controlling bestimmt bin. Trotz wenig Schlaf, bin ich in dieser Phase hell wach. Das bin ich auch jetzt.
Im Bad war es wie immer. Bin ich dabei, reiche an, sage was zu tun ist, geht es voran. Verlasse ich das Bad, dann friert alles ein, wie bei einer Fotografie. Kehre ich zurück, steige ich in die Fotografie ein und es kann weiter gehen.
Der Kühlschrank ist leer, Müsli gibt es heute keins. Wir gehen zum Bäcker, Brötchen holen. Spaziergang von fast einem Kilometer vor dem Frühstück. Angenehm. Wir werden heute noch viel Zeit mit Sitzen verbringen.
Atemloser Start
Die Wohnung ist klar. Pflanzen mit Wasser versorgt. Automatisch wird Raum für Raum gescannt. Äußerlich ruhig. Doch dann steigt dieses beklemmende Gefühl in mir hoch. Atemnot. Ich suche viel zu lange nach meinem Spray. Da lugt Panik um die Ecke. Atemübungen. Ruhig werden. Es gelingt, runter zu kommen. Meine Partnerin steht im Türrahmen und schaut sich das Schauspiel an. Sie schweigt dazu, was mir gut tut. Das Spray erfüllt seinen Zweck. Die Beklemmung ist verschwunden. Ich brauche noch einige Momente, um mich stabil zu fühlen. Wir nehmen uns in den Arm und halten uns.
Es kann losgehen. Wir starten, tanken voll, stoppen noch bei unserer Tochter und nehmen die Autobahn in Richtung Osten. Winterberg ist unser Ziel.
Toilettenstopp nach 75 Minuten Fahrzeit. Es ist nicht allzu voll in der Raststätte. Doch muss ich sie loslassen, um in Richtung WC gehen zu können. Sie bleibt stehen, bewegt sich nicht, ich gehe weiter und stehe alleine vor der Behindertentoilette. Ich zurück. Mittlerweile ist sie so zum Teil einer Warteschlange vor dem Tresen eines Schnellimbiss geworden. Schmunzelnd nehme ich ihre Hand und wir können zur Toilette.

Sind wir noch in Holland?
Runter von der Autobahn. „Sind wir noch in Holland?“ Upps, woher kommt denn jetzt diese Frage? Nein, wir fahren durch das Sauerland. Das liegt mitten in Nordrhein Westfalen. In dem Bundesland leben wir.
„Ich habe Hunger“. Nach einem eingespielten Frage-Antwort-Spiel ist klar, eine warme Mahlzeit soll es sein. Mein erstes Pärchen: Nudeln oder Pfannkuchen? Zu meinem Erstaunen: Pfannkuchen. Okay.
Vorgestern hatten wir in der ARD Mediathek den Reisebericht über das Sauerland aus der Reihe „Wunderschön“ angeschaut. Unter anderem sah ich im Film den Schriftzug „Der Brabanter Pfannkuchenhaus“ in Winterberg.
Dann kehren wir zum Mittagessen in das Pfannkuchenhaus Der Brabanter ein. Der Staff scheint aus den Niederlanden zu kommen. Im Restaurant läuft als Hintergrundbeschallung ein niederländischer Radiosender mit ausgedehnten Werbepausen. Hier passte ihre Frage: „Sind wir noch in Holland?“ Wer die Topografie der Niederlande nicht kennt, wäre jetzt geneigt, diese Frage mit Ja zu beantworten. Ist aber nicht.

Ich mag diese Vielfalt. Wir sind sehr oft und gerne in den Niederlanden unterwegs. Schön, dass diese Region von den Touristen aus dem In- und Ausland profitiert.
Vorsorgeklinik begrüßt

Fünf Minuten später parke ich unser Auto vor dem Eingang der „Vorsorgeklinik für pflegende Angehörige“, Landhaus Fernblick.
Eine freundliche Begrüßung durch eine Mitarbeiterin, die uns zu unserem Apartment brachte, wurde uns zuteil.

Informationen zu den „Ersten 24 Stunden“ erhielten wir mündlich und schriftlich. Für Montag und Dienstag bekam ich meinen Laufzettel, so nenne ich ihn.
Ab Montag bin ich aufgefordert immer nach dem Abendessen ins Büro der Nachtwache zu gehen um dort zum einen ein Statement zu unserer gesundheitlichen Verfassung abzugeben und den nächsten Therapieplan abzuholen.
Die Mitarbeiterinnen, mit denen ich heute zu tun hatte, waren entspannt, freundlich und wichen keiner Frage aus. Lediglich die Wartezeit in der zur

Tagesbetreuung war etwas lang. Als hätte RIMOWA sich überlegt, mich immer mal wieder mit Geduldsspielchen zu beschäftigen, versagte wie am Samstag das Zahlenschloss. Der Code, mit dem ich heute früh den Koffer geöffnet und verschlossen hatte, funktionierte nicht mehr. Fast 600 Zahlenkombinationen spielte ich in der Wartezeit ab. Immerhin, bei einer Kombination sprangen die beiden Haken aus der Verriegelung und der Inhalt des Koffers war zugänglich. Ein neues Schloss muss her.
Erste Begegnungen
Im Speiseraum bilden wir gemeinsam mit einem Ehepaar aus Bremen eine Tischgemeinschaft. Sie sind deutlich länger auf dieser Welt wie wir. Der erste Smaltalk zwischen mir und der Frau, war ganz nett. Auf die Entwicklung bin ich gespannt.
Bis auf ein oder zwei Paare, wobei ich damit nicht Ehepaare meine, sind alle mit mehr Lebensjahren gesegnet. Mir ist schon klar, dass der optische Eindruck auch trügen kann. Ich werde es im Laufe der Zeit hören.
Täglich werde ich einen Frühstückszettel ausfüllen müssen, damit wir nur das zum Frühstück erhalten, was wir essen wollen. Die Mitarbeiterin, die sich um unseren Tisch kümmerte hat Humor, strahlt Ruhe aus und kam gut mit mir und meinen Fragen zurecht.
Kurtag 02
260727
Bis kurz vor Mitternacht habe ich versucht den Tag Revue passieren zu lassen und das für mich Wichtige mit Worten zu fixieren. Nicht alles war formuliert als ich aus Vernunftgründen mich ins Bett begab.
Die erste Nacht im fremdem Bett. Unsere Kissen hatte ich mitgenommen. Für den Kopf eine vertraute Umgebung. Wie üblich stand ich nachts auf, war wach und ging zur Toilette. Eine Straßenlaterne hatte genügend Licht übrig um durch ein Fenster das Apartment angenehm zu erhellen. Mehr Licht brauchte es nicht, um unfallfrei vom Schlaf- ins Badezimmer zu kommen.
7:07 Uhr Mein Wecker. Kurz zuvor hatte mich meine Frau durch das mir vertraute Streicheln geweckt. Die Zeit passt. Aufzustehen.
Das Bad ist nicht allzu groß und der mit einer Glaswand abgetrennte Teil zum Duschen entspricht in etwa der Fläche einer Badewanne. Völlig ausreichend, um zu duschen und dabei zu assistieren. Leider war der gewünschte Duschstuhl nicht im Bad. Mit Hilfe der Toilette konnte ich sein Fehlen kompensieren.
Meiner Partnerin ist es nicht mehr möglich, sich selbständig im Stehen die Waden und die Füße abzutrocknen. Wie zu Hause ist es der Toilettendeckel der das Sitzen erlaubt. Im Sitzen war es ihr möglich die Beine bis zu den Füßen und ihre Arme einzucremen.
Bevor wir zum Frühstücksraum aufbrachen, gab es die Tabletten.
Das Frühstücken. Gestern hatte ich den Zettel ausgefüllt. Heute kam eine Mitarbeiterin mit dem Tablett auf dem das Bestellte stand. Voreilig war ich zur Teestation gewandert und hatte für meine Frau einen Früchtetee gemacht. Mir wurde freundlich gesagt, dass ich das nicht tun müsse. Auf dem Bestellzettel hätte das ja gestanden und somit würde der Tee dann mit all den anderen bestellten Frühstückszutaten für uns vorbereitet.
Mit der Müslimischung war meine Partnerin zufrieden. Die zwei Brötchen, die dann für mich alleine auf dem Teller lagen, waren eindeutig zu viel. Eins reicht. Für den morgigen Tag habe ich die Bestellung geändert. Das Müsli bleibt.
Unsere Tischnachbarn sind nett. Leider verstehe ich ihn nicht so gut. Meine Hörgeräte muss ich wohl anpassen, oder?
Landhaustreff
Zähne putzen auf dem Zimmer. Ich packe ihren Rucksack. Meiner Bitte, sie möge sich zwei Mandala-Hefte aussuchen, entsprach sie nicht. Sie hätte keine Lust darauf.
Auf meine Erwiderung, hatte auch keine Lust den Besuch der Tagespflege nicht ausschließt, fand sie nicht witzig. Ersparen konnte und wollte ich ihr die Teilnahme im Landhaustreff nicht. „Du hast Dein Kurprogramm, ich habe mein Kurprogramm. Zum Mittagessen hole ich Dich dann später ab.“ Ohne Widerstand ist sie mitgekommen. Einen Spruch musste sie mir dann doch noch drücken: „Das ist nichts für mich.“
Im Landhaustreff wurde sie freundlich begrüßt. Die Leiterin erinnerte sich noch an ihren Namen. Wie schön. Den Rucksack übergab ich mit der Erklärung, was enthalten ist. Die benötigte Jacke, holte ich noch.
Organisieren
An der Rezeption habe ich gebeten, uns einen Duschstuhl zur Verfügung zu stellen. Der Aufzählung von Optionen die mir offen standen, überforderten mich leicht. Mir reicht ein Duschhocker für unsere Bedarfe. Man wird ihn uns ins Bad stellen, wurde mir versichert.
Jetzt beim Schreiben im Apartment, kam eine Mitarbeiterin des Service. Sie holte den Müllsack aus unserem Bad. Meine Frage nach einer zweiten Mülltüte wurde mit einem Lächeln und einer Mülltüte beantwortet. Wenn ich etwas benötigen würde, sollte ich sie oder ihre Kolleginnen einfach ansprechen. Wie freundlich.
Kurprogramm startet
Mein Programm beginnt heute um 10 Uhr mit einer „Informationsrunde“ zum Kurablauf. Na dann.
Die Klinikleitung hat uns mit vielen Details zum Klinikaufenthalt, Regeln und dem Therapieangebot bekannt gemacht. Zu viel Informationen in diesen 45 Minuten, um sich die zu merken. Step by step. Interessant war, dass eine Mitarbeiterin des Hauses – die Kollegin wurde sie vorgestellt – dabei saß und sich weder selbst vorstellte noch beteiligte. Gefragt habe ich sie nicht. Auf meine Frage, ob das sich Melden bei der Nachtschwester an allen Tagen erwünscht sei, wurde bejaht.
Nachdem alle gegangen sind, habe ich die Hausleitung mit meiner ungewöhnlichen Frage konfrontiert. Ich wollte von ihr wissen, wie ich mit meinem Therapieplan verfahren kann. Darf ich ihn ohne Einschränkungen in meinem Blog zeigen, sind Namen zu schwärzen oder wie ist es zu handhaben? Sie hat sich meine Blogadresse aufgeschrieben und wird den Geschäftsführer des Hauses um seine Stellungnahme bitten. Mitte der Woche könnte ich eine Antwort bekommen. Das reicht mir und ich bin sehr gespannt. Die Schönklinik in Bad Aibling war da alles andere als entspannt. Von dort habe ich nie eine Antwort erhalten.

