Elberadweg

Hamburg – Dresden | Er-fahrungen entlang der Elbe

Bahn & Bike. Von Ende Juli bis Mitte August 2009 hatten wir uns Zeit genommen, von Hamburg nach Dresden zu radeln. In zwölf Etappen entlang der Elbe haben wir viel gesehen und erlebt. Manches lohnt sich zu berichten und davon will ich erzählen.

Fahrräder anstellen…

Über die Deutsche Bahn zu meckern fällt leicht. Warum ein Buchungssystem nicht in der Lage ist, Plätze für Radfahrer in der Nähe der Fahrradstellplätze zu reservieren, leuchtet nicht ein. Der Mitarbeiter im Reisezentrum gab sich alle Mühe. Das System wollte nicht. Nach dem zügigen Einparken der Fahrräder im IC-Wagon ging es durch den gesamten Zug in den vorletzten Wagen. Fahrradtaschen, ob Front- oder Backroller sind nun mal keine Trollys die man hinterher zieht. Anstrengend, unnötig. Pünktlich erreichte der IC Hamburg.
Unser Kartenmaterial für die Tour bestand aus den beiden BIKE-Line Radführer Elberadweg 1 und Elberadweg 2. Die Qualität der beiden Radführer ist gut, wenn auch die Reiseroute Elbe abwärts beschrieben wird. In vielen Quartieren liegt das offizielle „Elberadweg Handbuch“ aus. Es wird von den „Projektkoordinationen Elberadweg“ herausgegeben und kostenlos verteilt. Wer spontan sein Nachtquartier aussuchen möchte, sollte sich das Handbuch besorgen. Viele Unterkünfte sind dort aufgelistet. Kontaktdaten: www.elberadweg.de

Mein Tipp: Reisetaschen von Ortlieb. Sie sind nicht zu toppen.

Klicken Sie auf eine Route um sich das Scrollen zu ersparen.

Hamburg – Lauenburg |   Lauenburg – Hitzacker |   Hitzacker – Schnackenburg
Schnackenburg – Havelberg |   Havelberg – Tangermünde |   Tangermünde – Magdeburg |
Magdeburg – DessauDessau – Wittenberg |   Wittenberg – Torgau
Torgau – Strehla |   Strehla – MeissenMeissen – Dresden |   Dresden

Blick vom Hafentaxi in den Hamburger Hafen

Hamburg

Der Weg vom Hauptbahnhof zur Jugendherberge ist gut ausgeschildert (Richtung St. Pauli / Landungsbrücken). Wer den steilen Anstieg von den Landungsbrücken hinauf zum Stintfang verzichten und lieber einen kontinuierlich ansteigenden Radweg bevorzugt, sollte an der Kreuzung Rödingsmarkt – Willy-Brandt-Straße rechts in die Ludwig-Erhardt-Straße einbiegen und am Zeughaus links in die „Neumayer-Str.“ einbiegen. Bitte nicht der Versuchung erliegen und den Radweg durch die Gr0ßwall-Anlagen nehmen. Dann landet man doch an den Landungsbrücken und muss den „Kuhberg“ wieder hoch fahren.

Oberhalb der Landungsbrücke liegt die Jugendherberge „Auf dem Stintfang„. Ein traumhafter Ausgangspunkt um Hamburg zu entdecken. Die Zimmer der Jugendherberge sind klein und funktional. Dusche und Toilette sind in zwei kleinen Räumen untergebracht. Zu viert kommt man damit klar. Das Preis-Leistung-Verhältnis ist ausgesprochen gut. Ein Abstellraum für die Fahrräder ist vorhanden.

Hamburger Wasser

Leider bestimmten Gewittter und Regenschauer über Hamburg unseren Aufenthalt. So blieb uns das Frühstück auf der Terasse mit Blick auf den Hafen vorenthalten. Über Hamburgs Qualitäten zu schreiben, ist überflüssig. Zwei Tage sind zu kurz um die Stadt zu erkunden. Im portugiesischen Viertel, unweit der Jugendherberge, kann man gut und preiswert essen. Mein Tipp: Luigi’s. Der kleine Italiener hat ganz vorzügliche Spaghetti di mare serviert. Die Pizzen waren wohl nicht außergewöhnlich.

Dem Hinweis eines Mitarbeitenden in der Touristeninformation folgend, sind wir mit den Wassertaxen bis nach Finkenwerder gefahren. Die Tickets des ÖPNV berechtigen zur Fahrt mit den Wassertaxen. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. An riesigen Containerschiffe und prachtvoller Uferbebauung gleitet die Fähre entlang. Schon beeindruckend sind die Pötte mit hunderten von Containern an Bord. Aber, was die kleinen Schlepper bewerkstelligen, ist schon außergewöhnlich. Wir konnten ein Ablege- und Wendemanöver beobachten. Beeindruckend.

Hamburg zu Fuß zu entdecken macht Spaß. Die Speicherstadt mit ihren zahlreichen Baustellen an der Peripherie, der Rathausplatz, das St. Georg-Viertel oder die Columnaden in der Nähe der Binnenalster sind sehenswert. Die üblichen Konzernbauten mit den bekannten Modeketten

Neubaugebiet Speicherstadt

muss man nicht gesehen haben, denn die gibt es in allen Zentren. Abends durch St. Pauli zu schlendern, die verschiedenen Gesichter des Stadtteils zu entdecken, im portugiesischen Viertel etwas zu sich zu nehmen und zum Schluss entspannt vom Stintfang auf den Hafen blicken, das macht Lust auf mehr. Hamburg ist eine Reise wert.

