19. Mai 2018

Mainradweg Tour I

Bayreuth – Kulmbach – Bad Staffelstein – Bamberg – Schweinfurt

Graffiti am Brückenpfeiler in Magretshöchheim

Graffiti am Brückenpfeiler in Magretshöchheim

Für unser Start und Ziel des 1. Teils der Radtour am Main entlang, haben wir Magretshöchheim am Main gewählt.
Das erste Ziel war der Bahnhof in Würzburg, 12 Kilometer entfernt. Von hier aus ging es mit der Bahn über Nürnberg nach Bayreuth, dem ersten Ort unserer Radtour.

Auf der Alten Mainbrücke in Würzburg stockte der Verkehr von Fußgängern und Radfahrern. „Brückenschopper“ erweisen sich als trinkende Barrieren. Zwischen Burschenschaftlern mischen sich Touristen aus aller Welt, verbunden durch das Weinglas oder ein Maß in der Hand. Stadteinwärts verführt das Bio-Eis zum Stop. Zartbitter mit Chili. Empfehlenswert. Scharf.

Würzburg. Eis an der alten Mainbrücke

Würzburg. Eis an der alten Mainbrücke

Würzburg. Nach Bayreuth kommt man mit dem RB nur mit einem Umstieg in Nürnberg. Bequem und günstig ist das Bayernticket der Bahn. Gut wäre es, wenn es ein Angebot inklusive Radtransport geben würde. Das Abteil dürften wir nach dem erste Halt mit einer Gruppe landestypisch „kostümierter“ junger Frauen mit einem merkwürdigen Musikgeschmack teilen. Bewusstseinserweiternde Getränke machten die Runde zur Mucke aus einem krächzenden Brüllwürfel. Das gequälte Krächzen tat der guten Laune der Truppe keinen Abbruch. Eine interessante Feldstudie.

Nürnberg. Der RB stand auf dem Nachbargleis. Kurzzug. Der Einstieg ist höhergelegenen. Schätzungsweise einen Meter müssen die Räder hochgewuchtet werden. Sehr unkomfortabel. Die Anzahl der Räder und Kinderwagen überstieg das Volumen des einzigen Stellplatzes im Zug. Der Zugbegleiter hatte die Ruhe weg. Gut so, denn die Frustschwelle von Bahnreisenden scheint niedrig zu sein. In Bayreuth angekommen gab es dann doch etwas (unangebrachte) Aufregung. Bayreuth war Endstation, was einige nicht davon abhielt, Hektik beim Ausstieg mit den Fahrrädern an den Tag zu legen. Freundliche Bahnmitarbeitende waren beim Ausstieg behilflich.

Bayreuth. 2 Kilometer vom Bahnhof entfernt liegt unser erstes Quartier, Gasthof Kolb. Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, wie es sich herausstellt. Bayreuth zu erkunden fiel buchstäblich ins Wasser. Donnerschläge, Blitze und Regen gingen nieder. Nebenwirkungen: Die Biergartengäste wechselten ins Gasthaus. Der Frühstücksraum wurde kurzerhand zur erweiterten Gaststube erklärt. Dem Spargel wars egal.

Bayreuth über Thurnau nach Kulmbach

Eine Unachtsamkeit und schon endet der Radweg in einem Trampelpfad. Der den Weg versperrenden Baum umfahren wir über eine satte Wiese. Wenig später erweckte eine überdimensionierter Biber aus Holz unsere Aufmerksamkeit. Am Roten Main gibt es Biber? Gab es Biber. Nein, sie leben wieder hier, wie uns ein Pärchen berichtete. Sie gaben uns die nötige Orientierung, um auf den Mainradweg zu gelangen. Einmal auf dem Mainradweg angekommen, war die Beschilderung mehr als ausreichend. Einige Orte weiter, in Neudrossenfeld, wurde der Biber als Beispiel verfehlter Umweltpolitik eingestuft. Der Biber untergrabe ganze Teile der Uferböschungen. Brütende Störche wurden nicht als störend empfunden. Unser Gesprächspartner wusste zu berichten, dass die Störche über den Winter geblieben sind. Der „Klimawandel“ bringe das mit sich, sagte er.

