Dritte Woche – Doppelpunkt oder Punkt

Wandbild Tagespflege

08. – 15. August 2026

Unsere dritte, die letzte Woche meiner „Kur als pflegender Angehörige“ beginnt wie die zweite mit dem „freien“ Wochenende.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Woche für mich strukturiert sein wird. Sonntagabend nach 18:30 Uhr weiß ich mehr.


Kurtage 15-16

Samstag II

260808

Verkrampft, so ist meine Nacht zu überschreiben. Ausgeschlafen sein fühlt sich anders an.

An der Frühstückszeit ändert sich dadurch nichts. So spät wie heute früh, waren wir in den vergangenen zwei Wochen noch nie beim Frühstück.

Hier war Schluss. Umkehren und 22 % Steigung hoch.

Dieser Samstag, war ein entspannter Tag. Jede der Stationen, die wir ansteuerten, hatten ihren Reiz. Ob es um den Kauf einer Cap für meine Frau oder die Umhänge-, Gürteltasche für ein Notfallpack ging, alles lief reibungslos ab.

Erlebnisberg Kappe

Statt mit dem Kappe Express sind wir mit einem Linienbus bis zur Veltins Eis Arena angereist.

Die B236 teilt die Aktivitätenorte in zwei Gruppen. Auf der einen Seite der Erlebnisberg Kappe mit seine für Familien konzipierte Angebotslandschaft, den The Mother Bikepark und die Veltins EisArena mit der Bobbahn. Auf der anderen Seite der Straße der riesige Kletterwald Winterberg, die Biathlon Anlage.

Stille Örtchen

Gute drei Stunden waren wir dort. Ich bat meine Partnerin noch einmal auf die Toilette zu gehen. Eine Behindertentoilette gab es nicht. Um ihr den Weg zu weisen, bin ich mit in den Damenbereich gegangen. Da trafen mich nicht nur irritierte Blicke. Mir war es egal.

Durch eine Tür kann und wollte ich nicht schauen. Als meine Frau in einer Kabine verschwunden und ich das Schleißgeräusch vernommen hatte, bin ich wieder raus. Dort stehend traf ich auf eine Kurpatientin, deren Mann ebenfalls an Alzheimer erkrankt ist.

Kam eine Frau aus dem Toilettengebäude raus, schaute ich in den Waschbereich. Erst als ich sie entdeckte bin ich erneut ins Haus und habe ihr geholfen, sich die Hände zu waschen. Ohne eine Aufforderung und je nach technischer Ausstattung, braucht sie praktische Hilfestellungen. Vor Jahren haben wir in Amsterdam in Museen genderneutrale Toilettenanlagen kennengelernt. Bitte hier einführen.

Mittag und mehr

Eigentlich. Tja. Alleine schon diese Formulierung „eigentlich“, weißt auf Änderungen hin.

Wie kommen wir zurück in die Ortsmitte? Mobil.nrw zeigt eine Wartezeit von über 60 Minuten bis der nächste Linienbus vorbei kommt.
Taxen fand ich keine. Dann mit dem Kappe Express zurück. Wartezeit 20 Minuten. Dass der Schwerbehindertenausweis nichts am Fahrpreis änderte, habe ich mir nach den Erfahrungen auf dem Erlebnisberg, schon gedacht. Zu Fuß und unter der Sonne wollte ich dann doch nicht, hatten meine Frau und ich bereits deutlich über fünf Kilometer hinter uns. Nach kurzer Fahrt stoppte der Express am Marktplatz.

Von hier wäre jetzt noch ein Fußweg von 20 – 25 Minuten erforderlich um das Restaurant Wanderlust zu erreichen.

Meine Fehlentscheidung des Tages war, am Markt in der zum Eiscafé gehörenden Pizzeria zu essen. Die bestellten überbackenen Canneloni und die Nudeln mit Lachs standen innerhalb weniger Minuten auf dem Tisch. Eine ausgetrocknete Canneloni und eine in fettiger Soße schwinden Pasta mit Lachsstückchen, haben uns nicht glücklich gemacht, trotz wissenschaftlicher Studien wonach Pasta glücklich macht.
Der Cappuccino war okay. Eine Kugel Eis auf der Hand musste dann doch sein. Eis schmeckt bei ihnen.

Durch den Kurpark sind wir zurück zum Apartment. Dort angekommen, hatten wir 7,35 Kilometer zurückgelegt. Nicht übel.

Die letzte Nacht hatte mich nicht wirklich entspannt in den Tag geschickt. Eine Stunde schlafen wollte ich. Meine Frau hatte keine Lust sich hinzulegen. Sie wollte malen.

Aktiv am Abend

Die Zeit für‘s Abendessen und die dazu gehörenden Gespräche schätze ich. Sie stehen am Beginn des Tagesabschlusses.

Wir hatten noch Lust mit einem Abendspaziergang den Tag zu beenden. Es lief sich gut. Irgendwann fehlte etwas. Wasser fehlte. Dann laufen wir in die Ortsmitte, setzen uns hin und trinken was.

Eingekehrt sind wir dann ins Buket, einer Bar und Weinshop. Meine Frau wollte gerne einen Rosé trinken. Ich habe mir für meinen Genuss einen Primitivo bestellt.

Schöne Farben, auch im Geschmack

Unser erster Kontakt mit Alkohol seit mehr als die beiden Wochen, die wir schon hier sind.

Um in den Genuss von solch leckeren Tropfen zu kommen, sind wir am Ende doch 4,66 Kilometer spaziert. Alles in allem waren es rund 12 Kilometer, die wir beide gelaufen sind. Sehr beachtlich und schön.

Gut gelaunt ist meine Frau zu Bett gegangen. Mir ging es gut. Ein entspannter, guter Tag. Und doch fehlte zum Schluss noch etwas. Etwas, was mich sehnsüchtig stimmte.


Sonntag II

260809

Meine Frau hat einiges auf der Rückfahrt beschäftigt. 

In Monheim auf der alten Schulstraße: „Warum fahren wir denn nach Monheim. Treffen wir da jemanden?“

Das absolute Gegenteil der vergangenen Nacht. Einmal kurz zur Toilette und dann bis der Sound des Weckers mich erreichte, geschlafen. Ich bin geneigt, ausgeschlafen zu sagen.

Routine prägt das gemeinsame Auftreten im Bad. Zu Hause werde ich das Thema des Umbaus zu einem weitgehend barrierefreien Bades vorantreiben.

Unpässlichkeit

Meine Gedanken kreisten heute früh um das Thema der Unpässlichkeit. Für einen Moment hatte ich die Befürchtung, dass es heute so weit sein könne. Die letzte, klassische Unpässlichkeit  liegt eine Woche zurück. Wann hatten wir zuletzt eine solch angenehm lange Pause? Gerne darf diese Pause noch Tagen, Wochen oder Monate anhalten. Klar, ein frommer Wunsch. Was spricht dagegen?

Auf die präventive Gabe eines Medikamentes verzichtete ich. Statt dessen erweiterte ich das Notfallpack.

Bielefeld

Es ist Sonntag, keine Verpflichtungen des Landhaus Fernblick sind zu erfüllen. Für das Mittag- und Abendessen habe ich uns abgemeldet. Den Termin mit der Nachtschwester habe ich auf dem Schirm. 

Wir fahren nach Bielefeld und besuchen sehr liebe Verwandte.

Quer durch das Sauerland in Richtung Olsberg, Brilon und Bad Wünneberg. In nicht ganz anderthalb Stunden, standen wir vor ihrer Haustür. Ein wunderbarer Tag lag vor uns. 

Ihr Umgang mit meiner Frau ist natürlich, respektvoll und geprägt von unseren gemeinsamen Erfahrungen seit über vierzig Jahren. 

Wenn wir bei ihnen sind, ist meine Frau vom Garten überwältigt.„Ich hätte gerne auch einen so großen Garten.“ Das wäre sicherlich schön, doch in diesem Leben unrealistisch, geht mir durch den Kopf. Wir bleiben in der Wohnung so lange es geht und freuen uns über unseren blühenden Balkon.

Mit ein wenig Wehmut nehme ich zur Kenntnis, dass diejenige, die recht viele Pflanzen und Bäume erkennen und benennen konnte, interessiert nachfragt was das sei. Auf ihr früheres Wissen kann sie nicht mehr zugreifen. Doch sie hat sehr viel Freude an der Natur. 

Sie darf es sich auf einer Liege bequem machen. Wir erzählen viel, meine Frau hört zu. Möchte sie etwas wissen oder erzählen, startet sie. Abschalten kommt für sie nicht infrage. 

Mein Cousin hat mir Mut gemacht, den Umbau der Bades anzugehen. Im Alter des Hauses und der Tatsache, dass wir Fußbodenheizung haben, sieht er keinen Hindernisgrund. Eine barrierefreie Dusche ist realisierbar. Für ihn ist eine klassische Badewanne aus der Zeit gefallen und kann weg. Dem kann ich mich voll und ganz anschließen. Mit unserer Vermieterin werde ich, nachdem ich mir Angebote eingeholt habe, das Gespräch suchen. 

Rückfahrt

Die Rückfahrt nach Winterberg, ein kleines von mir verschuldetes Chaos. Wir sind schon gut 12 Kilometer gefahren als mich ein Anruf erreicht. Ich habe die Tasche meiner Partnerin auf dem Tisch liegen lassen. Da ihr iPhone sich darin befindet, verlassen wir bei nächster Gelegenheit die Autobahn und fahren ein zweites Mal nach Bielefeld. Unterm Strich, eine um 30 Minuten verlängerte Rückfahrt. Was ich bei der Abfahrt ebenso aus dem Blick verloren hatte war meine Trinkflasche. Eine SMS informiert mich, dass sie dort steht. Die stand auf dem Boden bei der Garderobe, fällt mir ein. Nicht tragisch.

Therapieplan

Wortwolke

Drei Minuten vor Ende der Sprechzeit, sind wir im Apartment und ich mache mich auf den Weg zur Nachtschwester. Sie kommt mir schon entgegen. Den Therapieplan hält sie in der Hand. Mit einer gewissen Spannung nehme ich meinen letzten Therapieplan entgegen. 

Vorderseite Therapieplan ab dem 10.08.
Rückseite Therapieplan 12.08. ff

Für mich fehlt ein persönlicher Beratungstermin. Dienstag bei einem Termin mit der Leiterin der Tagespflege, frage ich nach.  

