Eine gemeinsame Zeit mit einem Teil der Familie 2025
Unsere Kombireise. Am 20. Juli starten wir mit unserer Tochter und unserem Schwiegersohn nach Worpswede. Eine gemeinsame Woche. Zum Abschluss der Woche singen Max Herre und Joy Denalane „Alles Liebe“. Wunderbar. Später, so unser Plan, zu zweit von Worpswede mit unseren e-Bikes nach Monheim am Rhein, wo wir am 4. August unsere Räder wieder abpacken und abstellen wollen. Das ist eine andere Geschichte und davon erzähle ich hier.


Im Gästezimmer sammeln sich die Dinge, die mitgenommen werden müssen. Eine Entscheidung ist schon getroffen. Um auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet zu sein, wird eine unserer Radtaschen zur Materialtasche.
Vor einem halben Jahr habe ich uns zwei „Notfall-Taschen“ anfertigen lassen. Die Idee dazu kam mir als ich mir das Equipment für meine Enkel, die Wickeltaschen, anschaute. Nur einige kleine Anpassungen waren nötig und die Taschen konnten für unsere Anforderungen genäht werden. Die Tasche auf dem Bild hat „Carreau“ nach meinen Vorgaben genäht, die andere nähte mir „NiEmLi“ (Etsy). Immer, wenn wir unser Zuhause verlassen, ist eine der beiden Taschen dabei. Eine sehr lohnende Anschaffung.
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Das Packen nimmt immer mehr Gestalt an. Die Prognosen sagen für die kommende Woche immer mal wieder leichten Regen voraus. Ob sich das stabilisiert, werden wir ja sehen. Die Apps von DWD, Wetter.de und Regenschirm sind sich nicht immer einig. Egal. Wir nehmen das Wetter so wie es kommt.
In der ersten Woche sind wir ja mit Tochter und Schwiegersohn in einem Ferienhaus.
Mit der Radtour starten meine Frau und ich am 27. Juli in Worpswede.
Immer wieder aufs Neue
Meine Partnerin beschäftigt die anstehende Reise immer mal wieder. Aus dem Nichts kommt eine unvollständige Frage, die ich nicht immer sofort dem Thema Reise zuordnen kann.
Ihre Nervosität und Anspannung ist greifbar. Auf das Rad fahren freut sie sich. Mit Tochter und Schwiegersohn zu verreisen, toll. Und doch ist da dieses nicht verstehen können, keinen wirklichen Plan zu haben von dem was kommt, das Gefühl nicht alles dazu sagen und fragen zu können und wann was passiert. Immer wieder aufs Neue ist sie positiv überrascht, dass wir nicht alleine, sondern mit unserer Tochter und ihrem Partner verreisen.
Jeden Abend am Bett versuche ich im Ausblick auf den morgigen Tag, nichts anzukündigen was über das Morgen hinaus weist. Da ist noch nichts von Abfahrt. Dennoch hat sie seit Tagen im Kopf, das morgen die Reise beginnt. Sicherlich vermittelt ihr das Zusammentragen all der Dinge die wir mitnehmen das Gefühl, wir starten gleich. Und gleich meint gleich.
Morgen werden wir dann den Wagen fertig machen und später bepacken. Sonntagfrüh geht es dann los. Zuerst zum Singen im “Chor für Menschen mit Demenz” (Kastanienhof Köln) und von dort dann nach Worpswede.
Endlich. Es geht los
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Reisefieber? Fehlanzeige. Kurz vor sieben Uhr war die Nacht noch vor dem Klingeln des Weckers endgültig zu Ende. Am vorherigen Abend hatten wir bereits die Kleidung für diesen Tag zusammengestellt.
Bad, Frühstücken, Wohnung klar machen… Es war nicht anders zu erwarten, meine Frau wurde unpässlich. Imodium und Ruhe. Nur keine Panik aufkommen lassen.
Singend auf Reisen