Neudrossenfeld

Fassadenmalerei in Neudrossenfeld

Neudrossenfeld, ein schöner kleiner Ort der einen Stopp lohnt. Das Bier aus der Drossenfelder Bräuwerk wollten wir denn doch nicht so früh kosten. Wenn man in Neudrossenfeld nach dem Beginn der alten Bahntrasse Ausschau hält, sollte man sich nicht verführen lassen, den Mainradweg zu verlassen. Die alte Bahntrasse über Neuenreuth am Main und Thurnau nach Kulmbach ist als solche nicht gekennzeichnet. Bei der Planung der Tour hatten wir einen anderen Eindruck gewonnen. Also, wer auf der Bahntrasse verbleiben möchte, was wir empfehlen, darf vor Neuenreuth am Main nicht rechts der Beschilderung Kulmbach folgen. Einfach gerade aus radeln. Wir wollten unser Zwischenziel Thurnau erreichen. Auf der Bahntrasse sind wir rund fünf bis sechs Kilometer dem Gipfel (400 Meter) entgegen geradelt um auf einer über zwei Kilometer langen Abfahrt Thurnau zu erreichen. Der langsame Anstieg zog sich. 27 Kilometer sind wir bis so bis Thurnau gefahren.

Schlossteich und Schloss Thurnau

Schlossteich und Schloss Thurnau

Das Schloss Thurnau bestimmt das Bild des Ortes. Derzeit wird es saniert. Entlang des Bauzaunes ums Schloss hingen Fotos der Sanierungsarbeiten. Beeindruckend. Auf der Suche nach einem Café sprachen wir zwei junge Frauen an. Sie wussten Bescheid und schickten uns den Berg hoch zum Rathaus. Über das Kopfsteinplaster schoben wir unsere Räder den Berg hoch. In der Sonne sitzend, bei hausgebackenem Kuchen, kalten Getränken und Livemusik, konnten wir im Vorhof des Rathauses eine sehr schöne Pause machen.

Über die Bahntrasse ging es weiter in Richtung Kulmbach, der „heimlichen Hauptstadt des Bieres“. Einen großen Teil des Radweges konnten wir einfach nur laufen lassen. Wie angenehm. Rund sieben Kilometer vor Kulmbach vereinen sich Weißer und Roter Main zum Main. Wie alle anderen auch, wollten wir den kleinen Umweg auf uns nehmen. Unspektakulär. Zwei braun gefärbte Flüsse mit mäßiger Strömung vereinen sich unter einer Brücke zum Main.

Zusammenfluss von Weißer und Roter Main

Zusammenfluss von Weißer und Roter Main

Kulmbach war von hier aus recht schnell zu erreichen, wenn auch eine Baustelle uns einen Umleitung ohne Beschilderung zumutete. Nach 47 Kilometer ist unser Ziel: Hotel Weißes Roß erreicht. Mitten in der Altstadt unterhalb der Festung, eine wirklich gute Lage, am Marktplatz, dann noch in unmittelbarerer Nachbarschaft zu einer italienischen Eisdiele. Meine Empfehlung: Yoghurt-Ingwer-Zimt Eis. Wow. Super lecker. Im „La Dolce Vita“ am Marktplatz, ließ es sich mit frischer Pasta gut zu Abend essen. Unser Eindruck von Kulmbach, eine quirlige Stadt, gut besucht und Treffpunkt vieler Radtouristen. Wer eine herrenlose Carhartt Sweatshirtjacke in Grün (XL) findet, hält vermutlich meine abhanden gekommene Jacke in den Händen.

Kulmbach- Bad Staffelstein

Heute waren deutlich mehr Radtouristen auf den Wegen zu erkennen. Allerdings hatten wir insgesamt mit mehr Radreisenden gerechnet. Die 43 Kilometer auf den mehr oder weniger entlang des Mains verlaufenden Radwegen, waren mit zwei kleinen fiesen Anstiegen versehen. Fittere Radfahrer werden bei dieser Formulierung die Stirn in Falten legen, wenn sie an die Steigerungen in der Nähe von Mainleus und hinter Burgkunstadt denken. Egal, auf diese kurzen Anstiege auf den Waldwegen hätten wir verzichten können.

Rad in Lichtenfels

Fahrrad in Lichtenfels

Auf dem zentralen Marktplatz in Lichtenfels war Zeit für eine Pause. Dieses blaue Gefährt stand an der Eisdiele am Marktplatz.