Abendbrot

Meine Partnerin erwartet mich und möchte zum Abendessen gehen. 

Ich: Nein, der Speisesaal ist zu. 

Sie: Wir haben das Abendessen verpasst. Was haben wir denn? 

Ich: Eine Banane, ein gekochtes Ei, Knäckebrot, Nüsse, Saft und Wasser sind vorhanden.

Sie: Nein. 

Ich: Möchtest du Knäckebrot?

Sie: Knäckebrot. Ja. Ich öffne die Verpackung des Knäckebrotes und platziere die beiden Scheiben auf dem Tisch an dem sie malt. Fünf Minuten später.

Sie: Gehen wir jetzt zum Abendbrot. 

Ich: Nein, das ist vorbei. Du wolltest Knäckebrot. 

Sie: Das esse ich nicht.

Ich: Eine Banane, ein gekochtes Ei oder Nüsse?

Sie: Nein. Und malt weiter.

Kurz danach: Was gibt es zum Abendbrot?

Ich: Eine Nussmischung. 

Die Packung gebe ich ihr in die Hand. Sie schaut sie sich an und lässt mich wissen, dass sie das essen möchte. Das Thema wäre erledigt.

Abendstimmung

alen ist die kurze Zeit seit unserer Rückkehr verflogen. Die Zusammenfassung des Finales der Tour de France Femmes schauen wir uns noch gemeinsam an. In ihrer Müdigkeit kann sie sich nicht darauf konzentrieren. Mehrfach fragt sie, ob das Frauen seinen, die da fahren. Ich antworte Ja. Für ihre Frage entschuldigt sie sich.

Das Abendritual, beginnend mit dem Bad, startet. Es ist ihre Zeit, sich ins Bett zu legen. Müde und zufrieden ist sie. Passt heute einfach alles sehr gut zusammen. Gut, meine Schusseligkeit nicht so ganz. Ist nun mal so.

Ich lese noch einmal eine bestimmte Signal Nachricht. Ihre Fragen beschäftigen mich und lassen meinerseits Fragen an mich zu.

Brauche ich ein Fazit dieser Kur? Wozu? Im Laufe der Woche werde ich Abschlussgespräche führen und sicherlich wird von mir erwartet, diese Kur zu bewerten. Habe ich Kriterien? Welche? Wie nachvollziehbar und aussagekräftig sind sie?

Das Quäker Kontinuum kommt mir in den Sinn. Okay, da geht es ums Ja und Nein. Doch das Prinzip, dass Ja nicht immer Ja und Nein nicht immer Nein ist, übertrage ich. Ein Fazit reduziert auf einen Punkt. Was rechts und links, oben und unten dazu gehört, verschwindet im Fazit.
Früher und manchmal auch noch heute stelle ich Fragen und bitte darum, nicht mit drei Buchstaben zu antworten. Damit könne ich nichts anfangen und wüsste genauso viel wie vor der Frage.

Ich werde weiter denken müssen. Das hindert mich nicht, in mein Tagebuch zu schreiben.


Kurtag 17

260810

Zweigeteilt

In der ersten Hälfte eine erneut eine wirklich gute Nacht. Das änderte sich mit dem Toilettengang. Mir gelang es zuerst nicht von der Toilette aufzustehen. Wie zwei Tage zuvor, ein tiefer stechender Schmerz durchfährt meine rechte Körperhälfte im Bereich der Hüfte, unterer Lendenwirbel. Nerv gereizt oder eingeklemmt? Die Beweglichkeit wird durch den brennend stehenden Schmerz nahezu ausgebremst. 

Gut, dass ich heute früh Physiotherapie habe, denke ich. Meine Suche nach den Ibuprofen war nicht von Erfolg. Bücken unmöglich. Im Bett auf dem Rücken liegen, das Wälzen auf die linke Seite und rechte Seite wurde von stechendem Schmerz begleitet. Auf der linken Seite liegend, bin ich wohl eingeschlafen. Wie lange? Keine Ahnung.

Der Wecker nicht zu überhören. Irgendwie langsam aus dem Bett kommen. Schmerzhaft. Mit Hilfe meine Frau, die sich für mich bücken konnte, kam ich an die Ibuprofen 600.  Im Bad habe ich versucht, unter die Dusche zu gehen. Es hat hingehauen. Das Abtrocknen wurde zur Tortur. Für meine Frau kaum zu ertragen, mich so zu erleben. Für sie hatte ich nur meine Worte. Das musste  reichen, um ihr bei der Körperwäsche zu assistieren. Haare waschen war nicht erforderlich. Beim Anziehen ging es weiter. Hilfestellung wollte ich nicht. Doch einige Handgriffe waren blockiert und meine Frau hat sie an meiner Stelle ausgeführt. 

Frühstücken

Zum Frühstücken gehen, habe ich es mit großer Konzentration geschafft. Sitze ich erst einmal still, dann beruhigt sich alles. Die Wirkung der Ibuprofen war noch nicht eingetreten. 

Ein Scheiß Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Erinnerungen an meinen letzten Sturz sind schon da.

 

Leichter Widerstand 

Landhaustreff. Widerstand. Nichts anders habe ich erwartet, doch anders erhofft. Und doch funktionierte es, dass sie mit ging. An der Tür wurde sie gefragt, ob sie mit spazieren gehen wolle. Sie freute sich und sagte spontan zu. Erleichterung bei mir. Ich konnte zur Physiotherapie. An der Rezeption habe ich den gebogenen Haustürschlüssel abgegeben. Gegen Mittag konnte ich den Ersatzschlüssel abholen.

Blockaden lösen

Die Physiotherapeutin hat sich meiner Blockaden angenommen. Sie hat eine Menge erzählt von Akupunktur, von Chakren und anderen Dingen, die ich nicht verstand. Eine große Klangschale stand später auf meinem Rücken.Die Schwingung konnte ich ansatzweise spüren.  

Gestärkt bin ich raus auf den Hof und die Zeit zum Lesen genutzt. 

Änderung nötig

Bis zur folgende Einheit, der Bewegungsmix, war noch Zeit. Im Gespräch mit der Bewegungstherapeutin hat sie mir abgeraten in meiner Verfassung am Bewegungsmix teilzunehmen. Das Risiko sei nicht kalkulierbar.

Da mir der Ersatzschlüssel fehlte und ich nicht auf dem kurzen Weg zum Apartment gelangen konnte, bin ich auf die Terrasse und habe im Schatten sitzend, nahezu eine Dreiviertelstunde gelesen. 

In der Hoffnung, den Ersatzschlüssel bekommen, ging es in Richtung Empfang. Die Hoffnung wurde erfüllt. Keine Tür versperrte mir nun den Weg in Apartment um Tagebuch und im Blog zu schreiben.

Die Beweglichkeit hat sich merklich gesteigert. Ein leichter Schmerz bleibt. Treppen hoch klappt gut. In umgekehrter Richtung schmerzt es im Rücken. Unangenehm.

Mittag

Das Mittagessen, Lasagne, fiel recht überschaubar aus. Nicht schlimm. Ich habe sowieso zugelegt. Zu Hause komme ich nicht umhin, kräftiger auf die Bremse zu treten und die wieder aufgenommenen alten Pfade zu verlassen.

Unser Gespräche am Tisch werden von Tag zu Tag persönlicher und tiefer. Sich gegenseitig Einblicke zu gewähren, hat eine Menge mit Vertrauen zu tun. Wären wir länger hier, würde daraus sicherlich ein Kontakt von Monheim nach Bremen erwachsen.

Mittagspause

Zeit um weiter im Tagebuch zu schreiben, habe ich jetzt. Doch meine Augenlider signalisieren, jetzt ist Zeit für eine Pause. Nichts lesen, nichts schreiben. Entspannen.
Die Nacht war alles andere als leicht und erholsam. Müde bin ich geh zur Ruh, könnte das Motto lauten. Für 75 Minuten lag ich im Bett und schlief. Es hätte länger sein dürfen. 

Eine halbe Stunde vor Schließung der Tagespflege holte ich meine Frau ab um ausreichend Zeit für Einkäufe zu haben. Sie saß im Innenhof uns sah sehr zufrieden aus. Keinerlei Anzeichen von Stress oder Frust. Das mag ich.

Gürtel mit Koppelschließe

Diesen Gürtel muss ich ersetzen. Ihr ist es nicht möglich, den Gürtel zu schließen oder zu öffnen. Den klassischen Gürtel mit Gürtelschnalle und dem beweglichen Dorn, beherrscht sie. Dort, wo wir ihre Hosen kauften, fanden wir einen passenden Gürtel, der ihr gefiel. 

Ach ja. Im Spreewald wurde ich gestochen, dass war nicht anders zu erwarten. Dass ich hier einige hartnäckig juckende Stiche verpasst bekam, ist bemerkenswert. 

Blick nach vorne

Die letzte der drei Wochen läuft. Meine Gedanken kreisen nicht nur um das Packen am Freitag. Bis dahin hoffe ich auf Besserung im Rücken. Wie ich sonst den Koffer die Treppe runter und in den Kofferraum bekomme,  ist mir noch nicht klar. Die andere Frage, die ich in mir klären möchte ist, wie sagen wir angemessen Dankeschön.

In den kommenden Tage beginnen die Reflexionsrunden zu unserem Aufenthalt. Den Anfang macht die Tagespflege, gefolgt von der ärztlichen Abteilung um gebündelt im „Kurabschlussgespräch“ zu münden. Auf welche Fragen und Stichworte soll ich antworten? Mir widerstrebt es, unvorbereitet in solche Situationen zu geraten. Wird es wie im Stehgreiftheater? Möglich, dass diese Momentaufnahmen zufrieden stellen. Mich sicherlich nicht.

Für mich ist klar, dass es am Ende keine einfache Bewertung in drei oder mehr Buchstaben geben kann. Dazu brauche ich Zeit und Abstand. 

Mahlzeit

Abendbrot. Eine kleine Überraschung erwartete mich. Der Mitarbeiter aus dem Küchenteam kam zum Tisch und präsentierte mir ein Weckglas mit Nudelsalat. Auf dem Weckdeckel klebte unser Name. Zwar hatte ich das gestrige Abendessen abgesagt, doch wurde dies offenkundig nicht in eine Liste übertragen. Somit wurde der Nudelsalat kalt gestellt und mir präsentiert. Wie wunderbar.