Unser Termin: “Chor der Menschen mit Demenz” in Köln, Kastanienhof, lag vor unserer Reise. Im April hatten wir zuletzt die Gelegenheit an der Probe teilzunehmen. Heute hatten wir und nahmen wir die Gelegenheit wahr, zu singen. Die „Goldene Erbse“, die dem Chorprojekt verliehen wurde, hat meine Frau heute weitergereicht. Kurz nach 12 Uhr ging es von Köln in Richtung Düsseldorf – Benrath.
Auf gehts
Unsere Tochter nebst Partner abholen und dann los nach Worpswede.
Mit zwei längere Pausen kamen wir auf 4,5 Stunden Fahrzeit. Ab Münster übernahm meine Tochter das Fahren und ich genoss die Fahrt auf der Rückbank. Wunderbar. Konnte ich doch während der Fahrt die “Tour de France” auf dem leider zu kleinen Bildschirm meines iPhone verfolgen.
Angekommen
Unser Ferienhaus liegt am Rande der Ortschaft und grenzt an Weideland. Von außen betrachtet ist es eine energetische Baustelle. Der vordere Teil ist bereits gedämmt, verputzt und gestrichen. Der Annex noch nicht. Hoffentlich bleibt es uns während der Woche erspart, dass die Handwerker morgens gegen 6 Uhr ihr Tagwerk beginnen.

Großzügig ist das Ferienhaus. Über Airbnb habe ich das Objekt gemietet. Für unsere Belange scheint es zu genügen. Wenn überhaupt ein Fazit, dann erst nach Ende des Aufenthaltes.
Lange Anreise und noch keine Gelegenheit zum Einkaufen. Gut, dass Essen gehen wollen kein Problem darstellt. 2 Kilometer spazierten wir zum Restaurant Worpsweder Bahnhof. Lecker war das, was wir bestellt hatten. Die 2 Kilometer zurück taten uns gut. Gefühlt benötigten wir nur die Hälfte der Zeit.
Meine Frau war sichtlich erschöpft und hat sich ins Bett zurückgezogen. Nichts ging mehr.
Teufelsmoor
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Die erste Nacht im fremden Bett ist für mich immer besonders. Bereits vor 22 Uhr ließen sich meine Augen nicht mehr offen halten. Kein Text für die Webseite, kein Foto ausgesucht oder bearbeitet, keine Zeile im Buch gelesen. Einfach nur müde. Meine Frau schlief bereits.
Bevor wir frühstücken konnten, mussten wir einkaufen. Edeka hatte alles vorrätig, was auf unserer Liste Platz gefunden hatte.
Entspannt frühstückten wir und sind nach 11:30 Uhr aufgebrochen um bei einem örtlichen Verleiher zwei zusätzliche Räder auszuleihen. Mit weiteren Fahrrädern ausgestattet, ging es dann auf unsere “Breites Wasser – Teufelsmoor bei Worpswede Runde”.

Durch das renaturierte Moor auf einem federnden Weg zu gehen, Pflanzen zu beobachten und nach Tieren Ausschau zu halten, hatte was. Bremsen und wie sich später herausstellte, Zecken, haben wir hautnah entdeckt.
Durch unsere Querung des Naturschutzgebietes, mussten wir um das Moor herum radeln.

Montags zu radeln und auf ein geöffnetes Café oder Restaurant angewiesen zu sein, ist keine gute Idee.
Meine Frau hat mir nach dem Durchqueren des Naturschutzgebietes über das Brennen und die Schmerzen am Po berichtet. Es kam und kam kein Café das geöffnet war.
Die beiden, die wir erreichten, hatten Montags ihren Ruhetag. Erst am Ortseingang in Worpswede fanden wir das “Dorfcafé”, das geöffnet hatte.
Hier war es ihr möglich mit Unterstützung ihrer Tochter auf die Toilette zu gehen. Doch es fehlte die passende Salbe. Erst im Ferienhaus konnten wir auf die Intimsalbe zugreifen. Es tut gut zu erleben, das meine Frau diese Unterstützung durch ihre Tochter gut annehmen kann.