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Hambug – Lauenburg | 68 Kilometer

Der Hamburg-Triatlon hat uns auf den ersten Kilometern behindert. Sperrungen entlang der Elbe und des Elberadweges beeinträchtigten die erste Etappe für kurze Zeit. In Hamburgs Zentrum ist die  Radwebeschilderung gut zu finden. Etwas kritisch wurde es am Stadtrand, in Moorfleet. Dort haben wir uns dann erstmalig verfahren. Mit dem Bikeline war es aber kein großes Problem wieder zurück zu finden.

Start an der Jugendherberge

Der Weg nach Lauenburg führt durch Felder und Waldstücke abseits der Elbe. Nicht immer war die Fahrdecke gut. Betonplatten können auf die Dauer nerven. In Lütjenburg haben wir die Fähre Hoopte genommen und sind übergesetzt. Wir wollten den Steigungen zwischen Geesthacht und Lauenburg entgehen. Das hat auch gut funktioniert. Zwischendurch haben wir die Schalterhalle einer Raiffeisenbank,  das große Vordach eines Möbelhauses und eines Fahrradladens schätzen gelernt. Sie boten uns Schutz vor den erbiebigen Regenschauern, die uns auf dem Weg nach Lauenburg begleiteten.
Lauenburg erreichten wir mit Regenjacke und Rainlegs. Das beschauliche Lauenburg weiß zu entzücken, wenn es trocken ist.  Zwischen der Brücke über die Elbe und der „Zündholzfabrik“, gibt es nur Kopfsteinpflaster. Hölle. Meine Mitfahrerinnen sind allesamt abgestiegen. Ich hätte es auch tun sollen. An zwei Fahrrädern lösten sich Anbauteile, wie wir es am anderen Morgen feststellen mußten.
Unsere Unterkunft, die Jugendherberge „Zündholzfabrik“ war sehr gut. Unsere beiden Zimmer waren sehr groß und hatten ein Mückenschutzfenster. Auf der Tour haben wir das des öfteren vermisst. Das Frühstücksbuffet war sehr umfangreich und lecker. Die Fahrräder landeten in einem auf der Rückseite liegenden Raum. Um dorthin zu kommen, mussten wir die Fahrräder durch das Foyer der Jugendherberge schieben. Niemand störte sich daran, dass die nassen Fahrräder im Haus Spuren hinterließen.

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Lauenburg – Hitzacker | 58 Kilometer

Gut gefrühstückt ging es in Richtung Hitzacker. Nach einer kleinen Reparatur an der Schaltung verabschiedeten wir uns von Lauenburg. Es wurde der erste von vielen trockenen und sonnigen Tagen. Vor Boitzenburg haben die Hügel auf uns gewartet. Bei der Abfahrt nach Boitzenburg sind wir an den ehemaligen Grenzübergangsanlagen vorbeigerauscht. Das Denkmal für die Opfer des Todesmarsches von Ravensbrück habe ich nur kurz zu sehen bekommen. Im Rausch der Geschwindigkeit ließen wir die Räder laufen. Um die angekündigten Spurplattenwege zu meiden, sind wir in Boitzenburg nicht auf dem Elberadweg geblieben. Von Bahnhof Boitzenburg folgten wir dem örtlichen Radweg bis Bahlen. Dort erreichten wir den Elberadweg. In Vorderhagen entschieden wir uns erneut, von der ausgeschilderten Route abzuweichen. Die L 52 und L 233 ist bis Stiepelse gut befahrbar. PKWs sind uns wenige begegnet, LKWs oder Traktoren keine. In Stiepelse warteten die Störche und kurz danach die Schafe auf uns. Auf dem Elbdeich ging es in Richtung Herrenhof. Gerne hätten wir eine Rast in einer Gaststätte oder einem Café eingelegt. Fehlanzeige. Kein gastronomisches Angebot ist auf dem Teilstück zu finden. Selbst in Konau, dem unter Denkmalschutz stehenden „Marschhufendorf“, war keine Restauration zu finden. Eine Stopp in Konau lohnt sich dennoch. Die restaurierten Höfe und die Reste der Grenzanlagen, sind sehenswert. Das Elbcafé bei Darchau ist zwischen 14 und 18 Uhr geöffnet. Unser Pech, es war kurz nach 12 Uhr als wir dort ankamen.
Kurz vor  Herrenhof haben wir einem älteren Radwanderer Starthilfe am Deich gegeben. Er war mit seinem bepackten Rad nicht den Deich hinauf gekommen und zur Seite weg gekippt. Die Kräfte reichten nicht aus, sein Fahrrad alleine aufzuheben. Vier Wochen wollte er sich Zeit nehmen, die Elbe von ihrer Mündung bis zur Quelle zu bereisen. An der Fähre in Herrenhof haben wir ihn dann wieder getroffen.

Mit der „Elbe“, einer kleinen Personen- und Radfähre sind wir nach Hitzacker übergesetzt. Unser Quartier, das „Hotel zur Linde“, hat unsere Erwartungen übertroffen. Wer sich mit einer Familie oder mit 4 Personen einquartieren möchte, sollte nach dem Nebenhaus fragen. Zwei große, helle und ruhig gelegene Zimmer mit einem gemeinsamen Badezimmer erwarten einen. Ein leckeres und optisch liebevoll serviertes Frühstück ist einem sicher. Der Service war sehr gut. Die Fahrräder konnten wir in einer Garage parken. Im „Restaurant im Ausstellungshaus“ kann man sehr gut essen. Vorbestellen ist ratsam, da das Restaurant nur wenige Sitzmöglichkeiten hat.
In Hitzacker sind wir auf die gelben Kreuze aufmerksam gemacht worden. Sie symbolisieren den Widerstand gegen der Atommüll, der in unmittelbarer Nähe in Gorleben eingelagert wird.