Abend will es werden

Meine Beweglichkeit wird besser. Ein Grundschmerz ist vorhanden. Bloß nicht die Kontrolle verlieren und zu schnell agieren, höre ich mich sagen. Heute Abend verzichte ich auf den Spaziergang. 

Diese Stiftebox. Sie lädt zum Malen ein. Zeit für mich, den Sonntag im Blog einstellen. 

Irgendwas sitzt ihr quer. Sie ist heute Abend etwas aufgekratzt und schnippisch. Mit einer Tierdoku über Hauskatzen, habe ich sie eingefangen. Sicherlich eine interessante Sendung für unser Tochter und ihren Partner. Die Doku ist vorbei und das Bett nicht fern. Sie ist müde. Während sie die Zähne putzt, greife ich nach Ibuprofen ich für die Nacht. Auf ihre Wirkung hoffe ich. 


Kurtag 18

260811

Nacht-un-ruhe

Das erste Drittel der Nacht, war erträglich. Warum und wann ich wach wurde, kann ich nicht sagen. Die Schlaflosigkeit dauerte an,  wurde durch Unruhe sowie der Unmöglichkeit zu liegen, begleitet. Nach einem fast schon verzweifelten Aufstehen, auf die Toilette gehen und umhertappen, warf mich die Müdigkeit zurück ins Bett. Der Schlaf kam. Für wie lange? Extern aufgezeichnet wurde es nicht, doch mein Körper hat es für mich notiert. Meine Frau hat von all dem nichts mitbekommen. 

Badroutine. Nach dem Duschen hatte ich meine Schwierigkeiten mich zu bewegen. Hinsetzen auf den Duschhocker kein Problem. Doch wieder hoch kommen, das war nicht leicht. Es brauchte Zeit, die Unsicherheit abzulegen. Seit dem wir hier sind, hat sich mein Entschluss endlich unser Bad umbauen zu lassen, gefestigt. 

Abschied naht

Sonniges, frisches Wetter. Bei strahlender Sonne sollen dennoch nur 21 Grad erreicht werden. Eine angenehme Temperatur. 

Auf dem Frühstückstisch liegt zusätzlich zum Bestellformular ein weiteres. Ein Bewertung gilt es abzugeben. Na dann. Zwar habe ich das Formular mit ins Apartment genommen, doch vergaß ich es zu fotografieren nachdem ich es ausgefüllt hatte. Aus meiner Erinnerung: 

> Frühstück und Abendessen: GUT

> Mittagessen Geschmack: GUT bis ZUFRIEDEN

>Mittagessen Angerichtet: GUT

> Was ist wichtig: Die Freundlichkeit der Mitarbeitenden; die Umsicht; die Bereitschaft Lösung zu finden

> Was ich mir wünsche: Dass dieser Bereich nicht ausgecourct wird; Wert auf Betriebsklima gelegt wird; professioneller Kaffeeautomat im Speisesaal

Das waren im Wesentlichen die Bewertungspunkte ich vergeben habe. 

Mit dem Widerstand arbeiten

Widerstand gegen den Besuch der Tagespflege. Ich bin nicht darauf eingegangen. Ab ins Bad, die Zähne putzen war meine Reaktion. Ich hörte wie meine Frau sich ihre Schuhe anzog. Sie kam ins Bad, hat sich die Zähne geputzt und ist noch einmal auf die Toilette gegangen.

Ich habe mein iPad geschnappt, reichte ihr den Rucksack und wir sind raus. An der Tür zum Landhaustreff habe ich Tschüss bis später gesagt. Zügig ging sie rein, wurde direkt angesprochen. Was will ich mehr.

Tagespflege – Reflexionsrunde

Reflexionsrunde zum Aufenthalt des pflegenden Angehörigen in der Tagesbetreuung, der Titel der Veranstaltung. Was für eine Headline. Acht Kurgäste, die Leiterin der Abteilung sowie eine Schülerin um einen Tisch gruppiert. Die Leitung hatte Fragen. Im Wesentlichen waren es drei, die ich für mich notierte. Stichpunkte dienten mir zur Antwort

> Was ich mir wünsche?

Gespräch Einschätzung zur Anpassung des Pflegegrads von 3 auf 4

Eine Dokumentation, die ich mitnehmen kann, in der Besonderheiten aufgenommen sind, die ich mit der Neurologin teilen kann;

> Kämen ich mit meiner Angehörigen noch einmal?

kann ich nicht sagen; jetzt war es in Ordnung; über das Morgen sind keine Aussagen zu treffen;

> Was ist sonst noch wichtig

Kühlschrank auf dem Zimmer (auf einem anderen Bogen)

Fitnessraum – Ventilator

Bett auf 310 ohne Fußende, dass die Füße nicht anstoßen

Aus ihrer Entgegnung den Rückmeldungen gegenüber wurde für mich klar, dass die Leiterin zwischen der Loyalität ihrem Arbeitgeber gegenüber und den fachlichen Anforderungen die sie sieht, sich bewegte. Sie ist Teil des Systems und nicht die Leitung. 

In der ersten Woche hatte die Leiterin deutlich formuliert, dass sie aus der Tagespflege nur dann den Kontakt mit den Angehörigen suchen wird, wenn sie etwas zu klären haben. Sollte es keinen Kontakt geben hieße das, dass alles was erforderlich sei, erledigt werden konnte.

Die Nachfrage wie sich denn der eigene Angehörige in der Tagespflege mit seinen spezifischen Bedarfen wieder gefunden habe und welche Verhaltensmuster er / sie zeigte, wurden beantwortet. Aus dem Fragen entnahm ich, dass die Erwartungshaltung eine andere war. Die Leiterin musste darauf aufmerksam machen, dass ihr weder das Personal noch das Budget für die Erfüllung der Erwartungen zur Verfügung stehen würde.

Für mich war deutlich zu hören, dass sie vereinzelte Erwartungen nicht ablehnen gegenüberstand, doch angesichts des ihr gesetzten Rahmens sie nicht erfüllen könne. Weder das Budget der Pflegekassen noch die Querfinanzierung der Kureinrichtung stellten ausreichende Mittel zur Verfügung, um Abhilfe zu schaffen. 

Manche Erklärungen fielen mir zu langatmig aus und klangen nach einer Rechtfertigung. Aus meinem beruflichen Kontext kannte ich ähnliche Situationen und ein daraus resultierendes Verteidigungsverhalten.

Die letzten drei Angehörigen, zu denen ich zählte, hatten nur noch sehr wenig Zeit, war doch die Stunde bereits überschritten. 

Unerwartete Rückmeldung 

Ich konzentrierte mich darauf, drei Dinge zu benennen. 

> Erstens meine Bitte um ein Gespräch. Inhalt wäre eine fachliche Einschätzung zum Pflegegrad und meiner Frage, ob ich eine Überprüfung beantragen sollte.

> Zweitens, dass ich mich nicht in der Lage sehe, stand heute zu sagen, ob ich noch ein zweites Mal mit meiner Partnerin kommen oder ob ich für die Dauer der Kur sie in eine Kurzzeitpflege geben würde.
> Der dritte Punkt war mir der wichtigere. Nach ihrem Einstieg „Umgang mit Demenz“ in der ersten Woche, nahm ich aus den  Reaktionen der Teilnehmenden mit, dass hier Erwartungen geweckt wurden. Das Mitteilungsbedürfnis der Pflegenden war geweckt nach dieser gelungenen Einführung. Es  folgten Beiträge, Reaktionen der Pflegenden, die sie aufgriff um mit praktischen Verhaltensvorschlägen bereicherte. So wie heute, war die eingeräumte Zeit mit 60 Minuten deutlich zu kurz bemessen. Nicht alle, konnten aus ihrem Alltag und den einhergehenden Konflikten oder Herausforderungen, erzählen. Doch genau das war das Bedürfnis. Hier war jemand in der Lage, mit der Perspektive von außen und der Expertise als Fachfrau, darauf zu reagieren. Perspektivwechsel anzuregen, unerwartetes zu tun oder …

Ich hatte daraufhin die Hausleitung kontaktiert und gebeten, doch eine Fortsetzung ins Auge zu fassen. Die skizzierten beiden Termine in der zweiten und dritten Woche könnten dieses übernehmen, so ihre Reaktion. Dem war natürlich nicht so. Jeder Einheit lag ein anderes Konzept zugrunde. 

Diese auf meinen Beobachtungen basierende Erfahrung habe ich mitgeteilt. Nicht ohne darauf Bezug zu nehmen, dass sie als Angestellte nicht die Entscheiderin sei. Das System würde offensichtlich ein anderes Verständnis dokumentieren. Wieder einmal stoßen, wirtschaftliches Denken und sachgerechte Handhabung aufeinander. Weder die Pflegekassen noch der Träger, können sich an dieser Stelle treffen. Das dem Ganzen politische Entscheidungen zu Grunde liegen, versteht sich von selbst.

Die Leiterin bat mich um ein persönliches Gespräch, da sie an einem neuen Konzept der Gespräche mit den pflegenden Angehörigen arbeite. Das trifft sich insofern gut, als dass ich mir erhoffe, eine Einschätzung ihrerseits zum angemessenen Pflegegrad für meine Partnerin zu bekommen. Abwarten. 

QiGong

Ich wollte am QiGong teilnehmen. Dies zu erlernen um es zu praktizieren, gefällt mir. Die Ruhe in der alles stattfindet. Das Atmen in der Bewegung, der fließende Ablauf der Elemente, das mit Gelassenheit vermittelt, beruhigt mich. Runter kommen. Das ist erstrebenswert. 

Leider war mit dem Stoßen in die Wellen Schluss für mich. Dem Stoßen folgte ein kurzer stechender Schmerz. Mehr davon wollte ich nicht.

Raus bin ich

Der kurze stechende Schmerz im QiGong und die unbedachte Bewegung im Apartment kamen Warnhinweisen gleich. 

Für heute bin ich sowohl für die Atementspannung, wie für das Balancetraining raus. Mit der Bewegungstherapeutin habe ich dies abgesprochen. 

Längere Pause. Zeit um mich um meine Ergänzung zum Blogeintrag von gestern zu kümmern, Gedanken dem Tagebuch zu widmen, das Buch in die Hand zu nehmen und zu lesen. 