Bis auf die letzten beiden Kilometer habe ich gänzlich auf die Unterstützung durch den Motor verzichtet. In Worpswede angekommen, war dann Schluss. Ich brauchte die Hilfe.
Ohne Absicht, sind wir gekonnt eine „8“ geradelt.

34 Kilometer saßen wir auf dem Sattel oder schoben die Fahrräder durch das Naturschutzgebiet Teufelsmoor.
Nach dem Abendessen auf der Terrasse hat meine Partnerin zu mir gesagt: Es ist schön, dass wir alle zusammen sind. Dem ist nichts hinzuzufügen.
Bremerhaven
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Um Bremerhaven zu erreichen, haben wir die RE 8 und 9 genutzt. Sowohl auf der Hin- wie auf der Rückreise war der RE pünktlich. Warum nicht immer so?
Schon bei unserer Entscheidung für Bremerhaven standen wir vor zu vielen Optionen. Die Hafenstadt verfügt über eine Vielzahl an Angeboten, sei es das „Deutsche Schifffahrtsmuseum“, das „Klimahaus“, das „Deutsches Auswandererhaus“, den „Zoo am Meer“ oder die Hafenrundfahrt.
Für zwei entschieden wir uns: Das Klimahaus und die Hafenrundfahrt.

Meine Frau hält ihre Sicht auf die Dinge mit ihrem iPhone fest. Ich bin nicht selten begeistert von diesem Blick. Einfach. Anders.

Klimahaus
Das Klimahaus hält so manche Überraschung bereit. Allein die Vielzahl an Blickwinkeln auf unseren Globus, der mit seiner Vielfalt zu bewahren ist, regt zum Nachdenken über Politik, Wirtschaft und das persönliche Handeln an. Dass dabei die Bedarfe alle Altersbereiche in den Blick genommen werden, passt. Mein Fazit: Ein Tag im Klimahaus reicht bei weitem nicht aus. Irgendwann ist der Speicher voll und nichts passt mehr rein.

Unsere Wartezeit auf die Hafenrundfahrt wurde durch einen länger andauernden kräftigen Regenschauer gefüllt. Auf einer Bank, unter einem großen Schirm sitzend, wurde mir durch den peitschenden Wind der Regen auf meine Regenjacke gedrückt. Das Wasser floss durch die Hose hindurch. Bis auf die Haut war ich nass. Meine vor mir sitzende Frau war geschützt.

Eine kurzweilige Stunde verbrachten wir an Bord des Ausflugbootes und durchquerten verschiedene Hafenteile von Bremerhaven.

Auf meine Frage nach gut essen gehen hat der Kapitän des Rundfahrtschiffes uns den Fischereihafen mit seinen zahlreichen Restaurants empfohlen. Leider habe ich unterschätzt, wie lange sich der Weg dorthin zieht. Meine Partnerin war sehr geschafft und fragte einige Male wo denn unser Auto stehe. Sie wäre gerne eingestiegen. Die Distanz von mehr als 2 Kilometer am Ende eines vollen Tages, war zu viel für sie.
Das erste Restaurant, was wir ansteuerten, das „B‘Haven“ bekam unseren Zuschlag. Die Speisekarte und was auf den Tisch kam, wusste uns vier zu überzeugen. Es hat allen gut geschmeckt.
Den Weg zum Bahnhof haben wir per Bus zurückgelegt. Nach kurzer Wartezeit kam der RE pünktlich an und zwanzig Minuten später waren wir in Osterholz Scharmbeck, wo unser Auto stand.
Dies ist die Zusammenfassung unseres Tagesablaufes. 19,1 Kilometer inklusive Hafenrundfahrt und Bustransfer vom Fischereihafen zum Bahnhof. Mein Tracker hat 9,8 Kilometer zu Fuß oder 12.869 Schritte gezählt.

