Polnische Ostseeküste

Sommerpause an der polnischen Ostseeküste. Das Ostseebad Sopot ist Ausgangspunkt unserer Entdeckungen.

Dass Sopot eine glanzvolle Vergangenheit hatte, davon legen die zahlreichen Villen Zeugnis ab. Die Gegenwart ist, jetzt im August, von vollen Restaurants, vollem Strand und voller Fußgängerzone geprägt. Einfach gesagt: Sopot, ein gefragter Ferienort. Ein Sprachengemisch aus schwedisch, deutsch, englisch, italienisch, französisch, norwegisch… ist überall zu hören. Viele Familien mit kleineren Kindern sind hier. Die Ostsee ist hier sehr flach und die langen Sandstrände sind gut bewacht. Die schrillen Pfiffe der rot gekleideten Rettungsschwimmer, sind nicht zu überhören.

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Sandstrand in Sopot

Straßenmusiker von unterschiedlichster Qualität waren zu hören. Es hat uns gefallen, was das Trommlerduo „Bucket Guys“ zu bieten hatte. Ein Zeitgenosse hat das aufgenommen und bei youtube hochgeladen: Bucket Guys im August 2015 in Sopot.

Straßenmusiker in Sopot - davon gab es viele. Einige, wie die Bucket Guys waren richtig gut.
Straßenmusiker in Sopot – davon gab es viele. Einige, wie die Bucket Guys waren richtig gut.

Im Reiseführer wurde die Bar als „Szene Treffpunkt“ beschrieben. Die Szene Treff muss sich verlagert haben. Die Bar ist jetzt Teil eines amerikanischen Restaurants und recht leer.

Bar im Geburtshaus von Klaus Kinski, Sopot
Bar im Geburtshaus von Klaus Kinski, Sopot

Der Inhaber hat gewechselt. Im alten Tresen sind drei Dokumente, unter anderem die Geburtsurkunde von Klaus Kinski, kunstvoll eingelassen. Das Wandbild mit Kinski in seinen Rollen, ist noch zu sehen.

Bahnhof Sopot
Bahnhof Sopot

Die Bahnsteige des Bahnhofs von Sopot sind liebevoll saniert. Das Bahnhofsgebäude wird gerade neu gebaut uns soll das neue Zentrum der Stadt werden.

Im Osten grenzt Sopot an Gdansk (Danzig). Mit der Bahn dorthin zu reisen ist preiswert (4 Zloty) und recht schnell (20 Minuten). Danzig, das ist die wiedererstandene Altstadt nach der Zerstörung, das Erbe der Hanse, die Erinnerung an den Widerstand am 1.9.1939, die Kulturmetropole oder die Werft der Solidarnosz, die mit den Weg bereitet hat für den Fall des eisernen Vorhangs. Und vermutlich noch viel mehr, denn Danzig ist geflutet von Touristen.  Alle mit eigenen Erwartungen.

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Bronzegrafik von Grass: Der Butt

Danzig, das ist auch die Stadt in der Günter Grass seine Spuren, nicht nur literarisch, hinterlassen hat. Volker Schlöndorffs Verfilmung der „Blechtrommel“ erinnert filmisch an das Danzig der späten 1930er und der Kriegsjahre. Gut, dass von den Verwüstungen nichts mehr zu sehen ist.

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Der kleine „Oskar“ auf seiner Bank mit Blechtrommel in unmittelbarer Nähe vom Elternhaus der Familie Grass

Der Weg zum Denkmal für die 1970 getöteten Werftarbeiter, zum ehemaligen Werkstor der Lenin- Werft und dem Besuch des neu errichteten Zentrums der Solidarnosz lohnt sich. Dieser aus Beton und Stahl umbaute Raum voller Pflanzen hat uns beeindruckt.

Solidarnosz: Eingangstor zur "Lenin Werft"
Solidarnosz: Eingangstor zur „Lenin Werft“

Die Altstadt zu entdecken ist ein Muss, strahlt sie doch abseits aller Touristenströme etwas von einer hanseatischen Gelassenheit aus. Eingedenk der Tatsache, dass es sich bei allen Gebäuden um Rekonstruktionen handelt, ein um so erstaunlicher Umstand.

Altstadt spiegelt sich in jedem Schaufenster
Altstadt spiegelt sich in jedem Schaufenster
Gebäude der Rechtstadt am Königsweg
Gebäude der Rechtstadt am Königsweg

Mit dem Rad nach Oliwa, einem alten Danziger Stadtteil, der wegen seiner Kathedrale und seinem Park berühmt wurde.