Zwischenzeit

Zum Mittagessen nahm ich den Feedbackbogen mit. Die Tischnachbarin kam später. Es gab heute nicht viel Zeit zum Austausch. Sie hatte noch vor zur Apotheke zu gehen und ich wollte den Nachmittag, diese Zwischenzeit bis zum Ende des Landhaustreff mit einem Cappuccino eröffnen. 

Blog und Tagebuch standen zu Beginn auf der Agenda. Nun schoben meine Lider mir ihre Barrieren ins Blickfeld. Erstmals pausierte ich auf dem zu kurzen Sofa. Immerhin für 50 entspannte Minuten. 

Mir ging die Reflexionsrunde nicht aus dem Kopf. Eine Dreiviertelstunde schaute ich sie mir in meinem Kopf an und schrieb nieder, was mir wichtig war. Ich warte gelassen darauf, ob die Leitung auf mich zukommt. Wenn sie es nicht schafft, ist das verständlich. 

Spaziergang mit Idee

Aus der Tagespflege abholen, wurde mir angezeigt. 

Mein Plan, zu dm um Karten ausdrucken, die wir als Dankeschön-Karten verwenden könnten. Zwei Kugeln Eis oder wahlweise ein Stück Kuchen, sollten uns den Spaziergang schmackhaft machen. 

Wie in den vergangenen Tagen sind wir am Kirmesplatz vorbei in die Stadtmitte gegangen. Meine Partnerin fragt wenn wir dort vorbei kommen, wann denn Kirmes sei. Freitag, beginnt sie, ist meine Antwort. In der Vergangenheit waren wir so gut wie nie auf einer Kirmes. Ich bin gespannt. 

Was wohl? Die Wahl fiel auf das Eis. Anders wäre überraschend  gewesen. Im Schatten sitzend, das Treiben rund herum wahrnehmen, ein Eis essen, hat seinen Reiz. Nicht wenige aus der Kureinrichtung waren wie wir mit ihren Angehörigen unterwegs. 

Bei dm entschied ich mich, mangels eines Angebotes, für einen Postkartendruck. Die Qualität des Papieres, hat mir gar nicht zugesagt. Der Druck an sich war in Ordnung. Nur die Qualität des Materials war untauglich für eine Karte. 

Mal schauen, ob ich ein anderes mal dazu komme, in einer anderen Qualität, z. B. durch die Wahl Doppelkartendruck, auszudrucken. Das wäre schöner.

Eine der Karten ist für Freunde bestimmt, die dafür sorgen, dass unsere Pflanzen Wasser bekommen.

Ja zur Bewegung

Wenn ich auf einer waagerechten Ebene gehe, meldet sich mein  rechte Seite nicht. Auf Unebenheiten schon eher. Spazieren gehen ist in Ordnung, finde ich. Die Erfahrung bestärkt mich, morgen beim Nordic Walking dabei zu sein. Der Rest wird sich zeigen.

Bad Perspektive

Rechtzeitig zum Abendbrot waren wir wieder in der Einrichtung. Unsere Tischkonstellation gefällt mir. Ich erzählte von meinem Plan, das Bad umbauen zu wollen. Sie erzählt, dass sie als Mieter dies vor kurzem gemacht haben. Von ihnen kam der Impuls. Die Hausverwaltung hat eine Firma beauftragt, die bereits mit ihnen arbeitet. Die Mieter wurden einbezogen. Die finanzielle Einigung fand ich sehr fair. Ob dieses Modell für uns tauglich ist, durchdenke ich noch.

Auf den Abendspaziergang verzichteten wir erneut. Dafür klingelte das iPhone. Unsere Tochter am anderen Ende. Fast 1:48 Stunden haben wir miteinander geredet. Ihr Partner und sie hatten sich heute eine neue Wohnung angeschaut. Ich bin gespannt, ob sie dorthin ziehen dürfen. 

Sie erzählte von ihrer Brillensuche. Ich erwähnte nebenbei, dass ich mich bald an den Anblick eines neuen Brillengestells gewöhnen müsste. „Du bekommst am Montag eine neue Brille.“ Meine Frau: „Warum erzählst du mir das erst jetzt?“
Warum erzähle ich das erst jetzt? Vor fünf Wochen hatten sie ein  Brillengestell mit unserer Tochter ausgesucht. Eine Woche später war die Brille in Auftrag gegeben. Nun liegt sie zur Abholung bereit.  Am Sonntag wird es ebenso eine neue Information für sie sein. Spielt das eine Rolle?

Meine Frau zu Bett ging, hat sie mir noch die schmerzende Region eingecremt. Ibuprofen 600 habe ich zudem eingenommen.

Rückblick nach vorne

So langsam steigert sich der Anteil, der sich mit dem Packen und dem Abschied von hier befasst. Donnerstagabend starte ich mit dem Packen. Freitag geht der große gefüllte Koffer begleitet von zahlreichen Taschen in den Kofferraum des Peugeot. Den kleinen Rest nehmen wir am Samstag mit. 

Die Reflexionsrunde am Morgen hat das Abschied nehmen eingeleitet. Vieles gibt es nur noch einmal. Rückblickend hat es so gut wie nichts gegeben, was mehr als dreimal im Therapieplan angeboten wurde. 

Meine Entscheidung, dass ich auf Erwartungen hinsichtlich der Kur, verzichtet habe, trifft auf das Bedürfnis der Einrichtung ein Feedback zu bekommen.  Ich bin gespannt. 


Kurtag 19

260812

Moin

Erst Doppelkrampf, dann stechender Schmerz und nicht wissen, wie liegen, sind keine guten Voraussetzungen für einen erholsamen Schlaf. Vor 7 Uhr bin ich wieder wach. Erst einmal unter die anfänglich kalte Dusche. 

Meine Frau kommt hinzu, die ich dabei unterstütze, sich zu duschen. 

Der Wurm ist drin, sagt man doch, oder? Alles wird zu einem Willensakt. Bedächtige Bewegungsabläufe helfen mir, recht schmerzfrei zu agieren. Letztlich klappt alles. Mehr oder weniger. 

Tablette stellen, die Gläser mit Wasser füllen und anreichen. Funktioniert. Erleichterung verströmt sich in mir. 

Frühstücks Wirrwarr

Wie kann ich morgens meine Frau verwirren? Ganz einfach. Stelle ihr ein Weckglas mit Müsli auf den Teller, platziere den Becher Joghurt daneben und gebe ihr einen Teelöffel in die Hand. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte. Wenn dann doch der Joghurt umgefüllt ist und ich Frischmilch anschütte, damit sie dies alles vermischen kann und danach ihr den zweiten Joghurt reiche, ist es aus. Den in das ausreichend dimensionierte Weckglas zu kippen funktioniert gar nicht. Den Joghurt öffnen und den Teelöffel zum Essen benutzen. Klappt auch so. Die Müslimischung schmeckt ihr. Den dazu gereichten Früchtetee, mag sie. Was will ich denn mehr?

Start frei

Zurück auf dem Zimmer werde ich nach meinen Plänen für heute befragt. Ich habe gleich Nordic Walking. Auf dem Weg bringe ich dich zur Gruppe. Sie: „Ich möchte aber malen.“ Ich: „Gut, wenn wir unten sind, sage ich das direkt.“ Sie ging mit. Um sie und mich zu entspannen bat ich sie, meinen unteren Rücken etwas zu massieren. Mir tat es gut. Meine Partnerin kam auf andere Gedanken. In der Gruppe äußerte ich, dass sie gerne malen würde. Kein Problem. Ihr wurde gezeigt, wo sie malen könne. Ich half ihr die Malsachen aus dem Rucksack zu nehmen. Zufrieden war sie. Das Verabschieden klappte. 

Nordic Walking

Kurz vor Schluss war ich bei der Bewegungstherapeutin. Sie passte mir die Stöcke an. Über mein Befinden informierte ich sie. Sollte ich nicht mehr können, würde ich Bescheid sagen und langsam zurück gehen, tat ich kund. 

Als letzter gestartet überholte ich nach und nach die Kleingruppen, die sich gebildet hatten. Ich ging mein Tempo. Das erschien mir das Beste. Durch die anderen Touren hatte ich eine Idee, wo zu stoppten sei. Zu meiner Freude ging es nicht über den Feldweg hoch. Das hätte mir Schwierigkeiten bereitet. Geradeaus. Und doch bin ich kurze Zeit später auf den Asphaltrand getreten und leicht weg geknickt. Das war nicht gut. Der Schmerz nahm zu. Ignorieren und  weiter gehen, kam mir leichtsinnig vor. Lieber langsam, mit Pausen, zurück zum Haus. Ich informierte sie. Sie bot an, mich abholen zu lassen, was ich ablehnte.
Langsam in meinem angepassten Tempo zurück. Genauso machte ich es. 53 Minuten war ich seit dem Start am Haus unterwegs. Die Gruppe hatte nur wenig länger für die gesamte Runde gebraucht. Immerhin standen 3,5 Kilometer in der „Training“ App auf der Watch. 

Für den Vormittags bat ich um Verständnis, dass ich das „Fit mit Schwung“ ausfallen lassen würde. Ein wenig ärgert es mich schon, dass ich diese mich aktivierenden und gut tuenden Angebote links liegen lassen muss. 

Die Bewegungspädagogin hatte sich noch einmal den Therapieplan  angeschaut und nach einem Slot für eine Physio gesucht. Doch da war nichts zu machen. Ist dann so. 

 

Anregender Austausch

Die Leitung der Tagespflege kam vorbei. Sie wollte, wie angemeldet, gerne mit mir sprechen. Inhaltlich ging es um meine Wahrnehmung und meine Anregung, die ich in der Reflexionsrunde eingebracht hatte. Ihr Interesse sei, an ihrer Konzeption zu arbeiten.

Eine leitende Frage hatte ich: Welches Ziel verfolgen sie mit der Informationsrunde „Umgang mit Demenz?
Eine sehr breit angelegte Antwort nahm ich zur Kenntnis. Wie schon bei der Informationsveranstaltung hatte sie Praxisbeispiele eingebaut. Darum ging es mir nicht. Sie hat die Fachkompetenz und die Gabe eine theoretische Konstruktion zu beleben in dem sie Praxisbeispiele aus der Arbeit im Landhaustreff platziert. Ihr ist es gegeben, Perspektivwechsel zu zeigen um Handlungsoptionen zu verdeutlichen.  Dieses Instrumentarium zu Gunsten der pflegenden Angehörigen zu nutzen, setzt sie um. 

