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Wer viel hat, soll noch mehr bekommen und wer wenig hat…

Wozu frage ich mich, soll ich mich über die Sprüche eines Guido Westerwelle aufregen? Lohnt nicht. Ich wußte es doch. Sein Credo: Wer viel hat, soll noch mehr bekommen und wer wenig hat, soll sich damit zufrieden geben, war doch bekannt. Er hat es nicht verheimlicht. Wer wie er aus dem Staat eine anonyme Größe macht, die dem Reichen nur was weg nehmen will, hat wohl vergessen, dass er von diesem Staat fürstlich entlohnt und im Alter überdurchschnittlich versorgt wird.
Herr Westerwelle, was haben Sie bislang prokutives geleistet?
Ich wäre dankbar, wenn ich auf diese Frage eine Antwort bekäme. Mir will einfach nichts einfallen. Jemand, der bei Quelle, Hertie oder Nokia jahrzehnte lang gearbeitet hat, dessen Chef die Karre gegen die Wand gefahren hat, muss sich von Herrn Westerwelle beleidigen lassen.  Respektlos werden diese Bürger der Neigung zur dekadenten (römischen) Lebensweise verdächtigt. Wo leben wir, dass wir uns solche Politiker leisten (können)?

Worüber redet Herr Westerwelle eigentlich? Hat er einen leisen Schimmer von der Materie über die er sich auslässt? Wohl kaum. Im Geschichtsunterricht, scheint er nicht besonders präsent gewesen zu sein. Vielleicht hätte ihm einer der PR Berater(innen) sagen sollen, dass das dekadente römische Reich eine Sklavenhaltergesellschaft war. Deren dekadenter Teil waren die Besitzenden. Ein bischen Allgemeinbildung. Bitte.  Dank Heiner Geisler weiß ich jetzt, dass in diesen Zeiten es auch ein Esel zum Konsul gebracht hat.

Ich vermute, dass Herr Westerwelle das Grundsatzurteil des BGH zu den Sätzen von HARTZ IV als Steilvorlage nutzen möchte. Den Spieß umdrehen und gegen die zu Felde ziehen, die sich anmaßen, ihren Teil vom gesellschaftlichen Kuchen einzufordern. Für die Staat eben nicht eine anonyme Größe, sondern die Gemeinschaft aller Menschen in Deutschland ist. Wir sind Staat. Wenn wir Staat wären, dann wäre es auch die Aufgabe des Politikers Guido Westerwelle, sich dafür stark zu machen, dass Arbeit gerecht verteilt und wo nicht vorhanden, Lasten gemeinsam getragen werden. Aber, dass passt nicht ins Weltbild von Guido Westerwelle.

Herr Westerwelle, wie wäre es, wenn sie sich eine ARGE von innen ansehen und 9 Stunden Zeit spenden. Sie setzen sich ohne Begleitung der Presse an den  Schreibtisch eines Fallmanagers und sehen in die Gesichter der Menschen, die an diesem Tag sich die Türklinke in die Hand drücken. Sie hören sich deren Geschichte an und prüfen auf der Basis des geltenden Rechts was zu tun ihnen möglich wäre. Kein guter Vorschlag? Keine Zeit? Vielleicht denken sie beim nächsten Restaurantbesuch zwischen Vorspeise und dem Gruß aus der Küche nach bevor sie respektlos über Menschen herziehen.

Nur gut, dass mit ihrer Entgleisung der Blick von denen abgewendet wird, die durch kriminelle Handlungen, ihren wie auch immer erwirtschafteten materiellen Vorteil an der Allgemeinheit vorbei ins Ausland transferiert haben. Weg mit dem Fokus auf die, deren Aufgabe es ist, Geld arbeiten zu lassen und sei es mit dem Ziel, auszubeuten und zu vernichten um noch mehr zu raffen. Kann es sein, dass Herr Westerwelle für den Erhalt der Macht sich Anleihen aus dem Repertoire eines Jörg Haiders holen würde? Ist (fast) jedes rhetorische Mittel recht, wenn es dem Ziel dient, Gehör zu bekommen und von den tiefen Verwerfungen in unserer Republik abzulenken?


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