Auf dem Weg nach Bad Staffelstein endete der Radweg unerwartet. Komoot, unsere Begleit App war überfordert. Dort, wo der eingezeichnete Radweg verlaufen sollte, wuchs Getreide. Auch ohne App funktionierte der ureigene Orientierungssinn. Ein nicht vorhandener Feldweg (Komoot)  brachte uns auf unsere Alternativrouten. Bad Staffelstein war zu sehen. Nur die Bundesstraße und die Autobahn lagen ungünstig. Kurz vor Bad Staffelstein entdeckten wir dann ein steinerndes Zeugnis eines Protestes aus vergangenen Tagen.

Protestsäule bei Bad Staffelstein

Protestsäule bei Bad Staffelstein gegen die Verkehrsplanung

Wie wir später erfuhren, war der Bau der Autobahn und der Auffahrt ein Desaster. Anstatt eine vorhandene dreispurige Bundesstraße auf vier Spuren zu erweitern, drückte man den Bau der Autobahn durch. Größere Waldflächen mussten weichen, ohne zeitlich einen Gewinn davon zu tragen. Wenige Schritte weiter standen wir vor einer „Säule“ in der ein Text in Hebräisch zu lesen war. Den Text der Inschrift werde ich mir übersetzen lassen. Daneben stand ein Kreuz mit Inschrift.

Säule und Kreuz vor Bad Staffelstein

Säule und Kreuz vor Bad Staffelstein

Nicht weit entfernt bogen wir rechts auf eine Fußgängerbrücke über die Autobahn ab. Das Ziel, die Pension Sankt Veit erreichten wir in wenigen Minuten.

Beschilderung in Bad Staffelstein

Beschilderung in Bad Staffelstein

Wozu will das Schild den Betrachter anhalten? Bad Staffelstein hatte am Pfingstmontag nicht viel zu bieten. Die riesige Therme war kein Ziel für uns.

Tipp: Wer in der Gaststätte „Zum Stadtturm“ in Bad Staffelstein essen geht, wird sicherlich nicht enttäuscht.

Bad Staffelstein – Bamberg

Auf der 38 Kilometer langen Fahrt durch das Maintal war die Begegnung mit einem Radfahrer aus Monheim am Rhein die Überraschung. Er war dabei mit seinem Vater den Main bis Mainz zu erfahren.

Entlang des Mains verlief die Strecke selten. Durch kleine Ortschaften, zwischen Feldern, Wiesen und entlang von zum Teil schon aufgelassenen Sand- Kiesgruben rollten wir in Richtung Bamberg. Eine unspektakuläre flache Etappe.

Bei unserer Einfahrt nach Bamberg lockte uns das Kaufhaus Schrill auf seinen Parkplatz.

Bamberg, Kaufhaus Schrill

Fassade Kaufhaus Schrill in Bamberg

Mit einigen Bildern im Speicher ging es in die Stadt hinein zu unserem Ziel, dem Tandem- Hotel.

Bamberg

"Der Plattenladen" in Bamberg

SAYYES2JAZZ – Livemusik im „Der Plattenladen“ in Bamberg

Ich zähle mich zu einer Minderheit, ich mag Jazz. Mit der Masse an Fliegenklatschenmusik im Mainstream kann ich nichts bis wenig anfangen. Es gibt jedoch noch Hoffnung. Eine Kneipe in Bamberg, „Der Plattenladen“, voll mit Publikum unter 27, wird live beschallt: Jazz. Junge Musiker*in mit sicht- und hörbarer Lust am Jazz. Ein schöner Abend. Vielleicht interessant für andere: Als ü55 wird man nicht schief angeschaut, wenn man was bestellt und der Musik lauscht.

Bild der Synagoge in Opladen

Bild der Synagoge in Opladen | Alexander Dettmar

Unwetterwarnung. Regentag in Bamberg. Das Historische Museum in Bamberg zu besuchen war eine gute Idee. Zwei Ausstellungen beeindruckten mich. Zum einen die des Malers Alexander Dettmar „Painting to Remember„. Seit Jahren sucht er in Deutschland die Orte auf wo Synagogen 1938 zerstört und alle Spuren beseitigt wurden. Bis dato wusste ich nicht, dass in Opladen eine Synagoge gestanden hatte. Im Obergeschoss des Museums ist eine Dauerausstellung(?) „Jüdisches in Bamberg“ zu sehen. Sehenswert. Nur, ich stolperte wieder einmal an den Sollbruchstellen „Jude“ und „Deutscher“. In einer interaktiven Ecke wurden für mich missverständliche und suggestive Fragen gestellt. Ich frage mich: Kann es 2018 nicht den deutschen Bürger jüdischen Glaubens geben?

Kulinarisches. Bamberg bietet viel Abwechslung. Allein neun aktive Brauereien bieten sehr unterschiedliche Biere an. Alle zu testen gelingt uns leider nicht. Mein Favorit ist das Rauchbier. Nette Cafés locken und einige Eismacher buhlen mit ausgefallenen Sorten. Leider sind viele Außengastronomien seit gestern wegen Regen geschlossen. Ohne Reservierung wird es schwierig.

Blick aus dem Hotelzimmer

Bamberg. Blick aus dem Hotel bei Regen

Wir befinden uns in Bayern. Wer es nicht mehr auf dem Schirm hat, das Bundesland, dass das Grundgesetz 1949 mit CSU Mehrheit ablehnte. Das hier steht in einem Schaufenster.

Bamberg. "Söder Kreuz" in einem Schaufenster

Bamberg. „Söder Kreuz“ in einem Schaufenster

Ein Kommentar zum Tandem Hotel: sehr schönes Zimmer, ein gutes Frühstück, zentrale Lage und sehr freundliche Mitarbeitende, etwas teurer aber gut. Wenn wieder einmal Bamberg, dann fragen wir im Tandem Hotel nach.

Bamberg – Schweinfurt

Main bei Haßfurt

Main bei Haßfurt

Vom Tandem Hotel aus rollten wir entlang der Regnitz zum Zusammenfluss mit dem Main. Anders als an den Tagen zuvor verlief der Radweg häufig entlang des Mains. Kleine Ortschaften wurden durchquert. Die Beschilderung war durchweg gut. Ein Rad quietschte und ließ sich schwerer fahren. Quasi am Ortseingang von Haßfurt rollten wir direkt in die Werkstatt vom Fahrradgeschäft Schnaus. Ohne großes Aufsehen kümmerte sich jemand um unser Rad. Wir nutzten die Zeit für Tee und Kaffee. Nach einer knappen halben Stunde schnurrte das Rad wieder zuverlässig. Ein sehr guter Service zu einem fairen Preis. Sehr empfehlenswert.

Schweinfurt war nach der Pause zügig erreicht. 58 Kilometer zeigte die Navigationsapp am Hotel Mangold in Schweinfurt an. Mit einem Glas fränkischem Sekt wurden wir empfangen. Eine kurze Einführung zu Schweinfurt als Industriestandort, Stationierungsort amerikanischer Soldaten und Ort der zweitausend Flüchtlinge aufnehmen musste, wurde uns zu Teil. Flüchtlinge, ein Problem, wie man uns wissen ließ. Mehr wurde nicht ausgeführt.

Beim Stadtrundgang erwischte und ein Gewitter. Die Kaffeerösterei wurde zum Zufluchtsort. Was für ein Glück. Der Espresso, aus einer Bio-Kaffeeröstung, war richtig gut. Den besten Espresso der gesamten Tour. Wie den Bilderrahmen zu entnehmen war, ist es eine vielfach ausgezeichnete Rösterei.

Die Restaurantempfehlung, das italienische Restaurant um die Ecke, war Klasse. Frische Pasta macht glücklich, oder? Mit dem Geschmack eines 15jährigen Grappas auf der Zunge, schlenderten wir ins Hotel zurück.

Unser erster Teil der Radtour entlang des Mains endet in Schweinfurt mit dem Frühstück im Hotel. Sehr abwechslungsreich und lecker ist das Buffet: Rührei, Käsevariationen, gegrilltes Gemüse, Lachs, Forelle…

Bis Würzburg nutzen wir die Bahn. Auf dem Bahnhof wieder eine Schar junger Leute u25 in Tracht und mit Alkoholika ausgestattet. Jungs tragen Bierkästen, Mädels weinhaltige Flaschen und Batterien an süßen Kurzen. Nichts deutet auf Junggesellenabschied oder ähnliches hin. Scheint wohl das gängige Wochenendvergnügen zu sein. Die Fortführung der Radtour wird später dann in Schweinfurt beginnen müssen. Unsere Gastgeberin sagte: Jetzt beginnt der schönste Teil des Radweges.

Die 12 Kilometer vom Würzburger Hauptbahnhof bis zum Hotel in Magretshöchheim rollten die Räder auf flachem Terrain entlang des Mains.

Alles in allem liegen rund 220 Kilometer hinter uns.

Mainufer Blick Alte Mainbrücke und Residenz Würzburg

Mainufer Blick Alte Mainbrücke und Residenz Würzburg