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Hitzacker – Schnackenburg | 66 Kilometer

Alte Radlerweisheit: „Der Wind kommt immer von vorne.“ Wie wahr. Hatten wir doch geglaubt und darauf vertraut, dass Fluss aufwärts der Wind sich bescheiden im Hintergrund halten würde. Die Erfahrung aller Streckenabschnitte vorweg zu nehmen. Egal, wie man fährt. Gegenwind gehört zu einer Tour dazu.
Über den gut ausgebauten Radweg, der das Buffet der Störche zerschneidet, fuhren wir in Richtung Dömitzer Brücke. Gefühlt haben wir an diesem Morgen dutzende Störche gesehen die damit beschäftigt waren, ihre Brut zu sättigen. Immerhin will so ein Jungstorch rund 1,2 Kg Futter pro Tag zugeführt bekommen.

Storchennetz am Elbdeich

Für die alte Feste Dömitz hatten wir keine Zeit. Nach einem kurzen Stopp an der Eisdiele neben dem Hafen ging es weiter in Richtung Schnackenburg. Rund 4 Kilometer hinter Dömitz bewies ein spitzer Stein, dass unplattbare Reifen ihre Grenzen haben. Wenn man, wie wir auf Werbebotschaften vertraut und Ersatzschläuche einspart, muss man 4 Kilometer zurück fahren und im Radladen Ersatz besorgen. Das Gute war, dass der Fahrradladen noch Mittagspause hatte. Für 60 Cent gab es im „Kaufhaus“ einen Eiskaffee. Wer nach Dömitz kommt, sollte sich das alte Kaufhaus nicht entgehen lassen.

Fachwerkhaus am Elbdeich

Auf der brandenburgischen Seite der Elbe fuhren wir in Richtung Lütkenwisch, wo wir die Fähre nach Schnackenburg nehmen wollten.  Die Wege waren holpriger als in Mecklenburg. Panzer-Betonplatten als Untergrund für die Fahrräder sind auf Dauer nervig. Historisch gesehen fuhren wir auf den Wegen, die die Grenztruppen der DDR zur Sicherung der Grenzanlagen nutzten. Von den Grenzbefestigungsanlagen waren nur noch wenige Reste entlang des Radweges zu sehen. Ob alle Häuser entlang der Streckenführung schon zu DDR-Zeiten standen?
In Schnackenburg nahmen wir im Hafencafé Felicitas Quartier. Unter dem Dach war es recht warm. Einfache, deftige Kost wurde im Biergarten serviert. Nach dem Abendbrot brachen wir zu einem Spaziergang durch das Dorf auf um ganz nebenbei einen Bankautomaten zu suchen. Fehlanzeige. Kein Bankautomat. Keine Bäckerei. Kein Lebensmittelgeschäft. Keine Poststelle. Alles weg.

Grenzpfahl Erinnerung in Schnackenburg

Mit der Öffnung der Grenze verlor Schnackenburg seinen Status als Grenzstation für den Schiffsverkehr. Mit ihm wanderten alle Geschäfte ab. Trostlos. Nett war, dass wir im Hafencafé Felicitas Geld abheben konnten. Der Preis für das Zimmer war angemessen. Viel Auswahl hat man nicht in Schnackenburg.

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Schnackenburg – Havelberg | 62 Kilometer

Mit der Fähre setzten wir von Schnackenburg wieder über nach Brandenburg. Am rechten Ufer der Elbe rollten wir bis Wittenberge. Mit allem, was zur Mittagspause nötig ist, ging es weiter nach Rüstädt, dem Storchendorf in Brandenburg. Vor der Dorfkirche war Platz für unsere Brotzeit. Der Besuch der Dorfkirche lohnt sich. Sehr alt und ehrwürdig, einladend und erholsam ist sie den ganzen Tag geöffnet. Auf dem Ambo liegt die Bibel aufgeschlagen. Ein Postit zeigt auf den Tagespsalm. Der Einladung zum Lesen, bin ich gerne gefolgt. Psalm 170 war an der Reihe.

Wegweiser im Storchendorf Rühstädt

Das Storcheninformationszentrum hatte einiges zu bieten. Die Ausstellung zu den Störchen und eine kleine Sonderausstellung zu Wölfen. Besonders empfehlen kann ich die 10 besten Cartoons zum Thema „Eingliederung, Ansiedlung von Wölfen in Deutschland“. Klasse.
Bis Havelberg rollt das Rad über gut ausgebaute Wege. Nach Rüstädt hat man die Wahl entlang der Havel oder der Elbe zu radeln. Der Weg entlang der Elbe ist etwas holprig, der an der Havel nicht. Ein junge Fuchs vor seinem Bau, Gänse und Störche, Greifvögel und frei laufende Jungbullen teilen sich mit Hasen, Ziegenböcken und Schafherden die Wiesen am Ufer der Elbe und Havel. Viel Natur, wie überall abseits der kleinen Städtchen, Dörfer und Weiler. Wohltuend. Am Havelwehr vereinen sich die beiden Wege nach rund 10 Kilometer und es geht in Richtung Havelberg.
Havelberg hat einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Unser Quartier, das Lichthaus Knopf, entpuppte sich als ein zum Verkauf stehendes Haus. Unsere Räder fanden in einem fast baufälligen, muffigen, Denkmal geschützten Haus einen Unterschlupf. In der Pension erwarteten uns große, helle Zimmer mit einem guten Bad. Das Frühstück einfallslos, passt zur überall wahrnehmbaren Depression des Hauses. Hoffnungen, die es sicher einmal gab, wurden wie das Haus zum Verkauf offeriert. Keine Empfehlung für das Lichthaus Knopf.

Havelberg – Dom

Hoch über Havelberg thront der Dom. Ein imposantes Ensemble. Der Aufstieg zum Dom lohnt sich in jedem Fall. Ein Besuch im Dom, ein Gang durch die Kreuzgänge, tut gut. Der Dom selbst ist riesig und still. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Ruhe spendende Raum zur Besinnung einlädt.
In der alten Schule, gegenüber dem Dom, ist ein italienisches Restaurant eingezogen. Der Essen und der Service sind gut. Die Preise angemessen.