Kathedrale von Oliwa, Stadtteil von Gdansk
Kathedrale von Oliwa, Stadtteil von Gdansk

In der Kathedrale lauschten wir einem kleinen Orgelkonzert, beim dem auch die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann-Sebastian Bach gespielt wurde. Phantastisch. Im Park des ehemaligen Klosters von Oliwa konnten wir nachts einem Wasserorgelkonzert lauschen und den eingefärbten Fontainen zusehen. Illuminierte Skulpturen und Bäume ließen manche Ecken des Parkes mystisch erscheinen. Ein Jazzkonzert, ohne Griff ins American Songbook, hat uns gut gefallen. Ein volles Abendprogramm, das Hunderte von Gästen in seinen Bann zog.

Hafen in der Innenstadt
Hafen in der Innenstadt

Mit dem Schiff aus der Altstadt von Danzig nach Sopot zu fahren, war ein kurzweiliges Vergnügen (1 Stunde Fahrzeit – 35 Zloty). Im Preis ist die Nutzung der Seebrücke in Sopot enthalten. Das Betreten der Seebrücke ist ansonsten kostenpflichtig.

Ankunft an der Seebrücke von Sopot
Ankunft an der Seebrücke von Sopot
Auf der Seebrücke von Sopot, die mit über 500 m Länge, die Nr. 1 an der Ostseeküste ist.
Auf der Seebrücke von Sopot, die mit über 500 m Länge, die Nr. 1 an der Ostseeküste ist.

Fahrradtour von Sopot nach Gdynia. Direkt am Sheranton und der Jazzbühne haben die beiden Eigentümerinnen von „TourBike – Sopocki Rower“ das Zelt für den Fahrraverleih stehen. Eine sehr gute Vorbereitung inklusive Karte wurde uns bei den beiden Anmietungen – später sind wir nach Danzig geradelt – durch die Vermieterinnen zu Teil. Präzise beschrieben sie die Strecke und die Abschnitte wo es schwierig sein könnte. Empfehlungen zum Einkehren oder zur Besichtigung inklusive. Perfekt und zutreffen, wie wir feststellen konnten. Der erste Teil entlang des Ufers sehr schön, da ein größerer Teil des Weges durch schattigen Wald führt. Bei über 30 Grad im Schatten, sehr willkommen.

Seebrücke und Strand in Orlowo, Stadtteil von Gdynia
Seebrücke und Strand in Orlowo, Stadtteil von Gdynia

Im Hafen ist die „Dar Pomorza“ nicht zu übersehen. Ein Hauch von vergangenen Zeiten umweht das prächtige Schiff.

Museumsschiff "Dar Pomorza" 1909 von Blohm & Voss auf Kiel gelegt
Museumsschiff „Dar Pomorza“ 1909 von Blohm & Voss auf Kiel gelegt

Eine Entdeckung der praktischen Art, Servicesäulen für Fahräder, Rollstühle… Aus Sicht aller Radfahrer_innen sind die in Gdynia aufgestellten Servicesäulen ein Gewinn. Ich fände es prima, wenn diese Servicesäulen auch bei uns aufgestellt würden. Ein aktiver Beitrag zu mehr Fahrradnutzung und Tourismus.

Servicesäule für Radfahrende in Gdynia
Servicesäule für Radfahrende in Gdynia

Meer und Jazz. Das gehört zusammen. Aus Frankreich kenne ich die kleinen und feinen Jazzangebote. In Sopot kamen wir an mehreren Tagen in den Genuss von guter Musik.

Jazzkonzert der Sopoter Jazztage an der Mole
Jazzkonzert der Sopoter Jazztage an der Mole

Zur Kunst gehören auch herausragende Arbeiten von Grafiker_innen und Wandmalereien. Zwei Beispiele:

Wandmalerei in Sopot: Frau im rot weißen Sommerkleid
Wandmalerei in Sopot

Die Kunst Plakate zu gestalten, ist unübersehbar. Ansprechende Grafiken haben wir sehr viele gesehen. Ein für mich besonderes Exemplar ist dieses hier:

Grafik "Himmel über Berlin" von Kaja Renkas
Grafik „Himmel über Berlin“ von Kaja Renkas

Die vom Künstler, Ryszard Kaja, geschaffenen Grafiken zu polnischen Städten und Landschaften haben es uns angetan. Er reduziert auf das Wesentliche ab und schafft Wiedererkennung.

Abstecher in die Masuren

Ein gutes Quartier ist das Hotel Koch in Ketrzyn (Rastenburg). Einfache polnische Küche serviert das Restaurant im Hotel. Wer mehr kreative Auswahl bevorzugt, wird im Restaurant „Kardamon“ auf der Rückseite des Rathauses in Ketrzyn fündig.

Unweit von Ketrzyn liegt das Gebiet der Wolfschance, dem ehemaligen Führerhauptquartier. Es ist der Ort, wo am 20. Juli 1945 der Versuch misslang, Hitler mittels einer Bombe zu töten. Einen unwirtlichen Ort, die Wolfsschanze im Osten der Masuren. Mit uns waren Menschen aus Südeuropa, England, Russland, Polen, Deutschland… Kurzum aus allen Teilen Europas besuchen Menschen die Wolfsschanze.

Bunker Nr. 13 - vorbehalten für Hitler
Bunker Nr. 13 – vorbehalten für Hitler
Bunker 13 - zerstörter Teil
Bunker 13 – zerstörter Teil

Mir war nicht danach, saftiges Grün, Besuchergruppen oder Selfies produzierende Menschen im Bild festzuhalten. Alles wäre möglich gewesen auf unserem Weg, durch die innere Zone des „Führerhauptquartieres“. An das Attentat vom 20. Juli 1944 wird mit detaillierten Informationstafeln und einem Gedenkstein erinnert. Etwas versetzt gedenkt man der polnischen Soldaten, die von 1945 bis 1955 damit beschäftigt waren, das vermiente Gelände zu räumen. Viele starben dabei.

Aus meiner Perspektive völlig unpassend sind die paramilitärisch anmutenden Angebote, mit ehemaligen Wehrmachtsfahrzeugen sich durch die Gegen kutschieren zu lassen. Aufgesetztes MG sowie Stahlhelme inbegriffen. Wer mag, kann sich auch auf einem Schießstand „beweisen“.

Eine besonderer Leckerbissen, den ich bis dato auf keiner Speisekarte finden konnte, muss ich veröffentlichen:

Auszug der Speisekarte des Restaurants Wolfsschanze
Auszug der Speisekarte des Restaurants Wolfsschanze

Viele Störche, zahlreiche Seen, riesige Getreidefelder, die von einem halben Dutzend Mähdräschern parallel bearbeitet werden, das sind Bilder die ich jetzt mit den Masuren verbinden kann. Auffallend die neu gewalzten und geteerten Trassen durch die Landschaft, immer mit der Beschilderung versehen, gefördert durch EU Mittel. Hier rollt der ganze Verkehr. Nur wenige Kilometer sind wir durch Alleen gefahren oder haben uns auf Kopfsteinpflaster durchrütteln lassen müssen. Dort, wo der Eingriff in den alten Wegebestand noch nicht erfolgte, konnten wir die meisten Tiere beobachten.

Blick durch ein Fenster auf eine Kirche die Papst Johannes Paul II in Olsztyn gesehen hat
Blick durch ein Fenster auf eine Kirche die Papst Johannes Paul II in Olsztyn gesehen hat

Olsztyn (Allenstein) wartet mit einer kleinen wiederhergestellten Altstadt auf. Interessant finde ich die aus den 1960er Jahren stammenden Fassadenverzierungen, die vermutlich an die zerstörten Vorgängerbauten erinnern sollten. Eine wirklich gute Möglichkeit einen Kaffee mit oder ohne Kuchen zu geniessen, ist das „House Café“ unmittelbar am alten Rathaus. Der Besuch des dazu gehörenden Eisverkaufsstandes ist ein muss. Wer hat schon ein „Petersilieneis“, oder „Zitrone-Salbeieis“ oder „Spinateis“ zu bieten? Unglaubliches Geschmackserlebnis. Schade, dass mit dem Eis nicht auch noch die Rezeptur erworben werden.

Empfehlenswertes Motto: Coffe is always a good idea
Empfehlenswertes Motto: Coffe is always a good idea

Malbork (Marienburg), das ist für Burgenliebhaber eines der Highlights dieser Erde. Die Burg war über Jahrhunderte Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens. Alles an einem Tag zu entdecken oder auf einem Bild festzuhalten, ist schier unmöglich. Aber, auch ein mehrstündiger Besuch ist lohnenswert. Für Monheimer, die vom Rhein, ganz besonders, trifft man dort doch auf „Winrich von Kniprode“.

Winrich von Kniprode, Hochmeister des Deutschen Ordens
Winrich von Kniprode, Hochmeister des Deutschen Ordens (2.v.rechts)
Ausschnitt Fassade der Kirche
Ausschnitt Fassade der Kirche

Tipps für den Gaumen

Sopot

Im Juli und August bietet das Sheraton im Restaurant InAzia einen Brunch der Extraklasse an. Für polnische Verhältnisse etwas hochpreisig, dafür inklusive aller Getränke. 13:30 – 18 Uhr, Reservierung empfehlenswert. Frisch zubereitete Wokgerichte, oder Sushi oder doch lieber Ente oder… Wir glauben, dass niemand am Ende alles probieren konnte, was angeboten wurde. Wiederkommen könnte helfen, dachten wir. Eine Woche später, viele andere Gerichte, zahlreiche Variationen und auch diesmal standen wir vor der Qual der Wahl. Für uns das beste Brunch.

Ganz anders und total lecker ißt es sich im Selbstbedienungsrestaurant Bar Przystań am Strand von Sopot. Fisch in vielen Variationen steht auf der Speisekarte. Frisch zubereitet. Gezahlt wird nach Gewicht des servierten Fisches. Zeit mitbringen, denn es dürften viele Menschen mit in der Warteschlange stehen. Auch hier mussten wir noch einmal essen gehen.

Gdansk

Restaurant Bellevue in Gdansk / Danzig, Targ Rybny
Restaurant Bellevue in Gdansk / Danzig, Targ Rybny

Am nördlichen Rande der Glowne Miasto (Rechtstadt) in der Targ Rybny öffnet das Bellevue Restaurant seine Türen. Auf den ersten Blick unscheinbar. Die Küche braucht sich wahrlich nicht zu verstecken. Uns wurden sehr liebevoll und geschmacklich abwechslungsreiche Salate serviert. Endlich eine Küche, die den Salat nicht im Dressing ertränkte und den Komponenten ihre eigene Geschmacksnote entzog. Unser Carpaccio und die Ente waren ein Genuss. Dass der Besitzer eine Reihe von Jahren in Norwegen gelebt hat und was das mit seiner Küche zu tun hat, wird er auf Nachfrage erzählen. Wenn man – wie wir – Gück hat, kredenzt er seinen eigene Zitronengeist und verrät die Rezeptur. Erfrischend.

Mobilität  Erfahrungen 

Günstige Flüge nach Danzig, hatte die Lufthansa im Angebot. Via Internet haben wir ein Taxi bestellt, das uns vom Flughafen zur Ferienwohnung brachte (20 € Festpreis). Für einen Teil unseres Aufenthaltes hatten wir im Voraus einen Mietwagen inklusiv aller möglichen Versicherungen (ca. 30 € pro Tag) gebucht.

Per Bahn kommt man sehr günstig von Sopot in die Umgebung. Richtig gut fand ich, dass die DB-APP auf meinem Smartphone die Bahnverbindungen von und nach Sopot anzeigte. Für die Planung hervorragend.

Fahrräder zu leihen ist mit ca. 15 € pro Tag vielleicht teurer als in anderen Teilen Europas. Die Vermieterinnen versorgten uns immer mit Stadtplänen und Routenvorschlägen. Ein toller Service. Die Region an der polnischen Ostsee ist gut mit breiten Fahrradwegen durchzogen. Dass der Wind immer von vorne kommt, ist klar, oder? Trotzdem macht es Spaß, mit dem Rad unterwegs zu sein.

Kommunikation. Die polnische Sprache ist für mich nicht leicht zu beherrschen. Es war kein Problem mit einer Mischung aus polnischen Höflichkeitsfloskeln und Englisch sich zu verständigen. Zu keiner Zeit wurden wir deshalb nicht bedient  Auf den Märkten oder in den Geschäften wurde, wenn nötig jemand gerufen, der helfen konnte. App und Wörterbuch halfen.

Alle Bilder auf dieser Seite sind mit einem iPhone 5s entstanden. Wo ein Bild bearbeitet wurde, erfolgte das mit der App Snapseed.

 

 

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