Fernblick aus dem Garten des Landhaus Fernblick. Regen senkt sich auf das Land. Er wird so dringend benötigt. Dass, was sich gerade in Frankreich und Spanien abspielt, gruselt mich, weckt Erinnerungen an die Brände in der Nähe von Nîmes oder die Böschungsbrände bei Köln, die im letzten Frühjahr unsere ICE Rückfahrt von Freiburg beeinträchtigten. Sie hatten nicht die Dimension der heutigen Brände. Dennoch hatten versetzten sie die Menschen in Unruhe.Von mir aus darf es mehr regnen.
Der erbetene Duschhocker wurde uns ins Bad gestellt. Wie toll.

Wenn die Erfahrung gut ist, besorge ich einen für zu Hause.
Pause. Zeit um die Erfahrungen und die Gedanken in Worte zu kleiden. Nicht so einfach, sich bei der Menge kurz, prägnant und angemessen auszudrücken.
Mittagspause
Meine Partnerin holte ich kurz vor dem Mittagessen im Landhaustreff ab. Sie hatte Not. Dringend musste sie auf die Toilette. Warum sie nicht in der Tagespflege dort war, ist nicht zu klären.
Auf den Tisch kam Blumenkohl mit Reis. Das esse ich nicht. Und dabei blieb es auch. Meine Verweise auf das gemeinsame entscheiden änderte daran nichts. Mit großer Verwunderung und Sorge nahm die Mitarbeiterin des Services den Teller zurück. Alternative Vorschläge wurden von meiner Frau allesamt abgeblockt.
Dass ich sie nach dem Mittagessen wieder zum Landhaustreff begleitete, fand sie nicht gut. Darauf reagiere ich nicht mehr.
Nach einer kurzen Verschnaufspause nach dem Mittagessen ging es weiter im Therapieplan. Auf dem Weg zum Fitnessraum kam ich erneut an der Rezeption vorbei. Ein kurzer Stopp. Die Kurkarte lag für uns beide bereit. Die nachgewiesene Schwerbehinderung mit dem „B“ befreit von der Zahlung der 36 € für die Kurkarte. Dagegen habe ich keine Einwände. Dass in den kommenden Tagen ein DHL Paket für uns ankommen wird – das iPhone meiner Frau – habe ich mitgeteilt. Zudem habe ich meinen Bedarf angemeldet das Fernsehen selbst steuern zu dürfen um die Mediathek nutzen zu können. Morgen, wenn der Hausmeister wieder im Hause sei, würde ich kontaktiert. Eine nette Geste. Freundlich und zugewandt sind durchweg die Mitarbeitenden.
Koordinationstraining
Zu koordinieren, das kann ich. Dafür benötige ich kein Training. Doch das hat wenig bis nichts mit dem „Koordinationstraining“ zu tun, das meine zweite Kurstation an diesem Tag ist. Die Bewegungspädagogin hat mit Unterstützung eines Balles das Kennenlernen angeleitet. Den eigenen Name sagen, den Ball jemandem zuwerfen. Diese Person nennt dann ihren Namen. Nach und nach bekam ich ein erstes Gefühl für die acht zu merkenden Namen. Alle habe ich nicht behalten. Doch einige Anker sind gesetzt, wie der der Eselsbrückenbauerin oder dem Wiederholer, der zum zweiten Mal hier weilt. Daraus ergaben sich die ersten Gespräche mit anderen Kurgästen.
Informationsrunde der Hauswirtschaft
Der letzte Teil meines heutigen Therapieplans war die „Informationsrunde der Hauswirtschaft“. Dass wir über diesen Bereich in Kenntnis gesetzt werden und dazu Fragen stellen konnten, ist mir bislang noch nie begegnet. Damit drückt die Einrichtung ihre Wertschätzung allen gegenüber aus, die für das Funktionieren der Kureinrichtung tätig sind.
Meine Frage, ob das Personal in der Küche und im Bereich der Reinigung eigenes sei oder die Leistungen bei Dritten eingekauft würden, wurde mit einem Lächeln und den Worten: Selbstverständlich sind dies alles Mitarbeitende unseres Hauses, die bei der AWO angestellt sind. Darauf legen wir sehr großen Wert. Eine Antwort, die mich sehr gefreut hat, entspricht sie doch dem, was ich in meiner Leitungsfunktion versuchte umzusetzen.
Im Anschluss
Um 15:40 Uhr stand ich an der Tür zum Landhaustreff und habe meine Frau abgeholt. Im Gegensatz zu heute Mittag war sie locker und lächelte mich an. Meine Frage, ob sie sich von mir zu einem Kaffeetrinken mit Kuchen einladen ließe, hat sie mit einem Lachen beantwortet. Tief durchatmen. Super.
Der Spaziergang ins Städtchen um Kuchen im Café Krämer – eine Empfehlung einer Mitarbeiterin im Haus – zu essen, gelang uns gut. Dass wir an diesem Nachmittag unterwegs über das Outlet eines Sportgeschäfts stolperten, war gut, brauchte ich doch eine kurze Sporthose. Allerdings hat es mir verdeutlicht, dass wenn ich mir etwas kaufen muss oder möchte, meine Begleiterin ebenfalls etwas bekommen muss. Heute habe ich ihr es zugestanden. Nur bei der Konfektionsgröße habe ich mich nicht beirren lassen.
Mit einem Radfahrerinnen Shirt und einer kurzen Sporthose, sind wir in Richtung der Klinik durch den Kurpark gelaufen. Das Schwimmbad am Ende des Kurparks ist noch bis zum 2. August geschlossen. Ich bin mir sicher, wir werden es in der kommenden Woche besuchen.
Zu Hause verzichte ich fast immer auf ein Abendessen. Noch schaffe ich es nicht, nach 17 Uhr nichts mehr zu essen. Das ist mein – nicht dogmatisches – Ziel. Hier in der Kur mache ich erst gar nicht den Versuch. Damit entziehe ich mich der erwarteten wiederkehrenden Diskussion mit meiner Frau beim Abendbrot. Ich esse etwas. Das reicht doch.
Spaziergang auf dem Schmantelrundweg
Welch eine tolle Überraschung. Während ich ihr schildere, dass wir am Wochenende die Atta-Höhle und tags darauf ehemalige Nachbarn besuchen, sagte sie: „Ich möchte gerne noch einmal raus.“ Was für eine gute Idee. Komoot unterstützte mich bei der Zusammenstellung einer kleinen Runde auf dem „Schmantelrundweg“.

Keine 4 Kilometer mit einem leichtem Anstieg im ersten Teil bei dem meine Partnerin dennoch ins Schnaufen verfiel. Wir blieben immer wieder stehen um uns die Gegend anzuschauen. Die kühle Luft, die letzten Strahlen der Sonne und der sehr leichte Wind fühlten sich gut an. Ich hatte genügend Luft in der Lunge. Nach dem ersten Kilometer, in dem die Steigung lag, hatte sie Luft und Spaß an den Pflanzen.