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Havelberg – Tangermünde | 40 Kilometer

Quälende Kilometer, obwohl es eine kurze Etappe sein sollte. Entlang der Bundesstraße ging es von Havelberg nach Sandau. Etwa 1 Kilometer vom Ortskern entfernt, kann man mit der Fähre übersetzen. Achtung, im Ortskern an

Havel Wehr

der vom Krieg zerstörten Kirche rechts abbiegen. Die Beschilderung ist leicht zu übersehen. Bei der Fähre handelt es sich um eine Gierseilfähre.
Auf dem Weg nach Dresden sind wir mehrfach mit dieser Art von Fähre übergesetzt. In Sandau erwischten wir einen eher zugeknöpften Fährmann. Meine Frage nach der Technik wurde mit einem mürrischen Hinweis auf einen aushängenden Zeitungsartikel beantwortet. Der Weg in Richtung Arneburg ist auf der Karte gut ausgeschildert. In der Praxis gab es – nicht nur für uns – ein Problem. An einer Kreuzung an der „Kirch Polkritz“ sind wir falsch abgebogen. Die Beschilderung war nicht eindeutig. Und so kam es, dass wir zwischen dem im Abriss befindlichen AKW Stendal und einer hoch modernen Papierfabrik vorbei fuhren. Lücken klaffen in den Gebäuderesten des AKW-Komplexes. Gegenüber rollte ein Holz beladener LKW nach dem anderen auf das Gelände der Papierfabrik. Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände hat ein in Essen ansässiges Unternehmen seinen Eigentumsanspruch plakatiert. Die Postanschrift weist darauf hin, dass RWE und diese Firma unter einer Adresse firmieren. Am Ende der Straße trafen wir auf zwei kleine Radgruppen die ebenfalls den Abzweig nicht gefunden hatten. Nach einem kurzen Austausch war allen klar, dass es links in Richtung Arneburg ging. In den Ortschaften, die wir danach durchfuhren fanden wir Schilder und Plakate, die sich gegen den Bau eines Kohlekraftwerkes in Arneburg aussprachen. AKW oder Kohlekraftwerk, beides Auslaufmodelle.
Die wellige Streckenführung nach Arneburg und satter Gegenwind sorgten für durchschwitzte Kleidung und müde Beine. Unser Quartier, das Hotel Stars Inn, liegt mitten in der malerischen Altstadt von Tangermünde. Die Zimmer und ihre Ausstattung haben uns gut gefallen. Nur im Stars Inn lagen neben dem Frühstücksbuffet Frühstücksbeutel für die Radfahrer. Dieser Service, sich etwas einzupacken, ist uns nur dort offeriert worden. Sehr nett. Ein sehr angenehmer Aufenthalt. Empfehlenswert.

Ostprodukte Versand-Haus Tangermünde

In Tangermünde hat ein junges Unternehmen zwei eigenwillige Restaurants betrieben. In einer alten Kirche konnte man mittelalterlich speisen. Dazu haben wir uns nicht durchringen können. Die alte Dorfschule in Tangermünde war das zweite Restaurant, die Exempel-Gaststuben. In einem liebevoll gestalteten Speise-Klassenzimmer haben wir gegessen. Leider wurde die Spinatbeilage im vegetarischen Gericht mit Speck angereichert.
Auf dem Rathaus brütete ein Storchenpaar.

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Tangermünde – Magdeburg | 75 Kilometer

Am Morgen rollten wir kurz nach 8 Uhr in Richtung Magdeburg. Wie zum Tschö sagen,  saßen auf den Zinnen der Stadtmauer mehrere Störche in einer Reihe. Auf den ersten Kilometern erfrischte leichter Nieselregen. Die Wege sind gut ausgebaut und ausgeschildert. Allerdings nahmen wir einige Abkürzungen um zügiger voran zu kommen. Den hinter uns liegenden

Einladung DDR-Erlebnistag

zahlreichen Kopfsteinpflasterpassagen verdankte ich, dass mir in Kuhnert Schrauben des Lowriders verloren gingen. Eine holländische Reisegruppe konnte mir nicht helfen. Aber, die transportierten Kabelbinder stabilisierten die Lowrider. Bis Rogätz lief es insgesamt gut. Im einzigen Supermarkt auf dem Weg (in Rogätz) deckten wir uns mit dem Nötigen ein. Zu spät erreichten wir die Fähre. Mittagspause am Fähranleger. Aus den Packtaschen fischten wir Obst, Brötchen, Belag und Getränke und legten uns für eine knappe Stunde auf die Elbwiese.
Scheinbar frisch und erholt setzten wir über. Auf dem Deich von Schartau erwischte uns nach dem Übersetzen der Wind. Runterschalten. Mühsam strampelten wir in Richtung Wasserstraßenkreuz.
Richtig hart wurde es für uns an der Doppelschleuse des Elbe-Havel-Kanals in Hohenwarthe. Da ging fast nichts mehr. Einige Radfahrer sind abgestiegen bei der Anfahrt zum Wasserstraßenkreuz. Bei Windstärke 6 hatte ich das Gefühl gegen eine Wand zu treten. Ein mir entgegen kommender Radfahrer hielt an und fragte nach meinem Befinden und unserem Ziel. Ich nannte Magdeburg. Er: Kehren Sie um. Nichts da. In Hohenwarthe suchten und fanden wir eine Gaststätte. Pause. Die letzten 20 Kilometer bis zur Jugendherberge in Magdeburg rollten wir mehr oder weniger