Dorfspaziergang
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Seit 6 Uhr ist Schlaf nicht mehr möglich. Meine Frau war bereit, aufzustehen. Ich nicht. Ab 7 Uhr wurde abwechselnd mein Gesicht und meine Arme von ihr gestreichelt. Ihre Art mich zu bitten, doch wach zu werden und mit ihr aufzustehen. Mein Hinauszögern half nicht. Gemeinsam sind wir ins Bad. Die große Dusche ist ein Vorteil. Die hätte ich gerne zu Hause.
Ihre Rötung der Haut sind verschwunden. Das Eincremen mit der Intimcreme behalte ich bei. Gleiches gilt für das eincremen ihres Oberkörpers. Sie mag es von mir eingecremt zu werden. Ich mag es sie so zu verwöhnen.
Heute Worpswede bei Regen und kräftigem Wind aber auch mit blauem Himmel, weißen Wolken und Sonne. Dies alles während unseres Kultur-Natur-Spazierganges durch das ehemalige Künstlerdorf. Wir waren ja passend ausgestattet.

Unter „Paula Modersohn-Becker und ihre Weggefährtinnen – Der unteilbare Himmel“ sind insgesamt vier Ausstellungen in verschiedenen Häusern der Künstlerkolonie Worpswede zusammengefasst. In der Worpsweder „Große Kunstschau“ haben wir gemeinsam mit unserem Schwiegersohn uns den Ausstellungsteil „Freiheit Frau“ Zukünftiges schaffen – Zeitgenossinnen damals und heute, angesehen. Besonders war, dass der von Bernhard Hoetger geschaffene „Rotundenbau“ als Ausstellungsfläche genutzt, zu begehen war. Beeindruckende Räume.


Das Selbstbildnis von Paula Modersohn-Becker war ein Statement als Frau und für die Öffentlichkeit ein Skandal.
Das Bild von „Annemil Bauer, Wie Mann Frau sieht, Gloria Diotima, Cassandra, Anna, o.J.“ erschüttert mich. Ist mein Blick auf Frauen wirklich total anders? Möchte ich gerne sage, doch bin ich mir nicht wirklich sicher.
Aber genau das ist es, was ich an Kunst liebe. Sie stellt in Frage, bricht auf, stößt an, irritiert… Ohne diese Auseinandersetzung möchte ich nicht sein.

Im Barkenhoff waren meine Frau und ich dann alleine in den Ausstellungen „Verwandte Seelen – Paula Becker und Clara Westhoff“ sowie die „Sammlungspräsentation im Barkenhoff – Das Leben und Werk des Universalkünstlers Heinrich Vogeler“. Für die letzte Ausstellung hatte sie nicht mehr genug Energie. Sie wollte nach einiger Zeit nur noch nach draußen. War okay für mich.

Mittlerweile gehört zu einem Ausstellungsbesuch eine Art Mangelerscheinung. In der Vergangenheit haben wir uns während und vor allem nach dem Besuch über das was wir gesehen, gedacht oder erkannt haben ausgetauscht. Nicht selten war es lebhaft, weil wir sehr unterschiedliche Perspektiven in uns tragen. Es gab die Zeit, dass wir uns nach dem Besuch erzählten, welches der Kunstwerke wir mit nach Hause nehmen würden, wenn es denn möglich wäre. Nie ist es passiert, dass wir mit einem gemeinsamen nach Hause gegangen wären. Meine Frau hatte immer ihr Kunstwerk. Ich meins. Wunderbar. Ich liebte diesen Unterschied.