Mein Ansatz war ein anderer. Das Zeitmanagement der Informationsveranstaltung zu überdenken, regte ich an. Wenn der Input 20 Minuten braucht, könnten 30 Minuten für den Austausch mit den Angehörigen zur Verfügung stehen. Ich hatte es so erlebt, dass sie ermutigt, sich mit der eigenen Geschichte einzuklinken. Dies bezeichne ich als Doppelpunkt setzen. Es stehen ja drei einstündige Module zur Verfügung. Warum die nicht interaktiv nutzen? In den letzten 10 Minuten wäre eine kurze Zusammenfassung möglich, die Ausgangspunkt für die Folgeveranstaltung in der darauf folgenden Woche sein könnten. 

Wir haben uns über eine Stunde ausgetauscht. Mit großem Interesse habe ich zugehört, was sie aus ihrer Arbeit und der Haltung mit der sie es tut, erzählt hat. Meine Anregung, dass ganz zu Beginn in der Runde mit der Leitung des Hauses, darüber gesprochen wird, mit welcher Haltung man den Begleitpersonen gegenüber tritt, hat sie gehört. Erst im Anschluss würde ich die Angebotspalette im Landhaustreff vorstellen.

Rhythmisches Trommeln

Nahtlos vom Esstisch in den Fitnessraum. Die Ausstattung:

Eine große Tonne, ein großer Ball für die Tonne und Drumsticks für die Hände.

„We will rock you“, „The Lion sleeps tonight“ und „Tequilla“ standen auf unserer Playlist. Es hat Spaß gemacht und mir wieder einmal gezeigt, dass ich nicht durchgängig einen Rhythmus halten kann. Dass ich die Elemente mit den Füßen nicht mitmachen konnte, war okay. Spaß hatte ich.

Pause

Noch hatte ich genügend Zeit, um mich auf das Sofa zu legen. Ich stelle fest, dass mein linkes Auge sich früher abmeldet. Das Augenlid sinkt. Anders das rechte Auge. Dies offen zu halten, gelingt mir. Schräg ist es. Links startet die Müdigkeit durch. Rechts versucht dagegen zu halten. 

Eine Stunde Entspannung mit Augenpflege, habe ich mir gegönnt. 

Zu Hause sollte ich es wo möglich, beibehalten. 

Bunter Nachmittag

Meine bessere Hälfte saß im Innenhof des Landhaustreffs. Zufrieden und entspannt sah sie aus. Mit dieser Haltung begrüßte sie mich. Gerne würde sie mit mir spazieren gehen. Mein Plan, erst einmal zur Bank, vielleicht ein Eis oder Kuchen zu spendieren und gegen Ende erneut zu dm. Gedruckte „Klappkarten“ statt „Doppelkarten“ sollte es sein. Über eine Stunde waren wir unterwegs. 

Ich beobachte, dass wenn wir im Apartment ankommen, meine Frau sich auf das Sofa setzt, die Stiftebox öffnet und zu malen beginnt. Nach unserem Spaziergang habe ich sie nach der Medikamentengabe um 18 Uhr eingeladen mit mir zum Abendessen zu gehen. Sie legt die Stifte zurück in die Dose, klappt das Buch zu und erst dann stand sie auf. 

Tagesabschluss

Nach dem Abendessen hat sie sich wieder an den Tisch gesetzt, die Box geöffnet und gemalt. Wenn es ihr reicht, wie heute, räumt sie sorgfältig alles weg und bleibt einfach auf dem Sofa sitzen. Das löst bei mir fast immer das Gefühl aus, sie beschäftigen zu müssen. 

Diesmal hatte ich die Frage, ob wir einen Film anschauen sollen. Ihr „Ja“ hörte ich klar und vernahm einem Halbsatz der nach „davon gehe ich aus“ klang. Ganz verstanden hatte ich ihn nicht.

„Kleine schmutzige Briefe“ (ARD Mediathek) sahen wir. Nicht schlecht. 

Danach war es gut. Das Bett ruft. Dabei ging es ein wenig konfus zu. Es begann mit dem zweiten Ohrring, den sie suchte. Vor ihr lag der eine. Sie kam nicht auf die Idee, dass der andere noch am Ohr hing. 

Vor dem Waschbecken stehend, die Zahnkpasta und die Zahnbürste vor sich, nahm sie die Zahnpasta in die Hand und schaute mich leicht verzweifelt an. Wortlos zeigte ich auf ihre Zahnbürste. Die Zahnpasta ging zurück und die Zahnbürste in die Hand nehmen und dann? Jetzt war es an mir, ihr die Tube mit der Zahncreme zu zeigen. Links die Zahnbürste in der Hand, rechts die Zahncreme. Und nun? Der Knoten platze. „Die muss ich noch nass machen“ und hielt die Zahnbürste unters Wasser. Tube aufschrauben und satt Zahncreme auftragen. Für wenige Sekunden war sie  verwundert, dass die Bürste nicht startete. Ihr fiel ein, ich muss auf den Knopf drücken. Perfekt.

„Ich hab nur noch 10 Prozent“, kam es aus dem Schlafzimmer. Sie wiederholte sich. „Ich lege deine Uhr an und der Akku wird sich heute Nacht füllen“, war mein Angebot. Wie jeden Abend, war sie einverstanden.
Nachdem wir wieder zurück sind, muss ich mich um den Akku der Watch kümmern. Er hält nur noch für maximal 12 Stunden Energie bereit. 

Im Bett liegend, schloss sie ihre Augen. „Wir hatten einen guten Tag“, sagte ich. „Morgen der Tag wird auch gut werden“. Sie nickte nur noch. Ein Gute-Nacht-Kuss und sie drehte sich zur Seite um zu schlafen.

Für mich Zeit

Zeit für Medikamente, Zähne putzen, Tagebuch, Blog, Threema mit den Kindern… In unserer Gruppe habe ich von der Einschätzung der Leiterin der Tagespflege und ihres Teams berichtet. Sie sehen den Pflegegrad 3 als stimmig an. Doch schätzen sie die Anerkennung nach 4 für sehr unwahrscheinlich ein. Einer meiner Söhne  ist darüber verwundert, will jedoch nicht ausschließen, dass die Praktiker es richtig einschätzen. Der MD ist meiner Erfahrung nach unberechenbar. Kommt jemand mit dem Hintergrund und der Expertise für Demenzerkrankungen zum Einsatz, ist die Einschätzung eine andere als bei jemandem mit einem anderen Background.

Nach Monaten der Untätigkeit gelang es mir endlich einen Termin in der Urologischen Praxis für die Krebsvorsorge zu vereinbaren. Ich sollte mir auf die Schulter klopfen. Praktische Selbstfürsorge.

Heute Abend hätte ich mir zu Hause einen Scotch von Islay.

Wortwolke

Ausgehend von Gesprächen mit der Leitung der Physiotherapie habe ich mir meine vor vielen Jahren erstellten Wortwolke angeschaut. Eine Menge an Erfahrungen sind hinzugekommen. Einen ersten Entwurf habe ich dann erstellt auf der Webseite.

Entwurf Wortwolke Demenz 2026
Entwurf Wortwolke Demenz 2026

Kurtag 20

260813

Wenn die Nacht vom Schmerz begleitet wird, fehlt die Entspannung. Ich bin bereits im Bad. Meine Frau kommt   „Haare waschen?“ frage ich. Keine Reaktion. „Schau doch mal in den Spiegel.“ Tut sie. „Du heilige Lotte, wie seh ich denn aus?“ entfährt es ihr. Sie bricht in Lachen aus. Minutenlang lacht sie. Nur noch Tränen, die über ihr Gesicht kullern fehlen. Doch noch ein wunderbarer Einstieg in den Tag.

Frühstücken. Die Verwirrung bei der Zubereitung des Müsli bleibt. Zu Hause war es schon einmal so, doch ist dort die alte Sicherheit zurückgekommen. Vermutlich erlebe ich hier das neue Ist-jetzt-so. Gibt schlimmeres. 

Zügig in den Landhaustreff

Den Service mussten wir noch ein wenig ausbremsen. Wir waren noch nicht durch das Bad. Die Gunst der Stunde nutze ich, holte meine Tasche mit dem Therapielaken und den Handtüchern hervor, schloss ihren Rucksack und zog mir Schuhe an. Sie folgte meinem Beispiel und zog ihre bequem zu schließenden Schuhe an. Kurz nach dem Roomservice verließen wir das Apartment. „Noch zwei Tage sind wir hier, dann geht es zurück nach Monheim.“ Sie: „Endlich.“

Heute wird es schwierig mit dem Mittagessen. Sie mag keinen Reis essen. Heute besteht das vegetarische Gericht aus Reis. Mitarbeitende des Teams habe ich gesagt, dass es kein Problem sei, wenn sie nichts davon essen würde. Ich wäre präpariert. 

Begegnung

Mit uns verabschiedete sich ein Paar an der Tür zur Tagespflege voneinander. Er ging wie mit meiner Frau in den Landhaustreff. Mit ihr entspann sich ein sehr intensives Gespräch. Fast zwanzig Jahre älter ist das Paar. Ihre Kinder sind in unserem Alter. Sie hat große Not, weil ihre Kräfte und ihre Mobilität sich immer weiter zurückziehen. Die täglich anfallenden Aufgaben kann sie nur in Teilen erfüllen. Dabei vergisst sie sich selbst. Sie kümmert sich um ihn, doch nicht um sich. Kinder, Enkel und Urenkel leben Stunden entfernt.  Zu weit weg, um alltägliche Hilfestellung zu geben. Der Standpunkt der Kinder ist, geht gemeinsam in eine Pflegeeinrichtung. Das schmerzt sie. Und doch muss der Vorschlag geprüft werden. Mein Eindruck war, sie fühlt sich und ist damit vermutlich allein gelassen. 

Wärmetherapie

Bevor ich zur Anwendung ging, habe ich beim Orthopäden einen Termin gebucht. Der früheste freie Termin war in 4 Wochen. 

Die letzte Anwendung in der Physiotherapie steht in meinem Plan. Jetzt Wärmepacks auf dem Lendenwirbelbereich gelegt zu bekommen, finde ich gut. Für 25 Minuten die Augen schließen und den Gedanken nachhängen.

Dass es mir subjektiv nach der Wärmebehandlung schlechter geht, stand nicht auf meiner Erwartungsliste. Das Gegenteil. Auch heute ist eine zusätzliche Physio nicht möglich. Alles belegt. Schade.