Überall gab es etwas zu entdecken. Sie vermisste ihre Kamera, das iPhone. „Kannst du das für mich fotografieren?“ fragte sie mich und zeigte auf die Wolkenformation. Das habe ich selbstverständlich getan.

Gegen 20:40 Uhr waren wir wieder auf dem Zimmer. Sie saß völlig erschöpft im Sessel. Ich las in der Tagesschau App und war frustriert. Die Brandkatastrophe in Frankreich und Spanien. Das furchtbare Drohgefasel des Arschlochs in Washington und und und. Meine Frau fragte nach und ich las ihr den Artikel zur Brandkatastrophe vor. Leise sagte sie nach einer Weile“ „Ich habe Angst.“ Ich: Wovor hast Du Angst? Sie: Vor dem Feuer. Ich: Das ist nicht hier. Unterwegs haben wir doch vor dem Warnschild vor Waldbrand gestanden. Aktuell brennt hier kein Wald.
Ihre Erschöpfung spiegelte sich in den Augen, die sich sich langsam schlossen. Zeit für mich, sie zum Bett zu begleiten.
Aus der Familie und von Freunden wurde mir die Frage gestellt: Wie ist erste Kurtag gelaufen?. Ich habe geantwortet: „Darüber denke ich gleich nach.“
Was ist denn nun das erste Fazit des ersten Tages? Ich habe keins. Der erste Teil war schwierig. Ihre Bereitschaft, in die Tagespflege zu gehen, war morgens nicht vorhanden. Beim Abholen aus der Tagespflege war sie deutlich entspannter und zugewandter. Für mich dominiert noch diese Auseinandersetzung um den Besuch der Tagespflege. Das stresst mich.
In mir klingt der Satz der Hausleitung: Ab dem dritten Tag wird‘s besser. Morgen, Tag zwei.
Kurtag 03
260728
Start in den Tag
7:07 Uhr. Kein Problem aufzustehen. Für meine Frau allemal nicht.
Heute früh entfiel das Haare waschen bei ihr. Somit standen wir nicht unter der Dusche. Die guten alten Waschlappen sind zur Körperpflege bestens geeignet.
Zum Frühstücken. Ihre Einschränkungen beim Zubereiten ihres Müslis werden mir immer klarer. Mit Worten erklären, was zu tun ist, wird demnächst vollständig entfallen können. Für ihre Müslimischung müssen zwei Schälchen mit Müsli zusammengeschüttet werden. Im Anschluss wird der Deckel eines Fruchtjoghurts aufgemacht. Der Inhalt des Bechers kommt zum Müsli. Vor dem Finale wird die Milch angeschüttet. Da das Schälchen, ein größeres Weckglas, durchsichtig ist, kann der Milchpegel gut erkannt werden. Ist dieser erreicht, wird zum Schluss einfach alles umgerührt und genossen. Das ist die Theorie.
In der Praxis stockt es schon beim Zusammenschütten. Das Öffnen des Joghurtbechers ist wirklich nicht immer leicht. Meine Aufgabe. Was mit dem angereichten Becher anstellen? Wie kommt der Joghurt in das Glasschälchen? Löffel anreichen, meine Aufgabe. Anzeigen, was mit dem Löffel zu tun ist, sollte ich machen. Das Kännchen mit der Milch ihr in die Hand geben, ist mein Job. Sie zu ermutigen, die Milch ins Glas zu schütten, ebenfalls. Auf den großen Löffel verweisen damit das Ganze gut gemischt gegessen werden kann. Umrühren? Am Ende dieser Arbeiten ist ein schmackhaftes Mülsi entstanden.
Beim Frühstück unterhielten wir uns mit unseren Tischpartnern. Sie erzählten davon, wie schwierig es war und zum Teil noch ist, mit einem Mann verheiratet zu sein, der einen fremd klingenden Namen trägt, der zu ihrem Nachname wurde. Das sind und waren Erfahrungen die den alltäglichen Rassismus beschreiben. Damals und heute wider. Nicht unähnlich den Erfahrungen die unser Schwager und seine Frau gemacht haben. Ihre Kinder nicht minder.
Widerstand löst was aus
Schade. Ich dachte, ich käme heute früh ohne Stress davon. Doch meine Frau setzt sich nach dem Zähneputzen auf den Stuhl und sagte mir: Ich gehe nicht in die Tagespflege. Ich bleib hier. Ich kann ja puzzeln. Meine Warnlampen blinkten. Nein, das will ich nicht.
In mir steigen keine positiven Gefühle hoch. Jetzt setz mich nicht unter Druck, platze es aus mir raus. Ebenso blöde Sachen wie: „Wir haben das zuvor besprochen. Du hast deinen Teil der Kur und ich meinen… Die Alternative wäre gewesen, einen Pflegeplatz für die Zeit zu finden. Das wollte ich auf keinen Fall. Du auch nicht… Bitte steh auf und komm mit.“
Eine meiner inneren Stimmen rebellierte gegen den Scheiß, den ich raushaute. So nicht. Bleib cool. Sie wird schon… Versteh sie doch, sie kann nicht gut mit Gruppen. Es ist der zweite Tag, es wird mit der Zeit besser…
Und dann ist sie aufgestanden und wir zusammen zum Landhaustreff. Allerdings, ohne uns an den Händen zu halten. Das wollte sie nicht.
Eine mir / uns nicht bekannte Mitarbeiterin begrüßte uns. Meine Frau wurde nach ihrem Namen gefragt, den sie der Dame verriet.
Mit dem Hinweis, dass im Rucksack sich die Jacke befände, verabschiedete ich mich. Nicht ohne zu erwähnen, dass ich meine Partnerin gerne zum Mittagessen abholen werde.
Wieder im Apartment klopfte es. Der Hausmeister kam und wir tauschten uns kurz aus. Er werde nach einer Fernbedienung für den Fernseher schauen. Wenn er eine finden würde, bekäme ich die ins Zimmer gelegt. Wunderbar. Später lag sie tatsächlich auf dem Tisch.
Kuraufnahmeuntersuchung
Mein Termin der „Kuraufnahmeuntersuchung“ stand im Plan. Das iPad eingepackt und los. Im Wartebereich traf ich eine Angehörige, deren Blutdruck wohl täglich gemessen wird. Wir hatten uns gestern etwas im „Koordinationstraining“ kennengelernt. Sie ist als pflegende Angehörige ihrer Mutter, die nicht an Alzheimer leidet. Kurz tauschten wir uns aus. Sie ist sicherlich fast 20 Jahre jünger und dürfte die jüngste Kurpatientin sein.
Im Arztzimmer. Der Kurarzt begrüßte und nach dem Start Smaltalk ging es um die harten Fakten. Nach der Klärung meinte er: „Mit ihren 69 Jahren sind sie fast ein Nesthäkchen hier.“
Ja, das habe ich mir schon gedacht.
Blutdruck von 140:86. Das ist blöd. Ich unterstelle, dass der Stress und diese Situation diesen Anstieg ausgelöst haben. Für den Kurarzt kein Grund zur Besorgnis. Für mich ebensowenig.
Insgesamt war unser Gespräch angenehm. Mit im Behandlungszimmer saß die Frau, „die Kollegin“, die gestern beim Informationsgespräch schweigend anwesend war. Ich wurde vom Arzt gefragt, ob es in Ordnung sei, dass sie dabei säße. Ich fragte nach ihrer Funktion. Mir wurde vom Arzt erklärt, dass sie ab Anfang 2027 in Netphen ein neu gegründetes Haus der AWO leiten soll. Wie schön. Irritierend, dass immer andere für sie sprechen. Zum Schluss des angenehmen Gesprächs wurden mir die verschiedensten Kurmittel verordnet. Den Line-Dance habe ich ausgeschlossen. Muss ich auch nicht machen. Auf den Plan bin ich sehr gespannt.
Fit in Schwung!
Was erwartet mich? Die Bewegungspädagogin und Leiterin der Physioabteilung hat mich in Schwung gebracht. Mit dem Sonnengruß, wenn denn noch so heißt, begann diese halbe Stunde und endete mit einer anderen Variante aus dem Tai Chi. Um uns in Bewegung zu bringen, hatte sie mit einem mir bis dato noch nicht untergekommenen Gerät, dem … , uns gefordert. Meine rechte Schulter hat sich schnell und mein rechter Unterarm später mit Schmerzsignalen gemeldet. Dennoch gut.
Im Anschluss, bevor ich zum „Kureinführungsgespräch“ hechtete, erklärte sie mir die Nutzung des Ergometers. Nun darf ich selbständig damit trainieren.
Kureinführungsgespräch
Ich hatte mich im Wartebereich noch nicht setzen können, da kam die Pflegekraft auf mich zu und nahm mich mit ins Besprechungszimmer. Vierzig Minuten dauerte unser Gespräch. Mit der Formulierung eines Ziels für die Kur, tat ich mich schwer. Ich bin ohne Erwartungen angereist. Aus unserem Gespräch ableitend fragte sie mich, ob es nicht darum gehen könne, die eigenen Grenzen zu erkennen, zu akzeptieren und mir Hilfe zu organisieren? Kann sein. So wie beim Arzt war dieses Gespräch sehr wertschätzend und angenehm. Um 12:10 Uhr haben wir uns verabschiedet.
Mahlzeit
Meine Frau saß im Landhaustreff bereits auf heißen Kohlen. Wo blieb ich nur. Die ersten Schritte noch mit Frust, dann lockerer. Sie musste wieder auf die Toilette. Offenbar nutzt sie die Toiletten nicht in der Tagespflege. Ich werde es ansprechen müssen.
Das Mittagessen, ein Kartoffelauflauf mit Hirtenkäse und Gemüse, hat ihr gut geschmeckt. Der Nachtisch ähnelte einem Vla, was nicht verkehrt war. Die Mitarbeiterin war sichtlich erfreut zu sehen, dass meine Frau das Essen geschmeckt hatte. Sie bot direkt einen Nachschlag an. Die Portion war gut bemessen.
Unsere Tischpartnerin ißt mittags alleine. Ihr Mann nimmt das Mittagessen in der Tagespflege ein. Ich mag mich gerne mit ihr unterhalten. Sie ist wohl im 8 Jahrzehnt ihres Seins unterwegs und managet sich und ihren Mann alleine. Ein Kind unterstützt sie.
Kleiner Widerstand
Mit dem Versuch des Widerstandes hat sich meine Partnerin gegen eine erneute Zeit im Landhaustreff gewehrt. Ich blieb dabei und verwies darauf, dass ihre Malsachen sich dort befänden. An der Tür habe ich ihr Bedürfnis, zu malen, kund getan. Umgehend wurde sie gefragt, ob drinnen oder draußen. Freudig entschied sie sich für draußen. Sich noch einmal zu mir umzudrehen war nicht nötig. Perfekt. Ich akzeptiere, dass sie eine anfängliche Blockade hat. Bislang schaffte das Team der Tagespflege sie abzuholen und zu integrieren. Ich hoffe auf die Prognose, dass es ab dem dritten Tag besser wird.
Ich habe mich in den hinteren Teil des Gartens zurückgezogen um nachzudenken, zu schreiben und zu bloggen.

Das Plätschern des künstlichen Bachs entfaltet eine beruhigende Wirkung in mir.
So zügig habe ich noch nie aktuelle Texte im Blog veröffentlicht.
Mir tut die Ruhe, das nicht bis zur letzten Minute verplant zu sein, gut. Mich wundert es, dass ich tagsüber kein Bedürfnis habe zu schlafen. Lust mich zu bewegen, die habe ich. In den letzten drei Tagen bin ich sehr gut unterwegs gewesen. Für keinen Tag wurden weniger als 11.422 Schritte vom iPhone und der Watch erfasst. Gestern waren es über 15.000 Schritte. Deutlich mehr als in meinem Alltag.
Meine Frau hatte Lust von mir abgeholt zu werden. Kurz ins Apartment, LF 50 auftragen und raus ins Städtchen mit dem Ziel das Eiscafé Venezia auszuprobieren. War lecker es, doch das Eis im Eiscafé Cortina hat mir mehr zugesagt.
Früchtetee für meine Patnerin besorgen, stand noch auf meiner TodoListe. Eine Filiale von dm liegt unmittelbar am Kurpark. Wie gestern sind wir durch ihn in Richtung Landhaus Fernblick gegangen. Im Schatten eines Baumes haben wir uns in die Wiese gesetzt. Angenehmer als unter der Sonne auf einer Bank zu grillen. Dass das sich auf die Wiese setzen so schwierig sein würde, hatte ich nicht geahnt. Ängstlich war meine Frau. Unsicher kam sie vom Stehen ins Sitzen. Im Gras zu sitzen, war alles Bestens. Den gekauften Mango Lassi unter dem Baum sitzend zu genießen, gefiel uns.
Ähnlich wie das Hinsetzen verlief das Aufstehen. Es will ihr nicht gelingen. Nur mit meiner zupackenden Unterstützung, kommt sie wieder auf beide Beine. Anstrengend für sie.

Im Rücken die Wiese. Den Blick in den Himmel richten, lohnte sich. Ich dachte bei mir, sind das nicht Hin und Weg Streifen? Diese sich auflösende Spuren, wie Fäden, die nur für einen Augenblick existieren? Sie ähneln AlltagAlzheimer Erfahrungen die ich mache. Da ist sind die Unpässlichkeiten meiner Partnerin, die für einen Moment andere Spuren bei ihr, wie bei mir hinterlassen. Dann zieht sie sich zurück und wenn sie wach ist, strahlt der Himmel für sie. Oder sie „hat keine Lust auf Gruppe“ (unser Wort für Tagespflege) doch sie geht. Hole ich sie nachmittags ab strahlt sie mich an, ist locker.
Bitte?
Im Apartement angekommen baut meine Frau recht schnell ab. Sie setzt sich in den Sessel. Ihre Schuhe ziehe ich ihr aus. Sie sieht mich an. Völlig aus dem Nichts höre ich sie sagen: Du bist nicht Peter!
Upps. Habe ich das jetzt richtig gehört? Zum Scherzen ist mir für einen Moment nicht zu Mute. In mir krampfte es, bildete sich ein Knäuel. Entwirren. Was war das? Da war doch kein Konflikt.
Ja, erschöpft ist sie. Coni lässt mich wissen, dass sie ins Bett gehen könne.
Meine Nachfrage, wer ich denn sei, bleibt unbeantwortet im Raum stehen. Schweigen. In mir ratterte es, wie jetzt verfahren. Ich komme zum Schluss, einfach ignorieren und zu diesem Alltag übergehen.
Ausblicke
Ein kleines Abendessen erwartete uns. Sehr sparsam hatte ich heute früh bestellt. Es hat gepasst. Unsere Tischgespräche nehmen zu. Leider bemerke ich, dass überall mehr gesprochen wird und die Lautstärke richtig anschwillt. Trotz meiner Hörgeräte habe ich Schwierigkeiten zuzuhören. Zuviel wird meinen Ohren zugespielt. Für den kommenden Tag nehme ich mir vor, zwei weitere Modi auszuprobieren, die bereits programmiert sind.
Um 18:30 Uhr bin ich mit einer gewissen Spannung ins Arztzimmer zur Nachtschwester gegangen. Verordnet wurden mir für die kommenden drei Tage „QiGong“, ein „Bewegungsmix!“, das „Fascientraining / Theraband“, „Nordic Walking“, „Atementspannung“ sowie eine „Wärmetherapie“, den „Hydrojet“ und die Teilnahme an einer „Informationsrunde zum Thema: Umgang mit Demenz“. Die Vormittage sind mit bis zu 90 Minuten gefüllt. Die Nachmittage sind sehr unterschiedlich. Das Timing gefällt mir. Ich habe Zeit. So viel Zeit wie zuletzt 2024 im Krankenhaus. Coni werde ich wie gestern gegen 15:45 Uhr und 16 Uhr aus dem Landhaustreff abholen. Sieht auf dem Papier gut aus.
Fernbedienung in die Mediatheken
Die Fernbedienung lag bereit. Der Hausmeister war so nett und hat eine vollständige für den Telefunken besorgt. Ein leichtes war es über das iPad einen Film zu streamen. Im Apartment gibt es zwar keinen WLAN Empfang, doch mit dem Datenvolumen meines Mobilvertrages funktioniert es gut. Bis einschließlich Freitag ist das Streamen kein Problem. Ab Samstag steht mir das neue Datenvolumen zur Verfügung. Dann werde ich möglicherweise etwas vorsichtiger mit dem Stream sein. Stand heute um 21:35 Uhr habe ich noch ein Datenvolumen von 24,9 GB bis zum Monatsende zur Verfügung. Freitagabend werde ich sehen, wie hoch mein Verbrauch seit heute war.
Meine bessere Hälfte hat sich nach dem Film zum Schlafen hingelegt. Ich werde heute vor 23 Uhr zu Bett gehen. Meinen Tagebucheintrag habe ich fertig gestellt, den Blog werde ich wohl morgen mit dem zweiten Teil des Tages befüllen.
Da ist noch was
Coni hat den Satz: „Du bist nicht Peter.“ nicht mehr wiederholt. Dennoch, ihr Spruch hat sich in mir festgesetzt. War das eine Premiere? Die Pflegedienstleiterin hat unsere besondere Situation, den Ortswechsel, als möglicher Auslöser ins Spiel gebracht. Das würde mich entlasten.
Mir ist klar, dass meine Fragen nach dem woher das kommt, unbeantwortet bleiben müssen.
Kurtag 05
260729
Puh. Was für eine beschissene, zerpflückte Nacht. Ein kleiner Krampf und viel zu häufig auf die Toilette. Den Wecker um 7:07 Uhr habe ich nicht gehört. Doch meine Frau hat mich gegen 6 Uhr gestreichelt. Da war ich wach. Doch sie hat sich noch einmal hingelegt. Ich vermute, dass sie den Wecker wahrgenommen hatte. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich um 7:43 Uhr auf die Watch schaute und erschrocken in den Tag bin. Völlig zu Unrecht, wie es sich herausstellte.
Duschen, Haare waschen und dann ganz entspannt zum Frühstücken ins „Restaurant Kahler Asten“, wie es hier ausgeschildert ist.
Viel zu viel Text
Sie fragte mich bei Tisch nach dem Plan für heute.
Ich: Du besuchst wieder den Landhaustreff und ich werde zu meinen Therapien gehen. Zum Mittagessen hole ich dich ab. Nachmittags bist du noch mal im Landhaustreff. Im Anschluss möchte ich, wenn die Wärme es erlaubt, mit dir wieder raus gehen. Diesmal jedoch ohne Eis. Das heben wir uns für morgen oder übermorgen auf.
Viel zu viel Text, was ich raushaute. Und dennoch. Kein Widerstand. Tief einatmen.
Alte Bekannte
Mein Aufstehen vom Tisch wurde von einer Schwindelattacke gekrönt. Gut, dass ich mich am Stuhl festhalten konnte. Eine Patientin schaute mich mit fragendem Gesicht an. Sie sah wohl, dass ich meine Schwierigkeiten hatte.
Toilette, Zahnpflege und dann entspannt in die Tagespflege. Eine Mitarbeiterin informierte ich von der Situation meiner Frau nach dem Abholen zum Mittagessen. Sie hatte seit Montag immer einen immensen Druck auf der Blase wenn ich sie abholte. Von meiner Vermutung, dass meine bessere Hälfte vormittags nicht zur Toilette gegangen sei, erzählte ich ihr.
Beim Hausmeister, der mir über den Weg lief, bedankte ich mich für seinen Support. Mit der Fernbedienung konnten wir auf die Mediatheken über unseren persönlichen Hotspot zugreifen. WLAN im Gästehaus? Fehlanzeige.
Eine Stunde Zeit, vor meiner ersten QiGong Erfahrung. Zeit, die ich für das Lesen in der SZ-App, den DLF Nachrichten und der TAZ nutzte.
QiGong
Dies habe ich heute früh gebraucht. Entspannung, Zeit für mich den von der zerrissenen Nacht gestressten Körper. Vier Übungen. In Ruhe, auf das Atmen achtend, sanfte Bewegungen. Energie steuern. In mir schlummert seit Jahren eine Skepsis gegenüber spirituell geladenen Formen. Mit den sehr verständlichen Anleitungen der Bewegungstherapeutin, hat es Sinn gemacht. Ohne wenn und aber ließ ich mich darauf ein.
Die Perspektive, dass wir in der kommenden Woche von vier auf acht Elemente und in der dritten Woche ebenso das Repertoire erweitern, freut mich.
Bewegungsmix!
In meinem Kopf wabert es. Wie kann ich das, was ich hier erlerne so sichern, dass ich es zu Hause fortführe? Vermutlich wird es YouTube Videos dazu geben. Ich werde mich umsehen.
Anfänglich hat es mich an die Startsequenz beim Rehasport erinnert. Ball nehmen, seinen Vornamen verraten und jemandem in der Runde den roten Ball zuwerfen. Kennen alle in der Runde. Namen zu hören ist simpel, doch sie über die paar Minuten hinaus abzuspeichern, ist schon eine Herausforderung. Früher habe ich mir etwas von einem Menschen, den ich kennenlernte gemerkt und es mit dem Namen verknüpft. Klappt das noch? Die folgenden beiden Übungen wurde zum Wettkampf und hätten unter der Überschrift „Verstehen sie Spaß“ ihren Platz gefunden. Wir haben soviel gelacht. Humor entspannt. Das ist so und das tut mir so gut.
Zuverlässig
Das DHL Paket mit Conis iPhone ist unversehrt angekommen. Sophia hat es perfekt eingepackt. Jetzt liegt es auf der Ladestation. Heute Nachmittag bekommt es Coni.
Begegnung mit der Pflegedienstleitung
Zehn Minuten nach 12 Uhr hab ich Coni zum Mittagessen abgeholt. Ich traf im Flur auf die Pflegedienstleitung, die den Landhaustreff leitet. Ich bat um ein Einzelgespräch in der dritten Woche. Sie erklärte mir, dass sie in der zweiten Woche sich alle Pflegegrade anschaut um mit den Angehörigen zu sprechen. Wunderbar.
Sie hat meinen Blog angefangen zu lesen und mir ein durchweg positives Feedback gegeben. Somit ist sie die dritte Person in der Einrichtung, die in meinem Block liest.
Wahrgenommen
Die Bewegungspädagogin würde gerne die von mir entworfene Wortwolke als Plakat ausgedruckt in ihrem Bereich aufhängen.