Neu ist, das meine Partnerin seit einiger Zeit mich fragt, ob sie dies oder jenes kaufen dürfte. Heute, wie gestern sind es Postkarten. Darf ich? Wie viele? Und sie bedankt sich dafür. Noch spüre ich jedes Mal einen kleinen Stich. So anders, so ungewohnt
Auf unserem Spaziergang mussten wir im Eiscafé einkehren. Beim Eis essen fragte mich meine bessere Hälfte: Wir wollten doch nach Worpswede fahren? Seit Sonntag beschäftigt sie diese Frage. Wann fahren wir nach Worpswede?
Wir kamen recht spät, erst gegen 18 Uhr wieder zum Ferienhaus. Vieles war bereits vorbereitet.
Draußen auf der Terrasse haben wir zu Abend gegessen. Ich hätte keinen Wein trinken sollen. Zunehmend wurde mir mulmiger und Kopfschmerzen, die sich über den Tag eingestellt hatten, schnellten in ihrer Intensität nach oben. Das Licht tat mit nicht gut. Ohne ein Wort zu verlieren verzog ich mich ins Schlafzimmer, das sich leider nicht abdunkeln lässt. Mit dem zusammengefalteten Nachthemd über meinen Augen, die Hörgeräte abgelegt und still auf dem Rücken liegend geatmet. Schmerzhaft, unangenehm und ohne Zeitgefühl. Doch nach dem Wein wollte ich keine Tabletten nehmen.
Wie in Trance kam ich mir vor. Irgendwann bin ich kurz aufgestanden, zur Toilette gegangen und bin zur Fernsehecke. Die drei anderen saßen dort und sie schauten das Fußballspiel Spanien : Deutschland. Ich war der irrigen Annahme, dass es vielleicht gerade anfing oder Halbzeit sei. Doch es war der Start der Verlängerung.
Unsere Tochter hat sich kurz erkundigt, was für ihre Mama wichtig wäre. Ich bin zurück in meine Höhle, das Flimmern des Fernsehbildes, es war nicht auszuhalten.
Eine Migräne Attacke. Scheiße. Die hatte ich schon länger nicht mehr. Gut, dass unsere Tochter und ihr Partner da waren.

Moin Bremen
250724
Eine anstrengende Nacht war das. Keine Ahnung, wann ich geschlafen habe. Doch heute früh, kurz nach 7 Uhr, waren zumindest die Kopfschmerzen Vergangenheit. Klar im Kopf war ich nicht.
Seit dem wir hier sind, gehen wir morgens gemeinsam ins Bad und wir duschen gemeinsam. Das werde ich, zumindest für die Zeit unserer Reise, beibehalten. Zu Hause ist alles beengt.
Und dann kam das, was nahezu alle zwei Tage kommt. Quasi war es mal wieder an der Zeit ;( Die erforderliche Pause erstreckte sich bis 11 Uhr. Kein Problem.
Bremen wartet.

Bremen. Unser Schwiegersohn muss uns verlassen. Wie so häufig bei der DB ist alles wieder anders. Kurze Info der Bahn in der APP: Der ICE hält nicht in Bremen. Statt dessen in einem – mir nicht bekannten – Bahnhof stoppen, wo die Menschen, die in Bremen ein- und aussteigen wollen, zu- oder aussteigen können. Er ist mit der S-Bahn zeitig aufgebrochen. Unsere Tochter war nervös. Doch es hat alles geklappt und er ist pünktlich in Düsseldorf angekommen. Super.
Bremen ist mir nicht unbekannt. Wir waren schließlich über den Jahreswechsel 2019 / 2020 für fünf oder sechs Tage hier. Mit „Café gut Drauf„, beim „Evangelischen Kirchentag“ und bei einer weiteren Reise war ich schon in dieser Stadt.
Unser Auto parkten wir auf dem ehemaligen Güterbahnhof, der heute eine Art Kulturzentrum ist.

