29. Dezember 2017

Aaran – Islay

Schottland ist mehr als Whisky – Teil 1

Reiseberiche, Fotos, Berichte von Freunden und der Whisky haben unsere Neugierde geweckt. Schottland muss schön sein, dachten wir. Im Mai 2017 gönnten wir uns gemeinsam mit unserer englischen verwandten Freunden den Kurzurlaub auf Islay. Der erste Teil des Berichtes zeigt etwas von Aaran und Islay. Im zweiten Teil geht es um zweieinhalb Tage Edinburgh.

Aber Achtung, der Beitrag enthält sehr viele Bilder. Das Laden der Bilder kann etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Über Edinburgh – Eurowings – und der Fähre nach Brodick auf der Isle of Aaran steuerten wir unser erstes Ziel, Lochranza, dem Fähranleger im Norden der Insel an. Der Hafen von Lochranza ist der Verbindungspunkt zwischen Arran und dem schottischen Festland (mainland).

Im kleinen Hafenort Lochranza auf Isle of Aaran nächtigten wirunweit des Fähranlege im Hotel Lochranza. Unser Zimmer, oben links, war gut. Unser „wow“ beim Anblick des Whiskybestandes der Bar war nicht zu überhören. Mehr als 100 verschiedene Whiskys waren im Angebot.

Auf der Fahrt über die Insel sind uns zahlreiche schöne Aussichten, Plätze und Wege aufgefallen. Wanderungen über die Insel sollen sehr empfehlenswert sein, liest man. Wir begnügten uns derweil mit einem längeren Spaziergang zur Schlossruine und um den von Wild bevölkerten Golfplatz. Wir schaffen es hoffentlich einmal, für mehrere Tage auf Aaran zu wandern. Auf allen Wiesen tummelten sich freilaufende Schafe, mal im Verbund mit Jungtieren, mal alleine. Dieser Anblick sollte uns auch auf Islay zur Selbstverständlichkeit werden.

Unweit des Hotels befindet sich die einzige Distellerie von Aaran. Ein Besuch war in der Kürze der Zeit nicht möglich.

Mit einer der ersten Fähren setzten wir nach einem reichhaltigen schottischen Frühstück auf die Halbinsel Kentyre über. Vom Hafen von Claonaig nach Kennacraig ging es vornehmlich über „single roads“, oder anders ausgedrückt über asphaltierte Landwirtschaftswege, deren Breite sich an einem Traktor orientiert. Den Gegenverkehr vorausschauend (!) im Blick zu haben, ist unumgänglich. Ab und an sind kleinere Haltebuchten zu finden. Was mich während der gesamten Tour beeindruckte war die Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. Das Warten in einer dieser Haltebuchten stellte offenkundig niemanden vor Probleme.  Die Wartezeit bis zum Verladen in Kennacraig überbrückten wir mit einem Abstecher nach Tarbert, einem anderen Hafen auf Kentyre.

Während der Überfahrt von Kennacraig nach Port Askaig auf Isle of Islay wechselte das Wetter. War es bis dahin dominiert von dichten Wolken aus denen immer wieder Schauer sich über uns ergossen, brach die Wolkendecke auf. Wenige Seemeilen vor Islay: blauer Himmel und Sonne. Bis zu unserer Rückfahrt sollte sich dieses Wetter nicht mehr ändern. Phantastisch. Von Port Askaig mussten wir quer über die Insel nach Portnahaven fahren, um dort unser Ferienhaus zu beziehen.

Der Leuchtturm auf dem ersten Bild steht auf Orsay, die Insel, auf der Robert Stevenson 1825 den Leuchtturm Rhinns of Islay erbaute„. Auf dem letzen Bild ist die Kirche von Portnahaven zu sehen, in der jeden Mittwoch Ehrenamtliche Tee, Kaffee und Kuchen gegen Spende verkaufen. Wir waren sehr herzlich von unserer Nachbarin eingeladen worden. Mittels dieser Einnahmen wird der Kirchbau unterhalten. Wer einmal da ist, sollte sich die Kirche genau zu diesem Zeitpunkt ansehen und mit den Frauen ins Gespräch kommen. Ganz interessant ist, warum die Kirche zwei Eingangstüren hat. Fragt mal nach. Wie immer, es menschelt auch auf einer schottischen Insel. Dazwischen sind immer wieder Seehunde zu entdecken. Ob Ebbe oder Flut, Seehunde waren immer da.

Ein Grund für die Reise nach Islay war der Wunsch die Insel kennenzulernen, wo rauchiger Whisky seine Heimat hat. Die Bilder geben einen kleinen Eindruck in die Welt der Distellerien. Faszinierend ist zu sehen, wie modernste Technik und Tradition zum Einsatz kommen, um aus Getreide Whisky zu destillieren. Drei von acht Brennereien haben wir besucht. Eine Erkenntnis der Besuche, die Mehrzahl aller Brennereien sind heute Teil größerer Konzerne oder Investorengruppen. Ich fand einen Beitrag im Whisky-Journal dazu.

Islay, das sind sanfte Hügeln,  Weiden, Moorgebiete, kleine, vom Wind niedergedrückte Waldgebiete, Seen und Tümpel, Vögel, Wild und vor allem Schafe. Nicht nur einmal sind wir bei den Wanderungen an Kadavern verendeter Schafe entlang gelaufen. Bricht die Dunkelheit ein, stehen Schafe oder Rehe auf den Straßen. Im Dickicht von Hecken und Ufergras hörten wir den Wachtelkönig (englisch Corn crake). Gesehen haben wir keinen. Wir hatten das Glück, an einer geführten Wanderung durch das „Loch Gruinart Natur Reservat“ teilnehmen zu können. Im Woodland trail erlebten wir eine kleine Kostprobe von Mückenattacken, die Sommer zu einer echte Plage werden können.

Finnlaggan, ein See mit seinen drei Inseln, einst das Zentrum eines Verbundes von Clans mit dem Lord of the Isles“ an der Spitze. Heute ein stiller Ort. Es fällt schwer sich vorzustellen, dass auf Eilean Mòr einst ein Machtzentrum befand. Beim Besuch fiel uns auf, dass wir keine Idee davon haben, wie die Kommunikation über die Inseln bis hin ins Mainland funktionierte und wie Zeitpläne verabredet wurden. Eine Bildungslücke in Zeiten von Internet und Messenger-Diensten.

Das Kreuz von Kildalton wollten wir zum Schluss noch sehen.

Was ist eine Region, eine Insel, ohne ihr eigenes Museum? Klein, aber fein ist das Museum in Port Charlotte, untergebracht in einem alten Kirchengebäude. Der Empfang war sehr herzlich. Mit viel Engagement und Geduld wurde uns das Selbstverständnis des Museums und die besonderen Exponate erklärt. Danach wurden wir uns selbst überlassen und haben es genossen, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Nach fünf Tagen ging es weiter. Unsere dritte Station: Edinburgh. Einige Impressionen befinden sich auf der nächsten Seite.