Vorbereitung

Schaue ich auf meinen Planer, ist dies der letzte Tag. Abschlussgespräche dominieren. Gedanken um das wann ich was packe, beschäftigen mit seit Dienstag. Heute wandern die ersten Gepäckstücke in den Kofferraum. Morgen Mittag geht es weiter. Die Wetterprognosen für morgen und Samstag unterscheiden sich nur in der Höhe der Temperatur voneinander. Wenn ich Samstag das Auto starte, sollen zwischen 27 und 29 Grad erreicht sein. Wir könnten in Monheim Glück haben und etwas Regen abbekommen. 30 Grad wird es dennoch heiß werden. Da fällt die Auswahl der Kleidungsstücke leicht. 

Ich beobachte mich und den Automatismus der einsetzt wenn sich etwas dem Ende entgegen bewegt. Wie bei einem geschmierten Zahnrad greifen meine Handlungen ineinander. Es läuft. Beirren kann mich nichts, denn ich lasse es nicht zu. 

Kurabschlussuntersuchung

140 : 80 als Blutdruck, finde ich nicht angemessen.

Das Gespräch mit dem Kurarzt, knüpfte an meine Erfahrung bei der Eingangs- und Zwischenuntersuchung an. Zu Beginn Fragen nach meinem Befinden. Später, ob sich etwas verändert habe und was ich in meinen Alltag aus der Kur mitnehme.

Einfache Antworten sind nicht mein Ding. Dreigeteilt waren meine Antworten. Zum einen bin ich mit meiner Frau hier. Das bewirkt was. Der Start war holprig und mit Widerständen versehen. Seit drei Tagen gehe ich anders damit um und sie kann sich drauf einlassen. Hole ich sie ab, wirkt sie sehr zufrieden. Entspannt für mich. 

Die Reizung meiner Nerven im rechten Lendenbereich und im Becken, schränken mich stark ein. Fast sämtliche Aktivprogramme konnte ich seit Anfang der Woche nicht wahrnehmen. Meine mentale Zufriedenheit wird dadurch nicht gestärkt. 

Ja, ich nehme mit, dass ich zusätzliche Handlungsoptionen kennengelernt und ausprobiert habe. Mir wurde Zeit geschenkt, die ich zum einen für das Lesen und zum anderen für das Denken nutzte. 

Die Entscheidung, den Umbau des Bades voranzutreiben, steht nun. Ebenso, dass ich im Sanitätshaus nach einem geeigneten Duschhocker Ausschau halte und besorge. 

Ob ich einen Antrag auf Überprüfung der Pflegestufe stelle, ist noch offen. Die Tagespflege werde ich einbinden.

Zum Abschied übergab mir der Arzt einen kleinen Zettel, den er für alle Patient:innen ausgedruckt hatte.

„Charlie Brown: Eines Tages werden wir sterben, Snoopy. 

Snoopy: Ja, aber an allen anderen Tagen werden wir leben!“

So gesehen, dann mal los. Gestalten ist möglich. 

Gymnastik ohne mich 

Die Wirbelsäulengymnastik muss für mich ausfallen. Schade. Fast die gesamte Woche habe ich nur zugeschaut und mich nur durch Spaziergänge bewegt. 

Mittagessen

Für diesen Tag hatte ich kein Mittagessen ausgewählt, stellte die Küche fest. Dennoch bekam ich ein Essen bgereicht. Mir fiel auch die Situation zu Hause ein. Das vegetarische Reisgericht würde meine Frau nicht essen. Was wäre die Alternative? Ohne Antwort, habe ich diesen Tag offen gelassen. War dann doch keine Katastrophe.

Kurabschlussgespräch

Die Sozialpädagogin lernte ich heute kennen.Es wiederholen sich die Fragen und meine Antworten. Mal stellt sie der Arzt, mal die Leitung der Tagespflege und nun die Mitarbeiterin, bei der alle Rückmeldungen gebündelt eintreffen. 

Ihr Thema bei mir: Sie sind der Dreh- und Angelpunkt, der Anker für ihre Frau. Wenn sie umfallen, kollabiert das System. Sie sind gefordert, etwas für sie selbst zu tun um möglichst lange zur Verfügung zu stehen. 

Nicht nur einmal fragte sie, was gegen drei Tage in der Tagespflege spreche. Sie war hartnäckig. Noch ist das für mich kein Thema. Die zwei Tage sollen sich stabilisieren. Perspektivisch, kann ich mir das, wie so vieles, durchaus vorstellen. 

Falle ich aus, dann gerät das stabile System meiner Partnerin in eine empfindliche Schieflage, die unsere Kinder längerfristig nicht stabilisieren können. 

Dass meine Kernkompetenz nicht in der Selbstfürsorge liegt, ist mir nicht neu. Sicherlich beschreibt sie eine Wirklichkeit, die ich nicht negiere.

Zum Abschluss reichte sie mir zwei Formulare. Ihre Bitte, sie durchzulesen, auszufüllen und morgen mit den Therapieplänen abzugeben. 

Seite 1 AWO Fragebogen
Seite 2 AWO Fragebogen
Fragebogen Rehaportal

Diese standardisierten Fragebögen, die einen in ein Schema quetschen wollen, sind mir ein Graus. Gleiches gilt für den Fragebogen „Das Rehaportal“. Die Pflegekasse hat Wert darauf gelegt, dass dies keine Reha, sondern eine Kur sei. Zwei nicht vereinbare Formate, so wurde ich belehrt. Und jetzt spielt es  keine Rolle?

Mit den Bögen muss ich die unterzeichneten Therapiepläne abgeben. Sie werden gespeichert und bei Bedarf dem Maßnahmeträger vorgelegt. Ich habe mich entschieden, für die  Bereiche Dankeschön – Karten zu schreiben.

Nach Mittag

Das iPad stand auf dem Tisch. Nichts sprach dagegen, dass was bislang an diesem Tag mich beschäftigt hatte, in die Tasten zu hauen. 

Dadurch habe ich vergessen, eine Pause einzulegen. Erst gegen 15:30 Uhr wurde meine Müdigkeit so mächtig, dass ich mich entschloss,  für 12 Minuten mit geschlossenen Augen auf das Sofa legte.

In der Tagespflege angekommen, sah ich meine Partnerin im Innenhof sitzen. Sie schaute mich an, kam auf mich zu und begrüßt mich mit den Worten: „Ich hab mir so Sorgen um dich gemacht.“ Upps. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Sie wiederholte mehrfach, dass sie sich um mich Sorgen mache. Später im Café erwähnte sie es erneut. Ich erklärte ihr, wenn etwas mit ihr nicht in Ordnung sei, würde man mich informieren. Wenn etwas mit mir nicht in Ordnung wäre, würde die Tagesgruppe informiert und damit auch sie. Das schien sie zu beruhigen.

Die Briefe nach Essen, an die Freiburger, Langenfelder und Benrather sind geschrieben. Meine bessere Hälfte will noch ihre Unterschrift drunter setzen. Ihre Wiese mit Blumen malt sie nicht mehr. Ihren Namen zu schreiben, gelang ihr mit  Unterstützung. Doch was spielt das für eine Rolle? Keine. 

Bitter Lemon kaufen, dem Cafés mit der Eissplittertorte einen Besuch abstatten und wieder zurück ins Landhaus Fernblick. 

Eissplittertorte Café Engemann

Die Sonne war einfach zu heiß. Meine Routenplanung versucht, dich daran zu orientieren, das möglichst viel Schatten auf dem Weg uns schützen würde.

Coni setzte sich, an, den Tisch und fing an zu malen. Obst waschen, Getränke kühlen war mir vorbehalten.

Zeit zum Abendessen

Unsere Tischnachbarin hatte mir mittags ein Video gezeigt, von dem sie glaubt, dass es meiner Frau gefallen würde. Dem konnte ich mich nur anschließen. Wir versuchten eine Mail an mich zu schicken. Fehlgeschlagen. Leider hat das nicht funktioniert warum auch immer. Meine Versuche zwischen dem Android und meinem iPhone eine Verbindung zu herzustellen, gelangt mir nicht. Mal schauen, ob ich morgen eine Lösung habe.

Bereits kurz vor 20:00 Uhr wollte meine bessere Hälfte ins Bett verschwinden. Das hab ich unterbunden, indem ich eine Dokumentation über Wildkatzen auf den Bildschirm streamte. 

Wie so häufig spielte ich mit meinen Ringen und verlor einen. Der klemmte hinter dem Sofa fest. Ich drehte mich ungeschickt um und merkte sofort, dass das nicht gut war. Seitdem schmerzt es deutlich mehr. Ibuprofen 600 hab ich umgehend genommen. Heute Morgen hat der Kurarzt mir erklärt, dass ich ruhig bis zu 2400 mg pro Tag einnehmen dürfte. Vermutlich werde ich, bevor ich zu Bett gehe eine weitere Ibuprofen nehmen. Ich möchte so gerne schlafen. 


Kurtag 21

260814

Mein letzter voller Kurtag im Landhaus Fernblick zu Winterberg. Nein. Ein Fazit werde ich nicht schreiben wollen und können.

Zeitschiene der Vorsorge für pflegende Angehörige

Diese große Tafel bei der Rezeption habe ich erst jetzt zur Kenntnis genommen.

Stimmungswandel

Der Besuch im Landhaustreff wurde mich nach dem Frühstücken mit den Worten: „Die liegen doch sowieso nur alle rum.“ beschrieben.
Oh, das war ihre erste Aussage über den Landhaustreff in den vergangenen drei Wochen. Die Leiterin ist seit Donnerstag nicht im Hause. Damit fällt wohl auch das Spazieren gehen uns, was sie sehr schätzt. Malen, könnte sie in der Tat auch im Apartment. Ich hoffe, dass es am letzten Tag, doch noch etwas aktivierendes gibt, was ihr Spaß bereitet.

Im Haus dreht sich fast alles um den Abschied. Draußen im Garten werden Zusammenfassungen ausgetauscht. Im Foyer staut es sich vor dem Empfang. Der Eigenanteil und die Getränke sind zu bezahlen.

Im Bewegungsangebot vor der Mittagspause verabschiedete sich die Bewegungspädagogin von jedem / jeder mit Händedruck.