Bei VAUDE Bremen kamen 2 T-Shirts für meine Frau, Regenkappen für unsere Fahrradhelme, sowie eine Kombi Wander-Radfahrer-ZIP-Hose für mich in die Tasche. Ein guter Kauf. Ich bin meiner Tochter dankbar, dass sie Mama bei der Auswahl der Shirts behilflich war. Dass ich mir eine neue Wanderhose nach rund 20 Jahren gegönnt habe, hat mich nicht wirklich überrascht. Erfreulich dazu ist, dass es eine Kombihose ist. Zur ZIP-Hose gehört ein Einsatz für das Radfahren. In der kommenden Woche werde ich sie nutzen.
Rund um das Rathaus, den Marktplatz, der Bürgerschaft und den St. Petri Dom, lassen sich sehr viele Touristen beobachten. Gut, wir gehören ebenso dazu. Allein die recht kurze Zeit an den „Bremer Stadtmusikanten“ war unterhaltsam. Familien dirigieren ihre Kinder und sich selbst an die Skulptur. Selfies mit den Tieren werden gemacht. Mal läuft gerade jemand schnell an ihnen vorbei, nicht ohne dem Esel über die Nase zu streichen. Dieses Verhalten ist nicht einzigartig. Gut poliert sind Nase und Schnauze des Esels.
Böttchergasse
Diese kurze Gasse ist schon besonders. Ihre Architektur, die zahlreichen Skulpturen und dieses besondere Flair, was sich hier einstellt, mag ich sehr. Das expressionistische „Paula Modersohn-Becker Museum“ von Bernhard Hoetger entworfen, ist weit mehr als ein funktionales Gebäude aus den 1920er Jahren. Meinem Verständnis nach kann es als Kunstwerk betrachtet werden.
Die heute in der Böttchergasse vorhandenen Geschäfte sind hochpreisiger und zielen mit Sicherheit auf die Scharen von Touristen, die hier durchschlängeln. Und ich, der Tourist, habe dort zwei Bürsten für den Siebträger erstanden. Geplant war es nicht. Doch als ich die Bürsten sah, wusste ich, eine für meine BFC Ela und die andere für die Silvia meiner Tochter.

Die Geschichte des Künstlers und Architekten „Bernhard Hoetger“ ist sehr interessant. Die TAZ titelte anlässlich des 2024 über sein Leben entstandenen Films „Bernhard Hoetger – Zwischen den Welten“ Völkisch und trotzdem „entartet“. Seine Grundüberzeugung war wohl die der Nationalsozialisten. Seine Kunst wohl eher nicht. Wenn sich die Gelegenheit bietet und der Film in einer Mediathek eingestellt wurde, werde ich ihn mir anschauen. Vielleicht ist er in diesem Sinne mit Emil Nolde verwandt, dem ein ähnliches Schicksal als Künstler ereilte. Nur, dass Nolde nach 1945 nicht vergessen wurde. Hoetger schon.
Später im Eiscafé sitzend, habe ich immer wieder nach Menschen Ausschau gehalten, die etwas Besonderes an sich hatten, sei es ihre Kleidung, ihr Style, die Begleitung, der Gang, die Geschwindigkeit… Mag ich sehr, dieses beobachten und mit meiner magischen Kamera im Kopf das Erfasste zu fixieren. Weder meine X100V noch das iPhone nutzte ich, um festzuhalten, was ich sah.