Mal schauen, was sich da machen lässt.
Meine Partnerin hatte nach dem Mittagessen keine Lust, in den Landhaustreff zu gehen. Was erwarte ich? Sie kommt dort klar und alleine möchte ich sie nicht auf dem Zimmer wissen. Ich habe nicht mit mir diskutieren lassen. Sie ist ohne Schubser durch die Tür in den Landhaustreff gegangen.
„Umgang mit Demenz“
Mein nächster Termin: Informationsrunde zum Thema: Umgang mit Demenz. Ein wenig erstaunt war ich doch, dass recht wenige Angehörige mit einem Partner, einer Partnerin mit Demenz in der Kur sind. Die Pflegedienstleitung dozierte und führte durch dieses Angebot. Sehr lebensnah, nicht abgehoben und theoretisch beladen. Mir entspricht eine solche Herangehensweise. So habe ich sehr langsam, von unten nach oben, Verhaltens- und Denkweisen abgelegt und neue erworben. Keinen der wenigen Ratgeber habe ich je zu Ende gelesen. Die Erfahrung in Bad Aibling, wo 21 Menschen mit Alzheimer zugegen waren, hat mir die Augen und mein Denken dafür geöffnet, genau hinzuschauen. Denn alle 21 Menschen waren Unikate mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten, Fähig- und Fertigkeiten und Verlusten an… Dort wurde mir zudem klar, dass der soziale Kontext, die Persönlichkeit mitwirken auf die Dynamik der persönlichen Entwicklung von Alzheimer und das Verhalten der nahestehenden An- und Zugehörigen.
Bitte, das Eingangsbild fotografien zu dürfen, wurde entsprochen. Allerdings darf es nicht veröffentlicht werden. Warum ihr Arbeitgeber dies untersagte, weiß ich nicht. Doch das respektiere ich.
Die Pflegedienstleitung hat sich positiv über meinen Blog geäußert und ihn in der Runde exemplarisch hervorgehoben. Öffentlich zu reden und zu schreiben, stärke den Blick auf Demenz. Was im Verborgenen liegt, hat keine Öffentlichkeit.
Am Ende fehlte Zeit. Ich würde mich freuen, wenn es eine Fortsetzung geben könnte. Dafür setze ich mich ein. Schließlich sind wir alle gemeinsam angereist. Meine Vermutung ist, dass viele, wenn nicht alle, wiederkommen.
Über die 80 Minuten werde ich wohl noch länger nachdenken.
Ich frage mich: Habe ich mich eingerichtet und schaue nicht mehr so genau hin?Nehme ich meine Frau zu vieles ab und verhindere dadurch, dass sie ihre weiterhin vorhandenen Fähig- und Fertigkeiten nicht nutzen kann?
Woran würde ich merken, dass ich überlastet bin? Wie sorge ich für mich?
Zuverlässig
Die Einrichtungsleiterin, Frau Hiob, kam ins Café und bat mich um ein kurzes Gespräch. Sie hatte am heutigen Tag mit dem zuständigen Geschäftsführer ein Gespräch und mit ihm über mein Anliegen gesprochen. Es bestehen seitens der Einrichtung keine Bedenken, wenn ich meine Therapiepläne im Blog veröffentliche. Nur die Namen der Therapeut:innen bitten sie zu schwärzen. Das ist kein Problem und entspricht meiner Haltung. Eine ganz andere Erfahrung als in Bad Aibling. Hier wurde eine Zusage, eine Antwort zu geben, eingehalten.
Frau Hiob hat in meinem Blog gelesen, ein positives Feedback gegeben und gefragt, warum ich den Wecker auf 7:07 Uhr stellen würde. Tja, da kam dann die Läuteordnung für die Evangelische Altstadtkirche in Monheim am Rhein ins Spiel. Ich möchte nicht vor sieben Uhr aufstehen, wenn nicht absolut nötig. Nach 7 Uhr darf der Wecker klingeln. Muss außer mir niemand verstehen.
Spazieren mit Grenzen
Ich hatte Lust mich zu bewegen. Mein Frau war nicht dagegen. Es dauerte eine Zeit, bis wir nach Ende der Tagespflege soweit waren, aufzubrechen. Noch immer war es mit 31 Grad im Schatten, ziemlich heiß. Meine Frau war für Natur und gegen einen Spaziergang ins Städtchen. Wunderbar.

2,46 Kilometer die es in sich hatten. Bis zu meinem Stopp, lief es sich gut. 50 Höhenmeter sind wir nach unten spaziert. Dabei mit dem eigenen iPhone Pflanzen fotografieren zu können, gefiel ihr sehr.

Der unumgängliche zweite Teil, zurück zur Einrichtung, mit dem Anstieg von 50 Höhenmeter hat sie nur schnaufend bewältigt. Gefühlt alle 100 Meter habe ich angehalten und sie ermutigt in die Landschaft zu schauen. Nach der Hälfte war das gemeinsame langsam Luft holen und wieder ausatmen zur Stabilisierung die richtige Maßnahme.
Die zwei Treppen zum Apartment schafft sie noch. Völlig fertig. Durchgeschwitzt bis in die Unterwäsche. Sie möchte sofort zu Bett gehen. „Peter, ich möchte schlafen.“ Jetzt erst mal ins Bad und dann geht’s zum Abendessen. Meine Antwort.
Livemusik
Ihre Erschöpfung hat mit der Zeit abgenommen. Auf dem Weg zum Speisesaal schnappte ich auf, das heute Abend auf dem Marktplatz ein Livekonzert mit Musik der 70er bis 90er… stattfindet.
Nach dem Besuch bei der Nachtschwester, dem fertig machen im Apartment sind wir ins Städtchen. Von „…ich möchte Schlafen“, keine Rede mehr. Keine Viertelstunde vom Haus liegt der Marktplatz. „Groovejet“, eine Partyband stand auf der Bühne. Bis zur ersten Pause haben wir die Musik verfolgt. Statt zu Trinken entschieden wir uns für ein kleines Eis.
Auf dem Rückweg kamen wir wie immer an einem Feldweg vorbei, den ich gerne gehen würde. Sie: Kein Problem. Ich: Was wir runter wandern, müssen wir auch wieder hoch wandern. Sie: Wo ist das Problem? Ist doch einfach.
Mir blieb zwar nicht der Mund offen stehen, mir war mehr nach Lachen zumute. Vor nicht einmal drei Stunden überwand sie nur mit höchster Anstrengung und vielen Atempausen den Höhenunterschied von 50 Metern. Ihre Selbstwahrnehmung kollidiert zunehmend mit der Wirklichkeit.
Kopfschmerzen breiten sich vom Hinterkopf aus ins rechte Auge aus. Gar nicht gut. Sie ähneln dem mir wohl vertrauten Spannungskopfschmerz. 21:40 Uhr schließe ich für heute das iPad. Morgen gehts weiter. Nach dem Hydrojet habe ich bis zum Mittagessen Zeit.
Kurtag 06
260730
Morgengruß
„Ich bin liebevoll zu mir selbst.
Ich bin kraftvoll.
Ich bin gesund.“
Diesen Dreizeiler mit dem dazu gehörenden Armbewegungen habe ich zu meinem täglichen Statement erklärt.
7:07 Uhr. Der erste Teil der vergangenen Nacht war schrecklich. Mein mitgebrachtes Kissen, ich und die Bettgröße passen nicht zusammen. Um kurz nach 2:00 Uhr habe ich mein Kissen aus dem Bett befördert und das Kissen der Einrichtung aus dem Schrank geholt. Klappe besser.
Die Morgentoilette mit Duschen Haare föhnen und eincremen, ging unproblematisch von statten. Mein Vorschlag doch ihr Kleid anzuziehen, fand ihre Zustimmung.
Frühstücken
Das Frühstücken war angenehm. Erst zum Schluss verdunkelte sich ihr Gesichtsausdruck. Der Tischnachbar fragte seine Frau, was jetzt anstehen würde. Sie sagte ihm, dass er gleich in den Landhaustreff gehen würde. Meine Ergänzung, dass er dort meine Frau wieder treffen würde, war wohl der Auslöser für ihre Verstimmung.
Den „Laufzettel“ für die Planung des heutigen Abendessens und des morgigen Frühstücks habe ich digitalisiert. Beim Frühstück besteht die Aufgabe, ihn auszufüllen. Den Speiseplan für die gesamte Dauer der Kur hatten wir Wochen vor Beginn der Kur auszufüllen.

Für meine Partnerin: Müsli, Fruchtjoghurt und Milch. Mit dem Früchtetee und Wasser ist das Frühstück komplett. Stünde Getreidekaffee auf dem Zettel, dann wäre das Frühstück wie zu Hause. Da Früchtetee zu Hause seinen festen Platz hat, ist das völlig in Ordnung.
Meins dagegen sieht nur in Teilen dem ähnlich, was ich zu Hause vorbereite. Drei Wochen ohne den besten Darjeeling Tee – Teekampagne – verkrafte ich. Ich bin mir sicher, spätestens in der dritten Woche kommt die Sehnsucht. Frischkost, Naturjoghurt, ein Körnerbrötchen, Frischkäse, ein Wechsel zwischen Marmelade und Honig. Mal ergänzt um Cornflakes die mit Obst und Naturjoghurt gemixt werden. Damit starte ich. Kaffee steht immer auf dem Tisch. Positiv finde ich, dass so portioniert wird, dass in der Regel nichts übrig bleibt. Beschweren brauchen wir uns nicht.
Im Apartment gab es nach dem Zähneputzen die erwartete Reaktion. “ Ich kann hier alleine sein.“ Ich: Komm wir gehen. Sie ist mitgekommen.
Fascientraining / Theraband
Früh startete ich nach meinem Behandlungsplan mit dem Fascientraining. Bei der Wahl des Therabandes griff ich nach dem Blauen. Eine andere Patientin musste es direkt mit dem Satz: Der ist ehrgeizig.“ kommentieren. Reagieren? Wozu? Sie kommentiert so ziemlich alles. Aus dem Rehasport und von zu Hause weiß ich, dass das blaue Band mehr Widerstand leistet. Das wollte ich. Die Anstrengung der Übungen haben ihren Zweck. Zweimal benötigte ich den Türrahmen um mich abzustützen. Schwindel kam auf. Aus dem Fitnessraum bin ich ins Apartment. Die Vermutung, dass dieses Training einen Muskelkater hinterlassen wird, kam mir beim Treppensteigen. Egal.
Pause
Das Buch: „Miles Davis – Sound eines Lebens“ liegt seit unserer Ankunft auf dem kleinen Tisch. Zwanzig Minuten habe ich. Dann los. Obwohl ich mir einen Timer gestellt hatte, konnte ich nicht stoppen. Panisch bin ich laufend! zu meinem nächsten Termin, der Massage mittels des Hydrojets gesprintet. 1 Minuten später als notiert. Niemand da. Die Bewegungstherapeutin kam ihrerseits angesprintet. Irgendwo draußen ging ihre Bewegungsgruppe. Sie entschuldigte sich für ihre Verspätung. Nach ihrer Einweisung durfte ich die Massage genießen. Es ist schon Jahre her, dass ich den Hydrojet nutzen konnte. Augen zu und spüren. Nicht denken, nur den Wasserstrahlen folgen die vom Nacken bis zu den Fersen die Muskulatur massieren. Absolut entspannend. Ich wünsche mir, dass die meiner Frau dies ebenso zu Gute kommen. Ich werde fragen.
Zurück im Apartment, Zeit zum Denken und Schreiben. Den Blogeintrag für den Mittwoch habe ich überarbeitet und online gestellt. Drei Pflanzenfotos von Coni habe ich zusammengestellt und veröffentlicht.
Ohnmächtig ist sie
Pünktlich hole ich sie zum Mittagessen ab. Sie ist etwas angespannt. Achtung.
Sie sagt, sie sei müde und wolle schlafen. Gegessen hat sie. Recht zügig sind wir hoch ins Apartment. Ihr geht es nicht gut. Oben angekommen verbringt sie eine längere Zeit im Bad. Richtig gedacht, ihre Unpässlichkeit fesselt sie. Kleidungswechsel. Schlafen ist eine gute Idee. Anderthalb Stunden soll sie schlafen. Den Timer in der Watch wird mich informieren, wenn die Zeit zum Wecken gekommen ist.
In diesen Situationen, die es seit nunmehr 7 Jahren gibt, ist sie absolut ausgeliefert. Da ist nichts gekünsteltes, gespieltes oder der verdeckte Versuch, Macht auszuüben. Sie ist ohnmächtig und hilflos.
Wirbelsäulengymnastik / Rückenschule
Warum auch immer, meine Trinkflasche lasse ich auf dem Tisch stehen. Das fällt mir erst im Fitnessraum auf. Zwischen all den Übungen hätte ich gerne zur Wasserflasche gegriffen. Auch wenn die Hitze sich durch den Wind und den ausbleibenden Regen etwas gemildert hat, ist es dennoch heiß. Eine Übung hätte ich gerne gestern Abend gekonnt. Sie kann Spannungskopfschmerzen lindern bzw. löschen.
In mir baut sich eine Liste an ToDos auf. Disziplin und Zeit im AlltagAlzheimer. Ich weiß, warum ich mir an Sylvester nie etwas für das kommende Jahr vornehme. Blödsinn. Doch hoffe ich, dass das ein oder andere sich in meinem Alltag wiederfindet. Warum denke ich nicht darüber nach, an jedem Tag 30 – 45 Minuten für meinen Körper zu reservieren? Zeit, die ich für unterschiedliche Übungen, sei es mit dem Theraband, oder QiGong, die Wirbelsäulengymnastik oder… Für sich betrachtet, sind 30 – 45 Minuten von 24 Stunden nicht übermäßig viel. Mache ich mir darüber Gedanken, wohin ein solcher Block passt?
Geschafft. Die Formalitäten, damit meine Partnerin angemeldet ist für den Hydrojet, sind erledigt. Zwischen 16:30 Uhr und 18 Uhr kann ich sie jetzt für eine Massage anmelden, sofern Termine vorhanden sind. Die Kosten habe ich zu tragen. Gut investierte neun Euro. So sehe ich das. In der kommenden Woche gönne ich mir einen Hydrojet Termin. In der dritten Woche bekomme ich einen verordnet, so mein Kenntnisstand.
Blogen vom gestrigen Tag und mit den Einträgen ins Tagebuch starten. Erst das Tagebuch, dann der Blog.
Pause, um im „Sound eines Lebens“ weiterzulesen. Gut, dass ich die kleine Bluetoothbox mitgenommen habe. Das Album „Tutu“ streamt „Deezer“ auf die Box.
Mitten in Tutu öffnet sich die Schlafzimmertür. Coni steht vollständig bekleidet im Türrahmen. Reset. Vom Zerschlagen sein vor fast drei Stunden ist nichts übrig geblieben. Super. Ihren Rucksack hatte ich aus der Tagespflege abgeholt und die Malsachen auf dem zweiten Tisch abgelegt. Sie sucht, findet ein Motiv und startet mit dem Malen. Ich muss zwischendurch einfach aufstehen und zum Groove von Miles Davis tanzen. Conis Füße wippen zwischenzeitlich mit. Erinnerungen an die beiden Konzerte mit Miles Davis und Band, Mitte der 1980er Jahre in Leverkusen, vertrömen ein gutes Gefühl. Mich interessierte damals und heute die Diskussionen, ob das noch Jazz sei, nicht die Bohne. Es ist Musik. Musik, die mich erreicht. Nach „Tutu“ folgt „Amandla“. Zeitweise war das Stück „Amandla“ ihr Lieblingsstück.
Indirekt hat diese Kur eine Blockade in mir gelöst. Seit dem schon Monate zurück liegenden 100. Geburtstag von Miles Davis hatte ich mir vorgenommen, Musik von ihm aufzulegen. Sehe ich von zwei Konzerten ab, habe ich über Monate keine Musik gehört. Jeder Vorsatz ging unter. Weder eine Silberscheibe noch eine Vinyl wurden vom Laser oder dem Tonarm abgetastet. Geschafft habe ich es nie. Jetzt gelingt es mir. Herrlich.
Draußen weht ein kräftiger Wind. Der Starkregen wird wohl ausbleiben. Viel Wind und zeitweise Regen. Perfekte Mischung. Endlich kann ich das Apartment durchlüften. Regen kühlt die Luft ab. Rein damit.
Ich muss raus. Zu lange herumgesessen. Sicherlich, sportlich war ich auch. Doch es fehlt mir das Laufen. Meine Frau ist bereit dazu.
Nur etwas mehr als hundert Meter entfernt führen Treppenstufen hoch zum Jüdischen Friedhof. Mein Ziel. Gerade diese kleinen Friedhöfe zeugen davon, dass es überall im Lande Menschen jüdischen Glaubens gab. Ich denke bei mir, wie wunderbar, dass es einen persönlichen Ort des Gedenkens gibt.

Nach den Grabsteininschriften sind vier Gräber der Familie (?) Winterberger zu erkennen. Ihrem Aussehen nach, vollständig erneuert. Gibt es in Winterberg eine Chronik in der von den „Winterberger“ berichtet wird?
Auf dem weiteren Weg in Richtung Tal zu einem Kreuz, musste ich über die größten jüdischen Friedhöfe nachdenken, die ich mehrfach besuchte. Auschwitz, Birkenau, Treblinka. Im Ghetto Theresienstadt gab es wenigstens einen Friedhof auf dem die Toten bestattet wurden.
Zwanzig Meter Höhenunterschied waren zu überwinden. Heute klappte es besser als gestern. Es gab viel zu entdecken und einiges mit der App Flora Incognita zu bestimmen.

Trotz der zahlreichen Stopps schafften wir es pünktlich zum Abendessen.
Heute Abend haben wir für unsere Verhältnisse recht lange am Tisch gesessen. Unser Tischnachbarn erzählten von seiner Familie und ein wenig über ihre gemeinsame Familie. In einer anderen, leiseren Umgebung, hätte ich mehr verstanden. Doch gegenüber den vergangenen Tagen erwies sich der ausgewählte als der tauglichste. Morgen wechsele ich auf die dritte Variante.
Die Nachtschwester habe ich über die Unsicherheit am Sonntag informiert. Ich kann nicht zusichern, dass wir zwischen 18:30 Uhr und 19 Uhr wieder in der Einrichtung sind. Versuchen werde ich es.
Wir beiden hatten Lust auf was Salziges. Nussmischungen wären gut. Es tröpfelte und angesichts der Uhrzeit entschied ich den Peugeot zu nehmen. Auf dem Weg dorthin rief mein Freund an. Seine Frau und er hatten sich überlegt, uns am Montag zu besuchen. Was für eine gute Idee. Dann verzichten wir auf das Abendessen und werden mit ihnen gemeinsam essen gehen. Sie wollen es entspannt haben und übernachten dafür in Winterberg. Bei ALDI waren wir schnell durch.
Der Plan, zum Tagesabschluss ein Film. Der Stream aus der 3Sat App wurde alle vier bis fünf Minuten abgebrochen. Nachladen vom Server. Die schnell gefundene Alternative: ZDF App einen Film streamen. Wie erhofft, es funktionierte. Die Server scheinen besser angebunden zu sein. Nach nicht einmal zehn Minuten wurde der Film durch den Anruf unserer Tochter gestoppt. Sie hat wohl überlegt, uns noch in Winterberg zu besuchen. Das wäre schön. Mal schauen, wie es sich realisieren lässt.
Unser Telefonat wäre sicherlich länger gewesen, hätte mir die Mutter unserer Tochter nicht zugeflüstert, dass sie müde sei und ins Bett wolle. Ihre kraftlos vorgetragenen Worte, die Körperhaltung und ihr Gesicht stützten ihren Wunsch. Unsere Tochter hatte Verständnis und wir verabschiedeten uns.
Gemeinsam haben wir all dass, was vor dem Schlafengehen nötig ist geschafft. Im Bett liegend hat sie vielleicht drei Minuten gebraucht um einzuschlafen.
„Ich bin gespannt, was unsere Tochter erzählt.“ Ich: Was? Sie: „Wie das mit dem Fliegen war.“ Dieser Dialog entspann sich heute früh zwischen uns.
Auf den morgigen Tagesbeginn bin ich sehr gespannt.
Kurtag 07
260731
Du lieferst mich ja nur ab
Diese Eskalation hat mich heute früh an meine Grenze gebracht. Nicht dieser Satz, der kam erst nach einer Viertelstunde unter Tränen. Stress. Unter Druck gesetzt fühlte ich mich. Gleich habe ich Therapie. Ich scheiterte an dieser Mauer, wurde hart in meinen Worten, baute meinerseits Druck auf. Von Empathie keine Spur bei mir. Ein beschissenes Gefühl.
Um meine Wut, diese Energie, los zu werden, schlug ich mit der Faust in den Türrahmen. Nicht schmerzfrei, doch gut für mich. In mir braute sich die Erkenntnis zusammen, dass ich ohnmächtig gegen dieses Nein sein werde. Minute für Minute verstrich. Vor meinem inneren Auge sah ich mich bei der Leiterin des Kursangebots stehen und absagen, was meine Wut nährte. Immerhin stand sie nach einer gefühlten Ewigkeit auf.
Bevor sie dann doch mit mir ging, offenbarte sie mir, dass sie sich abgeschoben fühlt. Immerhin, eine Reaktion.
Jetzt, beim Schreiben, mit dem Abstand von mehr als einer Stunde und 3 Kilometer Nordic Walking, kann ich klarer sehen. Doch unter diesem selbst gemachten Druck rutschten mir die Sätze raus: „Ich reiße mir jeden Tag den Arsch für dich auf. Ich habe dich nie abgeschoben und habe es nicht vor. Das hatten wir zu Hause so oft besprochen. Du hast dein Programm. Ich habe mein Programm. So wie in Bad Aibling, als Du dort in der Reha warst.“
Was für einen Mist habe ich da losgelassen? Was davon soll denn bei ihr angekommen sein?
Der Mitarbeiterin in der Tagespflege habe ich nur einen Daumen nach unten gezeigt. Das hat mehr als Worte ausgedrückt. Sie sah, dass meine Frau geweint hatte und kümmerte sich um sie.
Was mich betrifft, ich habe keine guten Gedanken über mich. Peter, das passt ja wunderbar zum Morgengruß. Zur Erinnerung:
„Ich bin liebevoll zu mir selbst.
Ich bin kraftvoll.
Ich bin gesund.“
Wie toll.
Nordic Walking
Die Bewegungspädagogin habe ich vor meiner angespannten und schlechten Laune gewarnt. Zu Beginn stand ich abseits. Mir war nicht nach Smaltalk. Erst während des Gehens kam ich mit einer Teilnehmerin ins Gespräch. Wir hatten ein ähnliches Tempo. Hätten meine ehemaligen Kolleginnen und einige Freund:innen mich sehen können, sie hätten sich in ihrer Einschätzung, Peter, du rennst, du bist viel zu schnell, bestätigt gesehen. Das Laufen tat mir einfach gut. Gerne wäre ich länger unterwegs gewesen. Für den Start sind wohl 3 Kilometer ausreichend, wird sich die Bewegungspädagogin gedacht haben.
Mich wunderte, dass ich keine Atemnot bekam. Vielleicht, weil ich kurz vorher meine morgendliche Dosis Foster eingeatmet hatte.
Wider erwarten hat mir Nordic Walking gefallen. Zum einen, wir liefen draußen, zum anderen konnte ich mein Tempo gehen, die Landschaft mag ich. Mit der Technik der Stockführung bin ich noch nicht so sicher. Das werde ich noch üben müssen. Vielleicht übernehme ich diese Form des Gehens?
Wärmetherapie
Eine halbe Stunde Pause. Im Nacken – Schulter – Bereich lag eine größere Wärmepackung. Eingepackt, die Augen geschlossen, hatte ich Zeit, die Wärme zu fühlen. Ich mag Wärme, die gezielt an verspannte Körperpartien geleitet wird. Entspannt. Wenn es im Hause noch eine Sauna geben würde, dann wäre ich sicherlich dort häufiger zu Gast. Doch so wie es ist, ist es gut. Mich auf das einzulassen, was mir verordnet wird, ist schon Programm genug.
Das soll raus