Koffer werden in die Autos getragen. Da stehe ich nicht abseits. Die Abwesenheit meiner Frau habe ich genutzt und den ersten Koffer mit Bekleidung gefüllt, die definitiv morgen nicht mehr angezogen werden.

Meine Unterlagen, die ausgefüllten Fragebögen und die gegen gezeichneten Therapiebögen sind deponiert. Der großer Briefumschlag mit unseren Karten für die Teams, lag dabei. Eigentlich könnten wir auch jetzt schon fahren.

Ich packe meinen Koffer…

Dieses Spiel kommt mir in den Sinn. Die realen Koffer und Taschen beherbergen all die Dinge, die wir mitgeschleppt haben. Sie zu füllen, ist schnell erledigt.

Den virtuellen Koffer zu packen, braucht Zeit zum Nachdenken.

Winterberg. Als Freizeitort war die Region eine Entdeckung für uns beide. Meine Frau kann sich vorstellen wieder, gerne im Winter, hierhin zu fahren. Das speichere ich ab.

Landhaus Fernblick. Bei einer Analyse des Hauses und seiner Ausstattung, kämen eine Reihe von Vorschlägen zusammen, die insgesamt die Aufenthaltsqualität verbessern würden. Angefangen bei kleinen Kühlschränken und Kaffeemaschinen im Zimmer, bis hin zur Belüftung des Fitnessraumes oder die technische Ausstattung für ein Kinoerlebnis und…
Vielleicht macht die Einrichtungsleitung einen Schritt auf die Kurgäste oder Patienten zu und befragt sie.

Für mich. Mit sämtlichen Angeboten konnte ich etwas anfangen. Blöd, dass die Nervenreizung mir in die Quere kam. Aus dem Bewegungsbereich möchte ich das Nordic Walking und wenn möglich das QiGong in meinen Alltag integrieren.

Ich habe hier die zeitlichen Optionen für mich genutzt. Dass ich dabei größtenteils alleine war, hat mir gut getan. Es kann schon anstrengend sein, mit mir alleine zu sein. Nein, diesmal nicht. Diese Momente des Luft holen, des Ausspannen oder die Augen im Wissen, dass meine Frau beschäftigt ist, zu schließen, werde ich zu Hause so nicht schaffen können. Denn der von mir als „Geregeltes System“ bezeichnete Umstand, dass ich nur sehr eingeschränkt für Alltagsaufgaben zuständig war, existiert nur hier. Mir wurde geschenkt, aus dem Koffer zu leben. Ich musste sehr wenig für meine Frau und mich an Organisatorischem regeln und dafür Zeit aufwenden. Kein Einkaufen, kein Kochen, kein Putzen, kein Müll entsorgen, Betten beziehen oder…

Schritt in den Alltag


Im vertrauten Rhythmus läuft der Alltag langsam hoch. Am Nachmittag hat der Alltag/Alzheimer mit der Erstellung einer Einkaufsliste begonnen.

Was kommt am Wochenende auf den Tisch? Das braucht eine Antwort. Extern essen, möchte ich nicht. Termine für Montag, Dienstag und Mittwoch wurden verabredet. Möglich, dass wir in der kommenden Woche eine Haushaltshilfe gefunden haben.
Um Arzttermine habe ich nachgesucht und Verabredungen in der Familie getroffen.

Schade. Vor 13 Tagen hatte meine Frau ihre letzte Unpässlichkeit. Ich kann mich an keine Periode ohne ein Ereignis erinnern, die so lange dauerte. Nun ist es geschehen. Verzweiflung packt sich oben auf. Unruhe und nicht zu beantwortende Fragen nach dem Warum, gehören dazu. Mein Versuch, sie mit der Frage nach dem Malen abzulenken, ist vom Erfolg gekrönt. Willkommen im AlltagAlzheimer, sage ich mir.

Koordinationstraining

Der Start in dieses Angebot gelang mit gut. Meine Belastung im Sitzen war völlig in Ordnung. Dass ein Grundschmerz unabhängig von meiner Bewegung existiert, ist nicht ausblenden. Zu meinem Erstaunen blieb es bei diesem Schmerz. Nichts behinderte mein Engagement. Schmunzelnd und doch irritierend musste ich feststellen, dass ich so meine Schwierigkeiten mit mancher Koordinationsaufgabe habe. Mein Gehirn wurde gefordert. Dran bleiben wäre sinnvoll. Wäre. Wenn ich das schon so formuliere, komme ich ins Straucheln. Traue ich mir nicht zu, mich solchen Aufgaben zu stellen?

Fascientraining

Das letzte und schmerzhafteste Angebot in meiner Kur. Nicht der Lendenbereich sondern die Füße wurden so schmerzhaft trainiert, dass ich immer wieder aus den Übungen raus musste.
Ich fühlte mich an manche physiotherapeutischen Behandlungen erinnert, wo ein tiefer Schmerz am Anfang stand, der sich jedoch am Ende vollständig auflöste.

Wie wenig es doch braucht, um meine körperlichen Einschränkungen sichtbar werden zu lassen. Innerlich habe ich über mich selbst geflucht. Mir ist schon klar, dass es niemanden gibt, der alles kann und im Griff hat. Dass Verschleiß sich nun einmal nicht negiert lässt, ist mir nicht entgangen. Und doch…

Die kurze Schwindelattacke habe ich mit einem beherztenGriff an die Stuhllehne überstanden. Zum Schluss des Trainings hatte ich ein sehr gutes Gefühl in meinen Füßen.

Programm Ende

Um 12 Uhr mittags endete mein dreiwöchiges Kurprogramm. Mahlzeiten einnehmen, die Zeit bis zum Ende Landhaustreffs nutzen. Mit Bedacht das Packen fortführen, lesen, Nachdenken und Schreiben. Dafür ist jetzt Zeit.

Beim Mittagessen saß ich heute alleine. Meine Tischnachbarin kam nach dem Ende ihres letzten Angebotes. Da stand ich schon beim Team der Küche, bedankte mich persönlich und sagte Tschüss. Mir wurde ein „vielleicht sehen wir uns ja in zwei Jahren“ mitgegeben.

Unsere Tochter rief an. Sie würde für uns einkaufen gehen, damit ich das nicht noch tun müsse. Wunderbar diese Aufforderung mir finale Gedanken zum Essen am Wochenende zu machen. Die Einkaufsliste schickte ich ihr.

Um 15:30 Uhr verabschiedeten meine Partnerin und ich uns vom Landhaustreff. Vierzehn Tage war sie dort zu Gast. Für sie war es morgens fast immer ein schwieriger Start. Sich aus der ihr vertrauten Sicherheit zu lösen, die an meine Person geknüpft ist um in eine trotz allem fremde Institution zu wechseln, fiel ihr schwer. Um so erstaunlicher, dass sie bis auf einmal beim Abholen mir immer mit guter Dinge und entspannt gegenüber trat.

Zu Hause sind es aktuell zwei Tage an denen sie in die Tagespflege, die wir zu Hause „die Gruppe“ nennen, geht. Ob und wann es dazu kommt, dass ein weiterer Tag hinzu kommt, muss ich heute noch nicht wissen.

Warten auf den Eisbär

Brennende Sonne, sehr warme und stickige Luft in unserem Apartment. Keine Einladung, sich dort aufzuhalten. Hier wäre es angebracht, für eine Klimatisierung zu sorgen. Wäre es mir bekannt gewesen, hätten zwei Ventilatoren ihren Platz im Peugeot gefunden.

Ein Eis sollte her. Freitags stoppt der Eisbär immer vor der Einrichtung. Wir waren nicht die einzigen die Teil einer Wartegemeinschaft wurden. Kaum jemand fehlte. Meine Frau lächelte. Fünf Kugeln Eis für sie, ihre Antwort auf meine offene Frage nach der Anzahl der Eisbällchen. Da mir nur vier Sorten einfielen, gab sie ihr Einverständnis für vier Kugeln.

Ein Spaghetti-Eis ohne durchgedrückte Kugeln, hatte ich vorher nie in der Hand. Immerhin hatte ich die frei Wahl der Soßen. Im schattigen, kühleren Eingangsbereich ließen wir uns das Eis schmecken.

Eigentlich

Eigentlich wollte ich einen Spaziergang machen. Eigentlich. Angesichts der brennenden Sonne ließ ich mein Vorhaben sausen. Es wäre uns nicht gut bekommen. Diese stehende Hitze setzt uns beiden zu. Dann doch lieber Zeit im warmen und stickigen Apartment verbringen. Meine Frau hinderte es nicht, zu malen. Zwanzig Minuten hatte ich, bis wir Tabletten nehmen und zum Abendessen gehen. Ich entschied mich für Augenpflege und legte mich aufs Bett. Vierzig Minuten später, den Timer meiner Uhr habe ich überhört, weckte mich meine Frau. Das Zeitgefühl ist mir wohl abhanden gekommen.

Abendessen. Für sie wieder eine Scheibe Brot, etwas Butter und Käse. Fruchtjoghurt und Früchtetee vervollständigen das Essen. Knäckebrot, Käse, zwei Scheiben Gurken und Tomatenviertel und ein bescheidenes Schälchen Bohnensalat, stehen für mich bereit. Mit grünem Tee runde ich mein letztes Abendessen im Landhaus ab.

Unser Tischgespräch klingt durch das Klappern von Geschirr und den lauten Stimmen einiger Menschen, wie ein einziger Klangbrei. Nur annähernd gelingt es mir halbe Sätze herauszufiltern. Ein weiterer Punkt für die Qualitätsverbesserung: Schall schluckende Elemente im Speisesaal.

Anliegen

Seit dem Anreisetag sitzen wir mir dem Ehepaar an einem Tisch. Nach und nach hat sich ein zugewandtes Miteinander ergeben. Er und meine Frau besuchen den Landhaustreff. Sie und ich treffen immer wieder im Laufe eines Tages zusammen. Beim Mittagessen, wo wir beide alleine am Tisch sitzen, unterhalten wir uns nicht selten über unsere Situation als Partner:in eines zu pflegenden Angehörigen. So unterschiedlich wir an Jahren alt sind, biografisch sehr verschiedene Erfahrungen machen mussten und in verschiedenen Lebenssituationen uns zurechtfinden müssen, teilen wir grundlegende Erfahrungen und Fragen als pflegende Angehörige.

Bevor wir morgen nach Hause fahren, möchte ich von beiden ein Foto machen und ein weiteres mit meiner Liebsten zusammen. Platz in der Fotowand werde ich schaffen. Sie sind einverstanden.

Ihr Vorschlag, in den Blumen-, Kräutergarten zu gehen, ist prima. Was sich in der Abgeschiedenheit des hinteren Gartens möglich ist, erfüllt mich mit Freude. Wir haben uns weit über eine Stunde im Garten ausgetauscht über unsere unterschiedlichen Biografien. Meine Frau mag beide. Für mich der intensivste Abend im Rahmen dieser Kur.

Morgen zum Frühstücken sehen wir uns noch einmal. Sie werden am Sonntag mit einem Taxi nach Hause gefahren.

Nur für eine kurze Zeit widmete sich meine bessere Hälfte dem Malen. Um 21 Uhr wollte sie nur noch ins Bett. Auf zur letzten Übernachtung im Apartment 310.

Zeit zum Nachdenken und schreiben.


Aufenthalt beenden

260815

Nun ist sie Geschichte, die Kur

Worte aus den drei Wochen in einer Wortwolke erfasst
Worte aus den drei Wochen in einer Wortwolke erfasst

Um es vorweg zu sagen. Ich könnte am Abreisetag nicht auf die Frage, ob ein Doppelpunkt oder ein Punkt am Ende der Kur gesetzt wird, antworten. Einige haben sich mit den Worten: „Bis in zwei Jahren“, von mir verabschiedet. Weiß ich, was in zwei Jahren mein / unser Leben bestimmt?

Heute früh bin ich mal wieder vor dem Wecker aufgestanden. Wozu stelle ich mir an Reisetagen den Wecker? 

Alles lief glatt. Was noch zu packen war,  war sehr überschaubar. Den ersten Teil habe ich vor dem Frühstück in den Koffer gelegt. Im Hinterkopf habe ich das Angebot einer Freundin, die morgen in Winterberg sein wird, in der Einrichtung vorbei zu fahren und die Objekte meiner Schusseligkeit einzusammeln. Undenkbar ist das nicht. Früher haben wir zu zweit die Räume und Schränke gescannt. Damals war niemand von uns auf interessante Ablageorte spezialisiert. Das hat sich nun einmal so ergeben.

Bevor wir starten habe ich noch das Titelbild der TAZ vom gestrigen Tag verteilt.

taz Titelblatt 16. August 2026
Screenshot taz Titelblatt vom 16.08.2026

Steht alles drauf. Mit dem Text wird mir direkt der Ohrwurm des Vormittags mitgeliefert.

Finale im Landhaus Fernblick

Zum Frühstück hatte ich noch eine Karte für unsere Tischnachbarn geschrieben. Es war toll, sie ein wenig kennengelernt zu haben. Beide waren die einzigen Personen, die ich etwas besser kennengelernt habe. Mir reichte das. Sie hat die Karte mit dem Motiv das meine kreative Hälfte gestaltet hatte gelesen und ist aufgestanden, nahm sie und mich in den Arm. Ihr Mann, der auf den Rollator angewiesen ist, wollte ebenfalls aufstehen, doch habe ich ihn zurück gehalten, bin in die Hocke gegangen um mit ihm auf einer Höhe zu sein und wir haben kurz gesprochen. 

So wie ich an Reisetagen sehr früh wach bin, stellte sich ein mir vertrautes Symptom der Nervosität ein. Für meine Frau unverständlich. Egal. Auf dem Weg nach Monheim, mit dem Stau waren es 2:45 Stunden, verflüchtigte sich die Nervosität vollständig. 

Rückfahrt

Trotz des einen langen Staus, war es ein entspanntes Fahren. Gute Musik – meine Playlist – luden zum Mitsingen ein. Tanzen ging leider nicht. Und wie immer, der perfekte Sound kommt nicht mehr bei mir an. Die Sekundärgeräusche ob vom Peugeot oder dem Verkehrsgeschehen mischen sich in die Musik. Isst nicht zu ändern. 

Meine Frau hatte anderes, womit sie beschäftigt war.

„Unterwegs:„Hast du was gemietet?“

Ich: Ja, hab ich.

In Monheim auf der alten Schulstraße: „Warum fahren wir denn nach Monheim. Treffen wir da jemanden?“

Ich: Dich und mich treffen wir hier.

Krummstr. 35: „Wohnt hier unsere Tochter?“

Ein direkter Parkplatz vor der Haustür. Das gleicht einem Lottogewinn. 

Nur mit den Kopfkissen und den beiden Rucksäcken ging es hoch in die Wohnung. 

Hier wohnen wir

Wie schon nach der Rückkehr aus dem Spreewald ging es erst einmal darum, sich in der Wohnung zurecht zu finden. Nicht einfach. Im Flur stehend, alle Türen stehen offen, rechts ein Bett zu sehen, links steht ebenso ein Bett. „Wo schlafe ich denn?“ Such dir später was aus. Jetzt gehe ich noch einkaufen. Möchtest du mit? Ja, sie möchte mit. Auf zum Bäcker und zu Aldi. 

Doch zuerst ins Beanlab. Dort gab es eine Hitdorfer Nussecke für sie und mich einen Flat white mit einem Cheesecake. Unser Mittagessensmix.

Gestern hatte unsere Tochter bereits für uns eingekauft. Doch ein paar Produkte fielen mir erst nach dem Studium des Kühl- und Vorratsschrankes auf.

Zurück in der Wohnung. Die Stifte und die Hefte packte ich als erstes aus. Die Malsachen brachte ich zum Ateliertisch und sagte ihr das. Sie steht im Wohnzimmer und schaut mich sehr fragend an. Meine Worte versuche ich mit Handzeichen zu unterstützen. Immerhin geht sie ins Gästezimmer. Dort stehend kann sie den Rest nicht umsetzen. Da sind zwei Tische vorhanden. Erst weitere Hilfestellungen lassen sie ihre Utensilien entdecken. Ich ermuntere sie, nicht ohne Hintergedanken, zu malen. Für 70 Minuten verziehe ich mich aufs Bett, nicht ohne zuvor den Ventilator einzuschalten. Augen zu und schlafen. Das gelingt. Fünf Minuten vor dem Wecken, war ich wach. 

Jetzt war sie müde. Sie wolle schlafen. Für 90 Minuten habe ich sie schlafen lassen. Ich hatte mit mehr Protesten gerechnet. Doch ohne sich zu wehren, ist sie aufgestanden. In der Zwischenzeit habe ich fast alles was nicht ins Schlafzimmer musste weggeräumt. Die Waschmaschine habe ich angeschmissen und mir einen Espresso gegönnt.

Erster Abend

Abendessen: Rote Beete Capriccio mit gehobelter Nektarine, Walnüsse und Feta. Ein aufgeschnittene Brotstange und der „Best Friends“ von „unserem“ Winzer am Main, komplettierten die Mahlzeit um 19 Uhr. Abendbrot essen auf dem Balkon. Sie: „Ich bin müde. Ich gehe jetzt schlafen.“ Ich: Nein. Wir schauen noch einen Film. Damit es nicht zu lange wird, einen weiteren Film zu einer Katze. Heute das Ozelot. 

Im Anschluss gemeinsam die Blumen gießen. In unserer Abwesenheit hat ein Freund täglich die Pflanzen auf unserem Balkon versorgt. Er muss einen grünen Daumen haben. So, wie er es geschafft hat, die Pflanzen zu versorgen, berührt mich. In meinen Gedanken hatte ich bevor wir fuhren, angesichts des Klimas mehrere Pflanzen bereits aufgegeben. Doch er hat sie allesamt durch die heiße Zeit gebracht.  

Nach dem Füllen der Kannen war ihr Tiefpunkt definitiv erreicht. Jetzt war es okay. Noch die Zähne putzen, sich ausziehen und ab ins Bett. 

Zu meinem Erstaunen, war sie nicht mit dem Kopfkissen einverstanden. Was falsch war, habe ich nicht verstanden. Vor zwei Stunden lag ihr Kopf noch drauf. Alles war gut. Mit dem mit Wasser gefüllten Kissen schläft sie völlig zufrieden vielleicht seit acht oder neun Jahren. „Probier es doch einmal aus. Wenn es nicht klappt, dann kann ich dir gerne ein anderes geben. Wir haben noch andere Kissen.“ Die Zusage fand sie gut. 

Durchatmen

Mit einem Glas Silvaner im Strandkorb sitzend, eine Feige meines Feigenbaumes der vor mir steht genießen, den Blick auf die beiden Olivenbäume gerichtet und tief einatmen.

Erst einmal ankommen

Ich rechne damit, dass mir nicht selten die Frage nach dem „Wie war es? oder Hat es was gebracht“, gestellt werden wird. Jetzt weiß ich, dass ich nicht mit den berühmten drei Buchstaben antworten werde. Mit jeder Perspektive ändert sich die Antwort. Schon heute weiß ich, dass ich mehr Fragen als Antworten mitgenommen habe, dass die von mir selbst aufgestellte ToDoListe sehr umfangreich ist und mit Nichten umzusetzen ist. Hier ist wieder AlltagAlzheimer in dem ich gefordert bin zu regeln.

Erst einmal ankommen, Fuß fassen und schauen, was ansteht. In den folgenden Wochen steht für mich an erster Stelle, dass meine Frau an zwei Tagen in der Woche die Tagespflege besucht, ich meinen Rehasport auf einen dieser Wochentage umlege um so mein Teilnahme abzusichern.

23:09 Uhr. Zeit fürs Sprayen und Zähne putzen. Die Augen fallen immer mal wieder zu. Was für ein Luxus blind über die Tastatur gleiten zu können. Nur im Kopf muss der Satz entstehen. Das Tippen läuft ganz von alleine. Blind.

Auf morgen freu ich mich. Da treffen wir unsere Enkel aus Langenfeld und unseren Sohn. Am späten Nachmittag macht unsere Tochter uns die Aufwartung. Wundervolle Perspektiven. Willkommen zu Hause.


260816

Nachschlag

Entgegen meines Körpergefühls habe ich nicht in der Kur zugenommen. Zweifelnd wie ich war, habe ich beide Waagen mit meinem Gewicht belastet. Nö. Kein Kurzuschlag.

Das Thema Kissen ist nicht wieder aufgetaucht. Es ist ihr Kissen. Was ich denn habe?

Das ist der Rhein am Stromkilometer 714. Ansichtssache, oder doch nicht?

Ohne Worte.