Hundertwassers Grüne Zitadelle

erschöpft über den gut ausgebauten  Elberadweg. Die Beschilderung des Radweges war sehr übersichtich. Erst in Magdeburg mussten wir uns etwas Zeit für die Orientierung gönnen.
Mitten im Herzen von Magdeburg, in Sichtweite der Grünen Zitadelle steht die Jugendherberge.  Unser Familienzimmer im vierten Stockwerk hat uns gut gefallen. Zwei Zimmer mit einem gemeinsamen Bad und einer separaten Toilette, entsprachen unseren Erwartungen. Ein erster Ruhetag lag vor uns. Zu unserer Überraschung trafen wir in der Jugendherberge auf zwei Bekannte, eine Dresdnerin mit ihrer 10 jährigen Tochter Anna. Sie waren von Cuxhaven bis Magdeburg unterwegs. Seit Lauenburg trafen wir uns immer wieder, denn die Etappen waren in etwa gleich und die Übernachtungsorte ähnlich gewählt. Im Speisesaal tauschten wir unsere Erfahrungen auf dem Elberadweg aus.

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Magdeburg

Ein Ruhetag. Wäsche waschen, Fahrrad zur Reparaur, Besichtigungsprogramm, Kultur…
Eine Fahrradwerkstatt musste her. Die Gangschaltung eines Rades war defekt. Empfehlung: Eldorado. Zuerst wollte man uns auf eine mehrtägige Wartezeit vertrösten. Die Werkstattbücher waren voll. Es war sehr nett, dass man unser Rad noch zwischendurch dran genommen hat. Wir können das Eldorado weiter empfehlen.

Gedenktafel. 1:0 in Hamburg

Annas Waschcenter, unser zweiter Dienstleister, wusch und trocknete unsere Wäsche. Zwei Packtaschen voll schmutziger Wäsche gebracht, drei Stunden später standen wir vor einem großen Tisch und falteten die saubere Wäsche zusammen.
Dazwischen ein kurzer Tripp durch Magdeburg auf der Suche nach passenden Lowrider-Schrauben. Weder im Eldorado, noch im Baumarkt oder anderen Radläden bekam ich Ersatz für die abhanden gekommenen Schrauben mit den passenden Distanzhülsen. Das Provisorium musste bleiben und hat bis heute gehalten.
Auf dem Weg zu Annas Waschcenter fiel uns ein Hochhaus auf. Alle Fenster waren mit Portraitphotos beklebt. „Magdeburg zeigt Gesichter gegen Nazis“ war

Gesicht zeigen gegen Nazis

von jeder Seite zu lesen. Ein weithin sichtbares Zeichen gegen Rechts.
Ähnlich wie im Ostteil Berlins, kann man in Magdeburg die Entwicklung der Baustile von der Gründerzeit, über die Bauten der 20er Jahre, zum stalinistischen Zuckerbäckerstil, hin zu den hoch gelobten Plattenbauten nachvollziehen. Oftmals stehen diese Stile direkt nebeneinander, besonders gut zu sehen auf der breiten Ernst-Reuter-Allee.
Den Magdeburger Dom und der darin befindliche Altar mit der von Ernst Barlach geschaffenen Skulpturengruppe zum Gedenken an die Kriegsjahr 1914 – 1918 musste ich mir anschauen. Im Dom und auf dem großen Vorplatz fanden im Herbst 1989 die großen Montagsdemonstrationen und Friedensgebete statt. Gegenüber dem Eingangsportal des Doms befinden sich auf dem Gehweg eingelassene Gedenksteine an diese Tage im Herbst 89.
Die von Friedensreich Hundertwasser entworfene „Grüne Zitadelle“ wirkt zwischen sozialistischem Plattenbau, moderner kühler Bankenarchitektur und Resten der Bebauung der 60er Jahre kühn, herausfordernd. Meine Frau hat sich einer Führung durch diesen Gebäudekomplex angeschlossen und war begeistert.

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Magdeburg – Dessau | 75 Kilometer

Frühstück um 7 Uhr. Im Speisesaal verabschieden wir uns von Anna und ihrer Mutter. Ihre  Radreise endete in Magdeburg. Sie fuhren mit der Bahn nach Dresden.
Uns trieb es nach Dessau, der Stadt von Moses Mendelsohn, Kurt Weill, Junkers und den Bauhäuslern um Walter Gropius, Klee, Kandisky, Nagy…
Über Werder, der Insel zwischen Elbe und Alt Elbe in Magdeburg ging es in Richtung Süden. Wir entschieden uns für die Route über Prester und Pechau an der Alt Elbe entlang. Schilder warnen vor Kröten und Biber. Ungewöhnlich. Der

Biber… Frösche…

Radweg entlang der Landstraße war gut zu befahren. Etwa einen Kilometer nach Pechau endet der Radweg und es geht auf der Landstraße über Calenberge nach Elbenau. Das Landschaftsschutzgebiet Mittelelbe ist bei Elbehochwasser zur Flutung vorgesehen. In der Nähe von Pretzien ist ein Wehr entstanden, dass diese Ausgleichsflächen bei Bedarf frei gibt. Beim Durchfahren der Landschaft deutet nichts auf diese Funktion hin. Von Pretzin geht es auf einer viel befahrenen Landstraße in Richtung Dornburg. Bikeline weist auf Bodenwellen hin. In einigen Passagen der Straße schlagen die Bodenwellen ganz schön zu. Es ist kein schönes Fahren. Folgt man unserer Route, dann muss man wissen, es gibt zwischen Magdeburg und Walternienburg keine Einkaufsmöglichkeiten. Wenn man am Wochenende radelt und wie wir um 11.07 Uhr in Walternienburg ankommt, entfällt auch diese Einkaufsmöglichkeit. In ein Gasthaus einzukehren, war kein Problem.