Zurück in Worpswede
Am Tisch haben wir zu dritt „Harry Potter – Labyrinth“ gespielt. Es ist schon einige Zeit her, dass ich andere Spiele als Scrabble und Triomino gespielt habe. Zuerst hatte ich keine Lust und Sorge, dass meine Partnerin frustriert aufhört. Doch sie hat mit Unterstützung von ihrer Tochter und mir, bis zum Schluss gespielt. Die Anstrengung und das Nicht verstehen, was wir von ihr wollten, war ihr ins Gesicht geschrieben. Dieses Spiel war eine Überforderung. Zu vieles ist zu beachten um ans Ziel zu kommen. Irgendwie haben wir es so hinbekommen, dass kein Frust aufkommen konnte.
Erschöpft vom Tag ist sie um 21 Uhr im Schlafzimmer verschwunden.
Meine Tochter erzählte mir später, dass Mama gestern Abend, als ich meine Migräne hatte, ihren Haustürschlüssel suchte, um zu mir zu kommen. Ich schlief nebenan im Schlafzimmer. Für sie war ich zu Hause.
Mir ist heute aufgefallen, dass meine Partnerin auch nach fünf Tagen noch immer nicht klar hat, wo das Bad oder die Toilette ist. Ihre Orientierungslosigkeit ist offensichtlich. Zudem fällt mir auf, dass bei ihr das Zähne putzen nach vielleicht 30 – 40 Sekunden zu Ende ist. Zu Hause werde ich beginnen müssen, gemeinsam mit ihr die Zähne zu putzen. Hier nutzen wir ja eine elektrische Zahnbürste. Ich wechsele nur den Kopf. Somit kann ich nur daneben stehen und etwas sagen. Die Zeitautomatik der Zahnbürste ignoriert sie.
Meine Tochter meinte, dass ich wohl nicht gut beieinander sei und zählte ihre Beobachtungen auf. Mein Gefühl widerspricht nicht. Und dennoch freue ich mich auf die Radtour, die bald, am Sonntag, beginnt. Ich hoffe, dass wie im vergangenen Jahr auch meine Partnerin dies genießen wird.

Entlang der Hamme nach Osterholz-Scharmbeck
250725
Nach einer wirklich guten Nacht hatte ich Lust, aufs Rad zu steigen um die Umgebung zu erkunden. Wir drei waren uns einig, trotz Nieselregen auf die Räder zu steigen. Unser Ziel, Osterholz-Scharmbeck durch die Felder zu erreichen. Das hat wunderbar geklappt.





Osterholz-Scharmbeck. Etwas ernüchternd war, dass es quasi kein Café im klassischen Sinne in dieser Kleinstadt gibt. Markttag war. Eine Hand voll Stände wurden frequentiert. „Warum sind wir hier? Was machen wir hier?“, beschäftigte meine Frau. Mit meiner Antwort, dass wir den Ort als Ziel ausgesucht hätten, konnte sie nichts anfangen. Erst im Eiscafé und der Bestellung eines Heißgetränkes und einer Waffel ging es ihr besser. Sie entspannte sich.
Im Schaufenster eines aufgegebenen Ladenlokals hingen riesige Umgestaltungspläne für die Innenstadt. Wenn diese umgesetzt werden sollten, dann wird das Zentrum aufgewertet und vielleicht kommt dann jemand auf die Idee, ein Café zu eröffnen.

Diese Wundertüten von Amazon Retouren, haben mich doch erstaunt. Bekommt Amazon die 5 € oder wer? Ein Blick auf die Sendungen genügte, um Name und Adresse zu entziffern. Schon schräg.

Auf der Rückfahrt hatten wir das Ziel, den Aussichtsturm von „Neu Helgoland“ zu besteigen. Das ist erfolgt. Der Blick über die Moor- und Kulturlandschaft hat mir gefallen. Unter dem strukturierten Wolkenhimmel war auf dem Turm Fernsicht möglich. Wirklich toll.

Am Ende unserer Radtour lagen 34 Kilometer hinter uns. Morgen geht es mit dem Auto nach Bremen und am Sonntag nach dem Frühstück verlassen wir mit dem Fahrrädern Worpswede in Richtung Weser.