So entspannt, wie ich nach der Starterfahrung sein konnte, habe ich mich vors iPad gesetzt und den Text geschrieben. Innerlich habe ich den Kopf geschüttelt und mich nach alternativen Optionen befragt. Es kann und darf nicht so sein, dass ich mich so provozieren lassen. Ihr Nein, war und davon bin ich überzeugt, nicht gegen mich gerichtet. Sie kommt mit der Situation des sich verabschieden nicht klar. Von Lockerheit, keine Spur. Vielleicht eher „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Ist es so, dass sich für sie Tag für Tag ihr erster Kontakt mit der Tagespflege wiederholt?
Es geht anders
Beim Abholen zum Mittagessen war sie nicht verkrampft oder erkennbar wütend auf mich. Sie fasste nach meiner Hand, was sie heute früh kategorisch abgelehnt hatte.
Das Mittagessen funktionierte. Im Apartment ist es fast unglaublich entspannt. „Wie geht’s weiter?“, fragt sie mich. Ich: Wir gehen zusammen raus. Am Landhaustreff verabschieden wir uns. Du bist da und ich geh weiter zur Atemtherapie.
Morgen ist der Landhaustreff geschlossen. Ihre Reaktion: „Gott sei Dank.“ Sonntag ebenso.
Auf einige Gefühle kann ich mich verlassen. Nach dem Mittagessen hatte ich meine liebe Atemnot. Salbutamol hatte ich schnell bei der Hand. Leider formierte sich Druck über meinen Augen. Kopfschmerz willkommen. (K)Eine gute Begleitung für die „Atementspannung!“. Sie streichelt über meinen Rücken. Mehr davon.
Atementspannung!
Die Bewegungstherapeutin hatte sich für meine Wortwolke im Blog begeistert. Sie würde gerne diese Wortwolke Demenz, die ich kreierte, als Plakat aufhängen. Mal schauen, wie das zu realisieren ist.
Im Versuch, mich auf diesen Therapieblock einzustellen, kam mir meine Atemnot von vor nicht einmal einer Dreiviertelstunde dazwischen. Medikamentös und kontrollierter Atmung, habe ich eine Entspannung der Lunge erzielt.
Die Eingangsübung, das Ein- und Ausatmen mit dem öffnen und schließen der linken und rechten Hand sichtbar werden zu lassen, hatte auf mich eine beruhigende Wirkung. Ich werde sie in mein Repertoire von Atemübungen übernehmen. Beruhigend, das passt.
Eine Traumreise leitete die Therapeutin an. Mich darauf einlassen, versuche ich. Doch in mir begann sofort, wie so oft, sich eine Unruhe zu entwickeln. Steuern kann ich das nicht. Die Worte mit den Bildern, den Emotionen erzeugt werden, nicht synchronisieren. Viel zu viele Wörter in kurzer Zeit. Sie spricht nicht zu schnell. Doch die vorgezeichneten Bilder können nicht entstehen. Die folgenden verstellen den Raum. Die musikalische Unterfütterung stößt bei mir auf Widerstand. Das ist seit vielen Jahren der Fall. Anfangs ging ich noch einmal Bruchstücke des Gespräch über die Wortwolke durch. Beim Wort Wiese, wanderte ich zur Begebenheit im Kurpark. Ich war mit mir beschäftigt. Und dennoch, diese halbe Stunden war gut für mich. Eine Zeit, nur für mich.
Buch lesen – Vorsicht
Pause bis zum Abholen von meiner Frau. Texten und Lesen. Beim Lesen Hintergrundmusik hören. Ich lese über Miles Davis und im Hintergrund streame ich seine Musik. Ich muss mir einen Timer stellen, um nicht im Lesen zu versinken. Ein gutes Gefühl, dass ich lange nicht mehr hatte.
Stadtspaziergang
Nach dem Ende der Tagespflege brauchten wir eine kleine organisatorische Pause. Gemütlich sind wir in Richtung Stadtmitte gelaufen. Doch diesmal direkt in Richtung Kurpark. Fotos machen. Der Plan ist, dass wir in der kommenden Woche drei Postkarten verschicken. Jedes der Kartenmotiv ist selbst fotografiert. Unsere Enkel werden die Empfänger:in sein.

Meine Partnerin hatte die Wahl zwischen Kuchen oder Eis. Sie wählte das Eis. Mit Apfelstrudel und eine Kugel Eis, hatte ich sowohl Kuchen wie Eis. Passte gut zusammen. Der bestellte heiße Espresso war heiß. Die Tassentemperatur stimmte. Lecker. Ein Mitsänger aus dem Chor der Menschen mit Demenz, der selbst vor zwei Jahren zur Kur für pflegende Angehörige hier war, rief an und wollte wissen, wie die erste Woche war.
Satt geworden?
Unser Abendessen ist wie all die anderen Abende überschaubar. Heute Anlass nachzufragen, ob alles in Ordnung sei, ob wir noch etwas wollten. Wie aufmerksam. Uns reicht vollkommen, was wir am Morgen für den Abend bestellen. Hungrig sind wir nicht, wenn wir den Speisesaal verlassen.
Farblich sollte es für meine Frau vor dem Film weitergehen. Ihre Zeit für das Malen.
Mein Freund rief an. Ihm war wichtig zu verdeutlichen, dass sie kommen wollten, doch es könne vielleicht etwas dazwischen kommen. Meine Entgegnung. Ich kenne das. Es nennt sich Leben. Alleine ihre Ankündigung, uns besuchen zu wollen, ist toll.
Wir verabredeten, dass wir am Montag miteinander telefonieren. Dann habe ich Kenntnis über den Therapieplan für Montag und Dienstag. Das passt für mich.
Filmabend
Die DVD, „Der Buchspazierer“ lag im Player. Wir hatten ihn bereits im Kino gesehen. Doch war das völlig egal. Meine Frau sah einen neuen Film und ich freute mich, ihn erneut zu sehen. Ich mochte ihn und mag ihn noch immer. Eine Romanze, eine Einladung zu lesen, ein Plädoyer für ein Miteinander über Grenzen hinweg… Kurzweilige anderthalb Stunden.
Auf dem Weg zurück ins Apartment rief eine Freundin an. Mit ihr verabredete ich mich für später.
Energieverbrauch
Meine Partnerin wollte direkt ins Bett fallen. Wie in den Tagen zuvor war sie sichtbar müde. Obwohl der Tageseinstieg mir meine Grenzen aufzeigte, gab ich ihr den Satz: Wir hatten heute einen guten Tag“ zum Einschlafen mit. Sie nickte zustimmend.
Ich beobachte seit geraumer Zeit, dass ihr weniger Ressourcen zur Verfügung stehen. Nicht durchgängig, jedoch überwiegend, sind ihre Energiedepots zwischen 20 und 21 Uhr leer. Ungewöhnlich ist es für mich nicht mehr, wenn sie bereits deutlich vor 20 Uhr sagt: „Ich bin müde, ich gehe schlafen.“ Das versuche ich zu verhindern, möchte ich doch nicht, dass sie noch früher wach wird. Um 7 Uhr reicht mehr. Ich bin auch noch da. Die Zeit zwischen dem zu Bett gehen von ihr und meinem schlafen gehen, ist mir kostbar. Meine Zeit.
Freunde
Das Telefonat mit der Freundin hat recht lang gedauert. Schön von ihr zu hören. Mich freut es sehr, wenn Menschen nach uns fragen, was ja über Mail, SMS, Signal, Threema oder Telefon geschieht.
Vorschau fürs Wochenende
Morgen steht in meinem Plan der Besuch der Atta Höhle in Attendorn auf dem Programm.

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