Auflauf auf dem Elberadweg

Bis Brambach sind wir auf der rechten Seite der Elbe geradelt. Der Verkehr auf den Landstraßen war nicht der Rede wert. Wenn man in Brambach die Fähre nach Dessau nehmen will, muss man nach Passieren des Ortseingangs die erste Straße rechts nehmen und bis zum Gasthof durchfahren. Dort kann man nach dem Fährmann fragen. Der Fährpreis wird ausgehandelt, denn es ist ein privat organisiertes Übersetzen. Wie uns der Fährmann sagte, ist es sein Hobby und kein offizielles Gewerbe. Über Feldwege geht es in Richtung Dessau und das Gartenreich Dessau – Wörlitz. Die Jugendherberge, seit kurzem in einem renovierten ehemaligen Lehrlingsheim untergebracht, steht unweit der Meisterhäuser des Bauhauses. Sie hat uns sehr gut gefallen.  Das Personal ist aufmerksam, freundlich und hilfsbereit. Drei Tage haben wir in Dessau verbracht. Es gibt viel zu entdecken.

Wer an Dessau vorbei radelt, verpasst so viel. Man muss kein Bauhaus Spezialist oder Fan sein, um in dieser Stadt Interessantes zu finden. Mit dem Neubau des Bundesumweltamtes haben die Architekten bewiesen, dass man große Objekte so gestalten kann, dass sie nicht wie ein Fremdkörper in der Stadt herumstehen.

Bundesumweltamt Dessau

Form und Farbgestaltung sind außergewöhnlich. Eindrucksvoll.
Ich kann den Radlern die Bauhaus-Tour durch Dessau empfehlen. Diese Fahrt gleicht einer Reise durch die Geschichte. Häuser aus der Gründerzeit stehen glanzvoll restauriert neben den einfallslosen Einkaufstempel der neunziger Jahre in denen sich die üblichen Betreiber ein Stelldichein geben. Abgelöst werden diese Bauten nur noch von der „Platte“, die oft unbewohnt in der Gegend steht. Trostlose Anblicke. Aus den Plattenbauten lugten alte Menschen aus den Fenstern.

Wenn man alle Objekte, die im Zusammenhang mit dem Bauhaus betrachtet werden können aufsucht, ist man mehrere Stunden in der Stadt unterwegs. Eine lohnende Tour, denn man erkundet dabei die gesamte Stadt. Nicht stören lassen sollte man sich von den Massen, die aus  den Reisebusseen entsteigen und rund um das Bauhaus ihre Kameras in Stellung bringen. Das Bauhaus wurde und wird noch renoviert. Die Arbeitsergebnisse sind beeindruckend. Man muss sich vorstellen, dass Klee, Kandisky, Nagy und andere, die man nur aus den Museen kennt, hier ihre Schüler unterrichteten. Vergleicht man die Formensprache des Bauhauses mit den heutigen Designstilen, so fällt es nicht schwer Parallelen und Anleihen zu finden. Vieles von damals zählt jetzt zu den Stilikonen der Moderne. Klebt heute irgendwo „Bauhaus“ drauf, ist es kaum noch zu bezahlen. Gedacht war es anders. Form und Funktion miteinander vereinen und bezahlbar herstellen.

Auf dem Weg zum „Waldbad Freundschaft“ fristen verwilderte Ehrenfriedhöfe ihr Dasein. Eine Säule steht vor dem Eingang des Waldbades. Mit ihr dankte man den Erbauern „1972 – 1979“. Sowjetische Soldaten mit Balalaika, badende Frauen, arbeitende Männer und spielende Kinder schmücken dieses Exemplar des sozialistischen Realismus.

Seit dem Ende der DDR ist die Einwohnerzahl von Dessau um mehr als die Hälfte gesunken. Erst gingen die Arbeitsplätze, dann die Menschen. Eine riesige Herausforderung. Dass Dessau mit dem Bauhaus, den Meisterhäusern, dem Wörlitzer Park vor der Haustür und die Luther-Stadt Wittenberg um die Ecke, Objekte des UNESCO-Weltkulturerbes vorzuweisen hat, ist vielleicht die Chance für die Zukunft.

Ein Tipp für gutes, deftiges Essen und leckeres selbst gebrautes Bier: „Zum alten Dessauer“. In der Nähe des Theaters findet man ein italienisches Restaurant. Unsere Pizzaexperten haben die Pizza gelobt.

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Dessau – Wittenberg | 45 Kilometer

Der Elberadweg führt in Richtung Wittenberg durch das Gartenreich Dessau – Wörlitz. Die Wegbeläge wechseln häufig. Mal läuft es gut auf asphaltierten Passagen, die dann in einem festen Waldweg münden. Der Belag nach dem Dianentempel bei Vockenrode ist bis Wörlitz holprig. Schnelles Fahren ist schwierig. Die Betonplatten sind defekt, die Fugen setzen den Reifen zu und feiner Sand verhindert, dass die Reifen gut greifen.
Dass der Besuch in den Wörlitzer Anlagen ein Muss ist, soll nicht unerwähnt

Gondel-Station Gartenreich Wörlitz

bleiben. Wir nahmen uns die Zeit auf einem Stech-Kahn, die Gondeln genannt werden, durch das Gartenreich zu gleiten. Wohltuend, die sich immer verändernden Gartenbilder mit ihren genialen Sichtachsen zu entdecken. Die Integration der die Anlagen umgebenden Landschaft und ihrer wirtschaftlichen Nutzung in das Gartenreich ist vielleicht einzigartig. Von Anfang an waren das Schloss und die gestalteten Gärten immer öffentlich zugängig, so wie heute.
Von Wörlitz zur Coswiger Fähre führt der gut asphaltierte Radweg entlang einer mit groben Kopfsteinpflaster belegten Straße. Auffällig, die PKWs fahren langsamer als die Radfahrer.
Bis vor die Tore von Wittenberg führt der Elberadweg durch die Elbauen auf gutem Untergrund. Kurz vor der Stadt wurden wir durch ein Industrie-Chemie-Brachen-Gebiet geführt. Hightech neben halb verfallenen Fabrikgebäuden, große überwucherte Parkplatzflächen neben hochmodernen Abfertigungsterminals für Chemiefahrzeuge wechselten sich ab. Die Brachen neben der Hightech-Industrieanlage sind als Symbol für die abgewanderten Arbeitsplätze zu begreifen. Menschliches Arbeitsvermögen wird nur noch wenig nachgefragt. Letztlich ein depremierender An- bzw. Ausblick.

Blick auf Luthers Stadtkirche

Die Jugendherberge in Wittenberg residiert seit einiger Zeit in einem Flügel des alten Schlosses, unweit der berühmten Schlosskirche an die Luther seine Thesen nagelte. Ihre Räume sind freundlich und funktional gestaltet. Der Abstellplatz für die Fahrräder ist offen und wird nur in der Nacht verschlossen.

Leider hatten wir bei der Planung keinen Kultur-Ruhe-Tag in Wittenberg eingeplant. Ein Fehler. Es gibt unendlich viel zu sehen: Luthers Haus, Melanchtons Haus, die Cranach-Höfe und und und.

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Wittenberg – Torgau | 76 Kilometer

Auf der Tour nach Torgau ging es bis Elster auf der rechten Seite des Elbufers. Mit der Fähre setzten wir in Richtung Wartenburg über. Unterhalb des Elbdeichs lief es auf einem gut ausgebauten Radweg bis Pretsch. Zwischen Priesitz und Dommitzsch geht es richtig wellig zu. Auf und ab führt der Weg oberhalb der Elbe. Kurz vor Dommitzsch wurde ein alter Baum zu einem

Wegweiser bei Dommitzsch

globalen Wegweiser umfunktioniert. In alle Richtungen weisen die Schilder dem Radfahrer den Weg. Wir trafen dort auf eine kleine französische Radlergruppe die ein handgeschriebenes Schild „Montpellier 1.500 KM“ an den Baum hängen wollten. Mit unserem „Gaffa-Tape“ konnten wir helfen, das Schild zu befestigen.

In Torgau angekommen hieß es Hotel suchen. Wie es sich zeigte, war das nicht so einfach.  Das Sachsenhotel liegt in mitten einer Kleingartenanlage am Rande der Renaissancestadt Torgau. Leider haben wir durch Baustellen den Weg und somit die Orientierung verloren und sind der Hotelbeschilderung für Autos gefolgt. Wer immer mit dem Rad dieses Hotel sucht, sollte diesen Weg meiden. Man fährt auf Ausfallstraßen mit sehr hoher Verkehrsdichte. Kein Vergnügen. Die Lage des Hotels hat uns veranlasst, abends nicht mehr ins Zentrum zu fahren. Eigentlich schade. Am Morgen erwartete uns ein sehr reichhaltiges Buffet.
Wir haben uns dann noch Zeit genommen und sind in Torgau herum gegangen. Die Altstadt, das Schloss Hartenfels, die berühmten Kirchen, die Grabstätte von Katharina Luther, das Denkmal zum Gedenken an das Treffen der roten Armee und amerikanischer Truppen 1945. Es gibt viel zu entdecken. Besonders beeindruckt haben mich das Treppenhaus im Schloss Hartenfels und die Marienkirche mit dem Grab von Katharina Luther. Wer sich das Denkmal der Begegnung von roter Armee und amerikanischen Kampfverbänden anschaut sollte über das gegenüber liegende Denkmal nicht unbeachtet lassen. Beide zusammen, legen Zeugnis ab, wie Geschichte geschrieben worden ist. Die „wirkliche“ Befreiung erfolgte durch den „großen Bruder“.

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Torgau – Strehla | 45 Kilometer

Bevor wir Torgau in Richtung Strehla verließen befragten wir eine ältere Dame wo wir denn noch etwas einkaufen könnten. Sie erklärte uns, wie wir zur „Kaufhalle“ fahren müssten. Nicht ohne Verwunderung standen wir vor einer Aldi Filiale. Was soll man dazu sagen? Aldi, die neue Kaufhalle.

Warm war es auf der Fahrt in Richtung Strehla. Kräftig blies uns der Wind entgegen. An der Radfahrerkirche in Weßnig sind wir vorbei geflogen. Vor Belgern machte sich die Änderung der Landschaft bemerkbar. Es ging wieder bergauf. Nicht alle wollten und konnten die beiden Anstiege zügig bewältigen.  Unser Bemühen, nach rund 25 Kilometer ein Café oder eine Gastwirtschaft zu finden, endete ergebnislos. Lediglich eine wegen Betriebsferien geschlossene „Landbäckerei“ in Schirmenitz lag auf unserem Weg. Bis Strehla suchten wir vergebens.

Unser Ziel, die Jugendherberge in Strehla lag für uns in der Nähe des Ortseinganges in der Nähe des Schlosses. Wir entschieden uns in Görzig für den direkten Weg. Bergauf. Bei Hitze und Gegenwind eine kleine Tortour.

Die Jugendherberge, in einer alten Windmühle untergebracht, kann den Komfort der großen Jugendherbergen nicht bieten. Unsere mitreisenden Jugendlichen waren geschockt vom Zimmer ohne Dusche und Toilette. Unsere Zimmer hatten wir frühzeitig online vorbestellt und bestätigt bekommen. Der Herbergsvater teilte uns mit, dass wir die 2 Nächte alleine in der Jugendherberge sein würden. Wir hätten so früh gebucht, dass man uns nicht wieder ausladen wollte. Sie seien das Wochenende bei ihrem Enkel zur Einschulung. Alles sei geregelt. Nett. Ungewöhnlich. Bevor wir – dann doch nicht alleine – in der Jugendherberge zurück blieben, erlebten wir eine Kindergruppe und ihre Betreuerinnen beim Essen. An zwei Tischen wurden die Kinder platziert. Das Essen, in Buffetform angeboten, konnten sich die Kinder nach und nach holen. Jeder fing irgendwann an zu essen. Wer meinte, fertig zu sein, verließ den Tisch. Die beiden Betreuerinnen setzten sich an einen anderen Tisch, eine mit dem Rücken zur Gruppe und beschäftigten sich mit sich selbst. Kein gemeinsamer Beginn, kein Ritual, kein auf den anderen achten… Unglaublich. Undenkbar in meinem Arbeitsbereich.

Stehla, ein kleines Städtchen oberhalb der Elbe hat wenig Charme. Das Schloss liegt nett, doch viel mehr scheint die Stadt nicht zu bieten haben. Unsere Spaziergänge waren nicht sonderlich ergiebig. Ein großes, altes Freibad im Stil der siebziger Jahre hat uns noch angezogen. Der FDJ Charme aus dem Baujahr 1968 war im Bad noch spürbar. Aber immerhin gab es ein Freibad, das von Bürgern aus Strehla und einer gesellschaftlich relevanten Gruppierung (deren Abkürzung mit „G“ beginnt) gebaut. Auf der Erinnerungstafel wurde das Bad als „sozialistische Errungenschaft“ gewürdigt. Wenns hilft.

Gedenktafel Begegnung Rote Armee und amerikanische Truppen 1945

In unmittelbarer Nähe der Fähre befindet sich das Denkmal für die erste Begegnung von Truppen der Roten Armee und amerikanischen Verbänden. Hier traf man sich Stunden vor der historisch fixierten Begegnung in Torgau.

Was wir zu dem Zeitpunkt noch nicht wußten war, dass in Strehla nicht unwichtige Menschen aus dem rechten Spektrum leben. Gibt man in Google „NPD +Strehla“ ein, bekommt man die zahlreichen relevanten Seiten der NPD zuerst angezeigt. Ein MDR Bericht über die Aktivitäten der NPD, Mitglieder und Symphatisanten in Ehrenämtern zu platzieren, sticht hervor. Medial sind die Rechten auf der Höhe der Zeit.

In Strehla bekamen wir Besuch. Freunde waren wie wir auf dem Elberadweg unterwegs. Sie überholten uns in Strehla. Schön war es, über die Tour-Erlebnisse zu reden und Ersatzschläuche auszutauschen. Interessant fand ich, dass die „Alten“ die Tour doch anders erlebten. Die Erfahrung mit zwei deutschen Staaten gelebt zu haben, wurde bei uns doch immer und überall einer Prüfung unterzogen. Wir haben einfach anders geschaut. Spuren, Eigentümlichkeiten, sind uns weniger entgangen.

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Strehla – Meissen | 43 Kilometer

Auf dem Weg nach Meissen war Riesa unsere erste Station die Skulptur „Elbquelle“ von Jörg Immendorf. Europas größte, aus Gusseisen geschaffene Skulptur, beeindruckt durch ihre Symbolik.  Riesa selbst präsentierte sich uns als eine Kleinstadt mir Flair.
In einem der Sportgeschäfte suchten wir nach einem Ersatzteil für ein Fahrrad und wurden von einer eifrigen Verkäuferin in das zweite Obergeschoss verwiesen. Oben angekommen erfuhren wir, dass der nächste Fahrradladen rund 300 Meter entfernt sei. Aha. Treppen runter und weiter gings. Leider hat sich die Reparatur nicht durchführen lassen, da nicht die Lampe sondern der Nabendynamo die Biege gemacht hatte.  Mit Proviant versorgt, ging es bei stetigem leichten Gegenwind in Richtung Meissen. Zwische Riesa und Meissen hingen an jedem (wirklich an jedem) Laternenpfahl die Wahlkampfplakate der NPD. An jedem. Kaum eine andere Partei hatte plakatiert. Unsere beiden dynamischen und jungen Wegbegleiterinnen ging das mächtig gegen den Strich. Die visuelle Dominanz der Rechten, war nicht zu ertragen. Mir fiel der Ausspruch von Max Liebermann ein, den er am 30. Jnauar 1933 beim Anblick der SA-Truppen vor dem Brandenburger Tor getätigt haben soll: „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.“ Mehr dazu unter Dresden.

Unterhalb von Schloss Neuhirschstein machten wir Brotzeit und genossen die Ruhe und sahen erstmals einen Ausflugsdampfer, der wohl aus Dresden kam. Bis Meissen  war es ein kurzes Stück. Unser Quartier, in Richtung Dresden gelegen, lag zwar an einer viel befahrenen Straße. Von Lärm wurden wir aber nicht belästigt.

Auch hier haben wir einen Tag Kulturpause eingelegt. Samstag angekommen, Sonntag in Meißen verbracht. Um die Innenstadt äußerlich zu erkunden, reicht ein Tag aus. Die nette, einladende Altstadt und das alles überragende Ensemble der Albrechtsburg mit dem Dom und dem ehemaligen Bischofssitz, sind ein guter Grund gewesen, Pause zu machen. .

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Meissen – Dresden | 32 Kilometer

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2 Gedanken zu „Elberadweg“

  1. DANKE für diesen tollen und informativen Reisebericht. Ich hoffe auf Einverständnis, wenn ich die Erfahrungen und Tipp`s in meine ReisePlanung 2016 mit aufnehme.
    Viel Spass auf weiteren Er-Fahrungen.

  2. Sehr, sehr guter Bericht über den Elberadweg. Einen so guten und ausführlichen Bericht habe ich bisher noch nicht gefunden.

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