Künstlerkolonie Worpswede
Das Künstlerdorf Worpswede hat eine gänzlich andere Struktur als die Kreisstadt Osterholz-Scharmbeck, doch hier gibt es Cafés und Restaurants, die frequentiert werden. Vor Jahren waren wir einen Tag an diesem Ort. Sicherlich, hier spielt der Blick auf die vergangene Künstlerkolonie, die erste ihrer Art, die alles entscheidende Rolle. Selbst wir wollten mit mehr Zeit dorthin, wo aus Paula Becker die Paula Modersohn-Becker wurde. Dorthin, wo von Frauen wegweisende Bilder und Skulpturen geschaffen wurden. Mir hat es gut in Worpswede gefallen.
Die vielfältigen Eindrücke eines Tages sammeln sich im Kopf meiner Frau. Sie türmen sich, überlagern oder verdrängen sich gegenseitig. Wie mit einem Schneebesen werden sie durcheinander und ineinander gemischt. Was ist was? Eine nicht mehr zu beantwortende Frage. Gut, dass sie die von ihr gemachten Fotos auf ihrem iPhone hat. Sie zeugen davon, anwesend zu sein. Zu sehen und zu erkennen. Hier und jetzt.
Alles Liebe
250726
Der Vormittag ist angefüllt mit dem Packen unserer Radtaschen. Ich habe so mein System und lasse mir nicht dazwischen funken. Meine Frau und meine Tochter haben mich machen lassen. Jetzt sind die vier Radtaschen soweit gepackt und morgen nach dem Frühstück werden die letzten Dinge beigepackt.

Die Sonne scheint. Und später, an diesem letzten Tag in Worpswede wird es noch einmal so richtig geil.

Vorfreude pur. Die LP „ALLES LIEBE“ von den beiden ist einfach nur gut. Das Wetter, so die Prognosen, spielt mit. Wir sind am Start.
Unsere erste Erfahrung mit der „Seebühne Bremen„. Mein Fazit: Warum ist das nicht an anderen Orten genauso entspannt? Parkplätze in Hülle und Fülle. Gebühren? Keine. Das Leitsystem zum gebuchten Platz, einfach und verständlich. Die Toilettenanlagen sind gut zu erreichen. Die Getränkepreise sind völlig okay. Es gibt kein Pfandsystem für die Trinkgefäße. Getränkekörbe erleichtern den Transport von mehr als nur einem Getränk. Den Verantwortlichen ein großes Kompliment. Und alles so entspannt.
Das Konzert
In mir rumorte es. Eine Welle der Emotionen nach der anderen. Tränen flossen bei mir. Wie gerne hätte ich meine Söhne dabei gehabt. Unsere Tochter war ja schon da. Sie waren es in den 1990er Jahren, die – damals – mit der Musik uns genervt haben. Immer dieser Hip-Hop und diese Kolchose, dieser Max Herre. Das wird doch nichts, dachte ich damals. Und dann knallte „Esperanto“ und „Anna“ aus den Boxen. Cool. Gänsehaut bei „Mit Dir“ und diese Stimme von, Joy Denalane. Unglaublich. Dass dann noch mein Patenkind mich mit der ersten CD von Max Herre bedachte, hat die Verbindung zur Musik beiden gestärkt. Zwei Konzertbesuche in der Vergangenheit. Dass wir heute Abend „Alles Liebe“ hören konnten, hat einfach nur gut getan. Eine Energiequelle für mich.

Wie so immer, ich hätte noch lange zuhören können. Es war soooo gut. Glücklich habe ich mich erstmals hinter das Lenkrad unseres Autos geklemmt und bin in diesen Tagen gefahren. Meinen Kindern sind wir so dankbar, dass sie uns dieses Konzert geschenkt haben.
Aktuell gibt es in der ARD Mediathek eine kleine Reihe zu Max Herre und auch Joy Denalane. Im Hotel Matze gab es ein Paarinterview mit den beiden. Nachzuhören bei vielen Streamingdiensten und auf YouTube. Hörenswert.
Und wie wars?
Ein wunderbarer Abschluss einer tollen Woche mit unseren Kindern. Ab morgen geht es weiter mit dem Rad in Richtung zu Hause. Hier könnt ihr meine Aufzeichnung der Radtour ab Worpswede nachlesen.
Unsere Quartier, die Ferienwohnung von Marieke hat uns allen sehr gut gefallen. Großzügig ist sie. Alles, was wir für unseren Reisealltag benötigten, war vorhanden. Wenn in naher Zukunft die energetische Sanierung abgeschlossen sein wird, stimmt das Gesamtbild. Marieke hat es so formuliert: Außen pfui, Innen hui. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmte.